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Das Grauen kommt nachts

Italien, 1972

  • Originaltitel: Delirio caldo
  • Alternativtitel:

    Death at the Villa (USA)

    Delirium (USA)

  • Regisseur: Renato Polselli
  • Kamera: Ugo Brunelli
  • Musik: Gianfranco Reverberi
  • Drehbuch: Renato Polselli
  • Inhalt:

    In seinem Berufsleben ist Dr. Herbert Lyutak als Psychiater aktiv. Er steht der Polizei - bei Mordfällen - mit Rat und Tat zur Seite. Im Privatleben leidet der Doktor (vorrangig) unter Potenzproblemen. Er arbeitet an seiner „Genesung“ indem er versucht ein junges Mädchen zu vergewaltigen. Doch der Schuss geht nicht nur nach hinten, sondern gar nicht - los und Lyutak ermordet das Mädchen. Da Lyutak fortan von Halluzinationen und Depressionen geplagt wird gesteht er, seiner Frau Marcia, den Mord. Es kommt jedoch zu weiteren Gräueltaten im Umfeld des Ehepaars Lyutak. Doch diesmal kann Herbert nicht der Mörder gewesen sein.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    "Das Grauen kommt nachts" gilt als polarisierend. Die Paradefeststellung: Man liebt oder man hasst diesen Film findet allerdings weniger ihre Berechtigung. Es spielt sich vielmehr das beim Rezipienten vorhandene - oder nicht vorhandene - Faible für das „Abgedrehte“ in den Vordergrund. Denn Renato Polsellis "Deliro Caldo" aka "Delirium" ist sehr speziell.

     

    "Ich will versuchen, ob die Chance einer Heilung für dieses Individuum besteht. Mit einer Untersuchung biochemischer, chromosomatischer Art und Weise. Ich weiß selbst noch nicht genau."
    (Dr. Herbert Lyutak)

     

    Zitate dieser Art weisen den Rezipienten in eine individuelle Welt des Irrsinns. Natürlich zieht eine solche Synchronarbeit den Film auf die Seite des erlesenen Schwachsinns. Doch sollte man "Das Grauen kommt nachts" nicht zu sehr an seiner deutschen Bearbeitung festmachen. Wer sich den Film im italienischen O-ton anschaut, der wird in vollkommen andere Sphären getragen. Während dieser Sichtung weiß der (geeignete) Rezipient die Firmierung "Delirium" immer besser zu deuten. Der von der Imagination gesteuerte Wahn zeigt sich – im Vergleich zur „realen“ Manie - als eine gleichberechtigte Instanz. Auf diese Weise wird der ohnehin stark groteske Eindruck, den der Film hinterlässt, manifestiert. Dabei pendelt der Rezipient zwischen Trance, Drogenrausch und Irrsinn. Mit solch „außerweltlichen“ Eigenschaften gelingt es dem Streifen für zahlreiche Fragezeichen zu sorgen. Auch das Verhalten seiner Akteure ist extrem befremdlich. Eine Szene in der sich die Protagonisten – ohne ersichtlichen Grund – auf dem Boden wälzen, fällt besonders auf. Das Geschehen könnte durchaus einem „Haunted House-Film“ entsprungen sein. Eine bizarre – von psychedelischer Rockmusik untermalte – Situation. Dieses Setting ist natürlich kein Einzelfall, denn die Protagonisten hinterlassen in vielen Momenten einen Eindruck als hätten sie zuviel „weißes Pulver“ konsumiert. Man denke an Mickey Hargitays grandiose „Spiegel-Szene“ und ….

     

    … macht euch selber auf die Suche, der „satanische Gral des Wahnsinns“ erwartet euch.

     

    "Delirium" ist eine Belastungsprobe die dem Rezipienten eine Eignung oder Nichteignung für die cineastische Absurdität attestiert. Das Skurrile, das Närrische, das fast Undefinierbare welches "Delirium" ausdrückt folgt einer gezielten Absicht: nämlich den Rausch (in dem man sich bei der Sichtung zweifelsohne befindet) ausgiebig zu fördern.

     

    „Spring über die Mauer, Richard!“

     

    Die (bereits angesprochene) deutsche Tonspur ist das „Speziellste“ was mir je zu Ohren kam. Wir lernen den Kartoffel und die Hyäne kennen, und instinktive Verdachtsmomente verraten uns wo wild getanzt wird. Es ist teilweise unfassbar was man den Protagonisten in den Mund gelegt hat. Dieses exzentrische Dialogbuch wird (in den Internetquellen) Heinz G. Schier zugeschrieben. Hinter dem Namen versteckt sich Heinz Gerhard Schier bzw. Harry Reisch. Dieser hatte Mitte der 60er, quasi im Alleingang und per Eigenverleih, Filme wie "Liebe per Inserat" und "Des Teufels nackte Tochter" in diverse Bahnhofskinos gebracht. Die Dialoge, aus der Feder von „Heinz Gerhard Harry Schier Reisch“ animieren - bei "Das Grauen kommt nachts" - zum Lachflash wie auch zum Kopfschütteln. Dem Film wird seine eigentliche Message gestohlen und er mutiert zu einem „Stadl der Kuriositäten“ den man „kaum“ für voll nehmen kann. Bei Telefongesprächen wird stets das Wort: Bitte? in den Hörer gebrüllt. Ferner spricht der Kartoffel von - und mit - einer Fliege die noch lebt.

     

    Doch ist es nicht allein die seltsame deutsche Synchronisation die für Verwunderung sorgt. Handlung und Ablauf des Films erscheinen äußerst strange und lassen selten eine klare Linie erkennen. Demnach sollten sich Logikfans und Koryphäen-Entlarver den Film (auch bei Auswahl des italienischen O-tons) lieber nicht anschauen. Das "Delirium" wird keine Rücksicht nehmen - und dessen gnadenloser Fährmann steuert konsequent in den Irrsinn …

     

    ... oder auch nicht?

     

    BITTE?
    BITTE??
    BITTE????
    BITTE?????

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    AS GRAUEN KOMMT NACHTS erhielt 2014 (s)eine deutsche DVD Auswertung von filmArt. Die Doppel DVD enthält vier Versionen des Films. Die italienische Originalfassung, die französische Hardcore-Fassung, die deutsche Kurzfassung, sowie die deutsche Version incl. der Vietnamszenen. Näheres zu den unterschiedlichen Schnittfassungen wird in dem – ebenfalls auf der DVD enthaltenen - vorzüglichen und teils köstlichen Audiokommentar von Pelle Felsch und Christian Keßler vermittelt.

  • Autor: Frank Faltin
  • Filmplakate

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