Suchen

Der größte der Gladiatoren

Italien, 1964

  • Originaltitel: Il magnifico gladiatore
  • Alternativtitel:

    O Magnifico Gladiador (BRA)

    El magnifico gladiador (ESP)

    Le gladiateur magnifique (FRA)

    Spartacus - Der grösste der Gladiatoren

    The Magnificent Gladiator

  • Deutsche Erstaufführung: 01. Dezember 1967
  • Regisseur: Alfonso Brescia
  • Kamera: Pier Ludovico Pavoni
  • Musik: Marcello Giombini
  • Drehbuch: Alfonso Brescia
  • Inhalt:

    Der Sohn des Königs der Dakier Attalus wird nach einer Schlacht gemeinsam mit seinen Soldaten von den siegreichen Römern gefangen genommen. Aufgrund seiner Kampfstärke wird er in Rom von Kaiser Galienus als Gladiator eingesetzt. Attalus gelingt es aber nicht nur das Vertrauen des Kaisers zu gewinnen sondern auch das Herz dessen hübscher Tochter Velida zu erobern. Allerdings ist auch der Vertraute des Kaisers Zullo scharf auf die Hand von Velida, vor allen Dingen aber auf den Thron von Galienus. So versucht er mit einer unglaublichen Intrige Velida und die Kaiserkrone an sich zu reißen.

  • Autor: nerofranco
  • Review:

    Der Römer Alfonso Brescia war während seiner Laufbahn in so manchem Genre aktiv, wobei bei uns seine Western und Weltraumabenteuer am bekanntesten sein dürften. Außerdem drehte er in den 70’ern eine Reihe von Polizeifilmen mit dem neapolitanischen Sänger Mario Merola in der Hauptrolle, die zwar in Italien einen gewissen Beliebtheitsgrad erreicht haben bei uns aber doch eher unbekannt sind. Bevor er 1964 bei dem Peplum La rivolta dei pretoriani (Der Aufstand der Prätorianer) zum ersten Mal als Hauptverantwortlicher auf dem Regiestuhl Platz nahm fungierte er in den 50’ern und Anfang der 60’er in zahlreichen Filmen als Regieassistent. So unter anderem bei Pedro Lazagas ungemein unterhaltsamen I sette gladiatori (Die sieben Gladiatoren), in dem Richard Harrison die Sandalen schnürt und mit seinen Gladiatoren ein paar heimtückischen Gestalten das Handwerk legt.

     

    Nach seinem Debüt La rivolta dei pretoriani liefert uns Brescia mit seiner zweiten Regiearbeit Il magnifico gladiatore (Der Größte der Gladiatoren) einen ordentlich inszenierten und gut unterhaltenden Sandalen-Streifen, der mir zumindest sehr viel Freude bereitet hat. Die Eingangs beschriebene Story wird uns in dieser oder ähnlicher Form recht häufig in diesem Genre vorgesetzt, wird von Brescia aber recht ansprechend und abwechslungsreich erzählt. Das Label Savoy möchte uns mit ihrem DVD-Cover einen Spartacus als Helden verkaufen, der findet sich in dem Film allerdings nicht, der Held heißt hier nämlich Attalus. Diese Masche kennen wir von Savoy ja schon von ihren Western-Veröffentlichungen aber was solls, wenns den Verkauf fördert. Verkörpert wird Attalus (der im italienischen Ercole heißt) vom Amerikaner Mark Forest, der sich ausschließlich in Peplums verdingte, meist als Maciste oder Herkules. Il magnifico gladiatore war bereits sein vorletzter Auftritt als Filmschauspieler. Danach machte er sich auf als Sänger die Opernbühne zu erobern. Das Geld, welches er bei seiner Filmarbeit in Italien verdiente, verwendete Forest nämlich um sich als Opernsänger ausbilden zu lassen. (1) Seine Rolle als Muskelprotz Attalus erledigt Forest mit Bravour ohne dabei jedoch besonders glänzen zu können. Aber immerhin hat er ein unglaubliches Grinsen drauf was ihn auch als schmierigen Bösewicht qualifiziert hätte. Mehr Spaß zum Zuschauen macht aber Paolo Gozlino als diabolischer und durchtriebener Zullo (toller Namen übrigens), der die traumhaft schöne Marilù Tolo ehelichen will um Kaiser des Römischen Reiches werden zu können. Dafür ist ihm jedes Mittel recht, sogar die Entführung des amtierenden Kaisers.

     

    Die hübsche Jolanda Modio, die später auch in einigen Western zu sehen war, feiert hier ihr Spielfilmdebüt und der schwergewichtige Darsteller Franco Cobianchi, als Kaiser Galienus, hat gleich eine Doppelrolle ergattert. Aber eigentlich darf er zwei Mal dieselbe Rolle spielen. Galienus ist ausnahmsweise einmal ein freundlicher, gerechter und gütiger Kaiser, keiner dieser intriganten Schweinehunde, die man oftmals vorgesetzt bekommt. Unter den gefangenen Dakern befinden sich unter anderem der hier noch ziemlich junge und äußerst gut aufgelegte Artist Nazzareno Zamperla als Pferdeflüsterer Horacio (Attalus: Warum bist du im Gefängnis? – Horacius: Ach, weil ich eine magische Anziehungskraft auf Pferde habe. Wenn ich einen Stall verlasse läuft mir bestimmt eins nach.) sowie Nello Pazzafini, Fortunato Arena, Umberto Raho und Roberto Messina. Horacius Fähigkeit Pferde zu klauen soll sich im Laufe der Geschichte noch als äußerst nützlich erweisen. Die anderen vier haben leider keinen Text spendiert bekommen dürfen dafür aber des Öfteren kräftig zulangen. Dann gibt’s da noch einen witzigen Schäfer namens Trusio, der wohl für die humorvollen Momente sorgen soll und der in sein Leitschaf Messalina verliebt ist. Durch unglückliche Umstände wird er ebenfalls gefangen genommen und so darf sich der eigentlich friedfertige Trusio der Truppe rund um den kampflustigen Attalus anschließen.

     

    Inszeniert hat Brescia diese grundsolide Sause recht flott und unterhaltsam ohne dass sich irgendwelche Langeweile einschleicht. Sehr schön ausgefallen sind die Kulissen und Kostüme, die den Film schön bunt gestalten auch wenn Rom hier ziemlich winzig wirkt, mal abgesehen von dem Volksaufstand am Ende, der wohl in einer realen Gasse gedreht wurde. Die Nachtszenen haben mir besonders gut gefallen, die wurden wirklich sehr schön fotogarfiert und ausgeleuchtet. Historisch ist der Film nicht so ganz korrekt, was aber nicht wirklich genreuntypisch ist und für mich als Nicht-Historiker auch nicht unbedingt störend. Dakien wurde nämlich bereits im Jahre 106 von den Römern erobert und musste 271 schon wieder aufgegeben werden (2), die im Film einfallenden Hunnen stießen aber erst im 4.Jahrhundert an die Grenzen des Römischen Reiches vor (3). Brescia fügte zudem einige Szenen aus einem anderen Film mit Steve Reeves ein nämlich aus Maciste, gladiatore di Sparta (Maciste, Held von Sparta), was mir aber nicht störend aufgefallen wäre. Ich hab den Maciste-Film allerdings nicht gesehen. Im folgenden Link ist erkennbar um welche Szenen es sich dabei ungefähr handelt: http://www.coolasscinema.com/search/label/Terror%20of%20Rome%20Against%20the%20Son%20of%20Hercules

     

    Der Film ist wie gesagt recht gut gelungen, die DVD von Savoy bedauerlicherweise weniger. Die Bildqualität ist noch recht ordentlich und in dieser Preisklasse kann man gut damit leben, am Ton wurde allerdings heftig am Regler geschraubt, so dass man ständig dieses Pfeifen im Hintergrund hört. Ab und an klingt der Ton auch ein wenig hohl. Wer kann sollte also auf die italienische Tonspur zurückgreifen, die ist wesentlich besser, deutsche Untertitel sucht man dort allerdings vergeblich. Ein weiteres Problem der DVD wird auch zu einem wesentlich Problem des Films da man wohl anno dazumal circa 13 Minuten rausgeschnitten hatte was den Film an manchen Stellen ziemlich sprungartig erscheinen lässt. Manchmal fragt man sich wie die jetzt so schnell den Ort wechseln konnten, noch sind sie hier schon wo anders. Es handelt sich dabei aber fast ausschließlich um Dialogszenen, die aber nicht ganz unwesentlich sind. Anstatt diese Szenen aber in den Film zu integrieren und mit Untertitel zu versehen, wie man es eben von besseren Labels gewohnt ist, hat man sie nur unter der Rubrik Geschnittene Szenen beigefügt. Da auch die geschnittenen Szenen in derselben Qualität vorliegen wie der restliche Film gehe ich mal davon aus dass man einfach alle Szenen rausgeschnitten hat für die man keine deutsche Synchro zur Verfügung hatte und zum Übersetzen hatte man anscheinend niemanden. Diese Tatsache find ich nicht nur sehr schade sondern wirklich ärgerlich denn 13 Minuten sind nicht gerade ein Pappenstil und einige Ungereimtheiten und logische Löcher würden sich dadurch ebenfalls aufklären. Anscheinend wollte Savoy einen DVD mit durchgängig deutscher Synchro (4) aber vielleicht war es ihnen einfach auch zu viel Aufwand.

     

    Wer mit Peplums etwas anfangen kann wird mit Alfonso Brescias Il magnifico gladiatore sicherlich seine Freude haben, ist ihm doch damit ein unterhaltsamer, gut besetzter und flotter Sandalen-Spaß gelungen, der mir sehr viel Freude bereitet hat. Leider hat Savoy die Chance vertan den Film ungekürzt zu präsentieren was den Sehgenuss doch ein wenig beeinträchtigt. Trotzdem, wer Spaß an Sandalenfilmen hat sollte hier auf alle Fälle zuschlagen.

     

    (1) http://www.imdb.com/name/nm0286127/bio?ref_=nm_ov_bio_sm
    (2) http://de.wikipedia.org/wiki/Dakien#Dakien_wird_r.C3.B6mische_Provinz
    (3) http://de.wikipedia.org/wiki/Hunnen#Die_Hunnen_in_Europa
    (4) http://www.schnittberichte.com/svds.php?Page=Fassung&ID=22454

  • Autor: nerofranco
  • Filmplakate

    Links

    OFDb

    IMDb

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.