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The Great Swindle

Italien | Spanien, 1971

  • Originaltitel: Historia de una traición
  • Alternativtitel:

    Nel buio del terrore (IT)

    Diabolicamente sole con il delitto (IT)

    Carla e Lola

  • Regisseur: José Antonio Nieves Conde
  • Kamera: Antonio L. Ballesteros
  • Musik: Carlo Savina
  • Drehbuch: Juan José Alonso Millán, Juan Miguel Lamet, Giovanni Simonelli
  • Inhalt:

    Carla (Marisa Mell), eine nicht unbekannte Prostituierte in besseren Kreisen, und der reiche Industrielle Luis Montalban (Fernando Rey) beginnen nach einigen gemeinsamen Treffen eine Affäre miteinander. Allerdings steht Carla zwischenzeitlich wieder in einer Beziehung mit der attraktiven Kellnerin Lola (Sylva Koscina), die sie zwischenzeitlich aus den Augen verloren hatte. Durch ihre Freundin lernt Lola nun auch den reichen Geschäftsmann kennen, der fortan nur noch Augen für sie hat, bis die beiden schließlich heiraten. Die zwei Frauen verlieren sich erneut aus den Augen bis Carla eines Tages die Nachricht vom Tode Montalbans aus der Zeitung erfährt, der mit seinem Jet abgestürzt ist. Nun ist ihr Beistand gefragt, doch es scheint, als führe sie anderes im Schilde. Ist es Rache, ist es Liebe? Zusammen mit dem Künstler Arthur (Stephen Boyd), der sie einst vor dem Sprung von einer Klippe bewahrte, und der seit längerem ihr Liebhaber ist, schmiedet sie ein Komplott. Doch in diesem Fall kann keiner dem anderen trauen, denn jeder versucht seine Interessen rücksichtslos zu wahren, bis die Situation schließlich außer Kontrolle gerät...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Bei José Antonio Nieves Condes Beitrag handelt es sich leider um einen wenig bekannten Film, der seinerzeit keine deutsche Auswertung erfahren hat. "Nel buio del terrore" kann weitgehend dem Gaillo-Genre zugeordnet werden, wobei man ihn durchaus auch als eine Art Psycho-Thriller klassifizieren könnte. Der spanische Regisseur drehte mit dem Gespann Stephen Boyd und Marisa Mell auch noch den eigentlich wesentlich bemerkenswerteren Film "Marta", und er setzte seine Hauptpersonen sowohl hier, als auch dort blendend in Szene. Die Geschichte ist hochinteressant und bedient sich angesichts der Inszenierung einer eigenartigen Komplexität, die Aufmerksamkeit und auch Spannung begünstigen.

     

    In "Nel buio del terrore" kommt es zu verwirrenden Plot-in-Plot-Fragmenten, außerdem scharenweise zu komplizierteren Rückblenden, die sich teils erneut in Rückblenden präsentieren, was der Produktion im Ganzen jedoch einen sehr faszinierenden Schliff gibt. Nieves Conde setzt auf opulente Settings, träumerisch-trügerische Bilder und vor allem auf unzählige Zooms bei seinen Hauptdarstellerinnen. Marisa Mell und Sylva Koscina in einem Szenario stellt stellt eine atemberaubende Konstellation dar, die wirklich kaum zu überbieten ist. In Verbindung mit Carlo Savinas Musik-Kompositionen wird das Wahrgenommene in diesem Film zum absoluten Traum, beziehungsweise aufgrund der kompetenten Umsetzung der Regie zu einer Demonstration.

     

    Die große Bühne in dieser Geschichte gehört Marisa Mell, die sich Anfang der Siebziger Jahre auf dem Höhepunkt ihrer Karriere befand. Ihre Carla wirkt wie das Epizentrum der Sinnlichkeit, aber auch der Verwirrung, und Marisa Mell konnte ihre Figur mit unterschiedlichsten Facetten ausstatten, was für ein Funktionieren der Thematik auch letztlich eine Grundvoraussetzung darstellt. Nicht nur optisch gesehen, sondern vor allem darstellerisch sieht man sie in einer ihrer schönsten und aussagekräftigsten Rollen, die noch nicht, wie bereits einige Jahre später, oftmals von der Belanglosigkeit umzingelt waren. Carla transportiert eine undurchsichtige Note und ihre inneren Abgründe werden nur sichtbar, wenn dies die Resonanzkörper in Form der anderen Protagonisten zulassen.

     

    In kaum einem anderen Film hat man Marisa Mell so ausgelassen, und sie so häufig herzhaft lachen gesehen, auf der anderen Seite sieht man aber auch eine berechnende, gefühlskalte Frau, deren harte, teilnahmslose Blicke diverse Rückblenden einleiten werden. Die weiteren wichtigen Charaktere in dieser Geschichte stellen Sylva Koscina und Stephen Boyd dar, alle arbeiten verlässlich daran, dass die diffusen Zusammenhänge für lange Zeit im Unklaren bleiben. Der Zuschauer ahnt zwar, dass in dieser Dreieckskonstellation ein Trojanisches Pferd lauern dürfte, die Hauptpersonen glauben es sogar zu wissen, da sich jeder einzelne selbst dafür hält, doch es wird schließlich nicht nur für den Zuschauer Überraschungen geben.

     

    Die schöne Wahl-Italienerin Sylva Koscina steht ihrer Kollegin aus Österreich in nichts nach und kann für ebenso großes Aufsehen sorgen. Koscina und Mell haben in dieser Produktion neben all ihrer natürlich ausgestrahlten Erotik noch einige lesbische Einlagen zum Besten zu geben, die allerdings in keine Orgie der Expositionen ausarten. Hier und dort mal ein unschuldiger Kuss, ein gemeinsames Bad oder ein, dem Empfinden nach unmotiviert klingendes »I love you so much!«, mag man den attraktiven Gespielinnen nicht so recht abnehmen. Auch interpretiert Marisa Mell eine ihrer unzähligen Film-Strips, bei dem ihr allerdings von ihrer Kollegin buchstäblich, und reichlich angeheitert, die Show gestohlen wird. Sylva Koscina spielt in dieser Produktion unglaublich leichtfüßig und mitreißend, so dass es einfach nur ungeheuren Spaß macht, ihre strahlende Aura bestaunen zu können.

     

    Außerdem offeriert sie ein wesentlich höheres Identifikationspotential für den Zuschauer. Die Chemie zwischen Stephen Boyd und Marisa Mell ist hier perfekt, da die beiden seinerzeit, beziehungsweise spätestens ab dem nächsten gemeinsamen Film, auch privat liiert waren, was man in ihren Memoiren 'Coverlove' nachlesen kann. Es kommt jedenfalls wirklich Feuer und Leidenschaft auf, die Interaktionsleistungen wirken nicht nur spontan, sondern auch glaubhaft. Stephen Boyd lässt sich von den starken Frauen, und von deren ausfüllenden Interpretationen, in keinster Weise einschüchtern, vor allem aber nicht beeindrucken, so dass er einen überzeugenden und routinierten Eindruck hinterlässt. Seine tragende Rolle wirkt lange Zeit unscheinbar, streckenweise auch undurchsichtig, die geschilderten Konstellationen erschließen sich langsam, aber schließlich furios.

     

    Die Hintergründe des Films entzerren sich mit fortlaufender Zeit recht schwer und stiften immer wieder Verwirrung. Auch dieses Puzzle kommt beinahe komplett ohne herkömmliche Effekte aus, und versucht seinen teils umständlichen Weg eher auf psychologischer Ebene abzuhandeln, was nicht immer perfekt gelingt. Auch wenn sich von Zeit zu Zeit etwas Leerlauf-Potential bemerkbar macht (man muss sehr lange auf das erste Verbrechen warten), arbeitet die Regie auf ein solides Finale hin, welches einige Twists bereit hält, was die Gesamtkonstruktion rückblickend durchaus raffiniert erscheinen lässt. Was man ohne Abstriche sagen kann ist, dass dieser Beitrag eine bemerkenswerte Schönheit und Eleganz transportiert, es kommt dabei eine hohe Faszination zum Vorschein, die gewisse Unzulänglichkeiten geradezu weg dividiert.

     

    Sicherlich hätte man diesen Film unkomplizierter herstellen können und er hätte wahrscheinlich genau so gut funktioniert, aber das Verwirrung stiftende Element, das man lange Zeit gar nicht genau einschätzen kann, macht einen großen Reiz aus. Konventionelle Themen in unkonventionellen Silhouetten, gedankliche Kehrtwendungen und die diskrete Angriffslust der Regie, das verschwörerische Element um ein geheimer Drahtzieher; das alles hält schon prächtig bei Laune und wirkt auch bei mehrmaligem Anschauen immer wieder frisch und wie ein Überraschungspaket. Perfektioniert ist das Ganze schließlich mit der vermutlich schönsten Musik, die man je in derartigen Filmen miterleben kann. Insgesamt handelt es sich bei Nieves Condes Beitrag wirklich um einen überraschend unkonventionellen und erfrischenden Beitrag, der zwar alles andere als perfekt dasteht, aber als Einheit eine begeisternde Wirkung erzielt.

  • Autor: Prisma
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