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Giochi erotici di una famiglia per bene

Italien, 1975

  • Alternativtitel:

    Juegos eroticos amorales (ESP)

    Thrilling Story

  • Regisseur: Francesco Degli Espinosa
  • Kamera: Angelo Baistrocchi
  • Musik: Felice Di Stefano, Gianfranco Di Stefano
  • Drehbuch: Renato Polselli
  • Inhalt:

    Professor Riccardo Rossi (Donald O’Brien) engagiert sich politisch für eine Organisation von Moralisten, die kategorisch die Ehescheidung ablehnt. Als er von einem Treffen nach Hause kommt, hört er jedoch Stimmen aus dem Schlafzimmer seiner Frau Elisa (Malisa Longo). Mit gezogenem Revolver stürmt er die Tür und sieht gerade noch einen Unbekannten in einem langen Mantel über den Balkon flüchten. Eine Scheidung kommt natürlich nicht in Frage, schließlich ist er ein anständiger Mann. Also betäubt er seine Ehefrau, steckt sie mit Steinen beschwert in einen Sack und wirft diesen einen Abwärtshang hinunter, an dessen Ende sich ein See befindet. Dabei wird er aber scheinbar von einem rotbärtigen Mann in einem Auto beobachtet.

     

    Ein paar Tage später sitzt er sturzbetrunken aber gut bekleidet am Straßenrand und lässt sich von der Prostituierten Eva (Erika Blanc) abschleppen. Nur wenige Tage zuvor hat er auf dem gleichen Straßenstrich noch die Damen wegen ihrer Unmoral beschimpft. Doch schon während des ersten geschlechtlichen Kontakts mit Eva beginnen ihn Visionen von seiner toten Ehefrau zu plagen, die ihnen beim Sex zuschaut. Wieder ein paar Tage später besucht ihn seine Nichte Barbara (Maria D’Incoronato) und inzwischen sind seine moralischen Grundsätze am Nullpunkt angelangt, denn bei seiner jungen Nichte will er sofort aufs Ganze gehen, was diese nach einigen neckisch gemeinten Scheinzurückweisungen auch zulässt.

     

    Noch ein paar unmoralische Tage später – seine Nichte ist vorläufig wieder abwesend - trifft er mit Eva eine Vereinbarung. Er überredet sie (mit Geld) bei ihm zu bleiben. Den Grund dafür nennt er ihr nicht, denn die Visionen seiner toten Frau häufen sich, gepaart mit ein paar Drohanrufen von ihr, und er hat Angst.

    Auch der geheimnisvolle rotbärtige Kerl fährt immer mal wieder an ihm vorbei und Rossi steht kurz vor dem Suizid.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Giochi erotici di una famiglia per bene“ oder „Thrilling Story“, wie der ursprüngliche Arbeitstitel lautete ist ein kleiner Sleaze-Thriller mit Giallo-Elementen aus der Feder von Renato Polselli. Bei der Regieangabe kommt es zu kleinen Seltsamkeiten. Im Umlauf ist eine spanische VHS-Version des Films, in der Francesco Degli Espinosa als Regisseur angegeben wird. Kurz zuvor taucht er aber im Vorspann bereits als Regie-Assistent auf! Überhaupt macht der Film auch stilistisch einen etwas zeigeteilten Eindruck, denn die erste Hälfte ist Sleaze pur und erinnert mitunter sogar an Polsellis kleine Fake-Mondos, während in der zweiten Hälfte dann doch der Thriller-Anteil stärker in den Vordergrund tritt. Ach, wer weiß, Italien halt.

     

    Wie man dem Cast und der Inhaltsangabe entnehmen kann, gibt es hier wirklich nur und ausschließlich vier Protagonisten, der Rest läuft nur mal kurz durchs Bild. Während Maria D’Incoronato weniger bekannt aber ziemlich niedlich ist, sind immerhin Malisa Longo und Erika Blanc am Start und in ausreichender Menge auch mal unbekleidet.

     

    Die männliche Hauptrolle (ebenfalls ein Mal unbekleidet, das hätte ich nun nicht unbedingt sehen müssen) ist Donald O’Brien und da fängt das Ganze auch schon an zu haken. So gerne man ihn mal sieht, in Nebenrollen, einen Film komplett zu tragen ist nicht so sein Ding. Seine Mimik ist mitunter fürchterlich, aber es geht gerade noch so. Für eine überzeugende Darstellung eines von seinem Gewissen gequälten Mörders reicht es nicht.

     

    Über die Optik möchte ich gar nicht urteilen, dafür ist diese VHS-Vollbild-Kopie einfach nicht aussagekräftig genug. Wunder darf man da keine erwarten. Die Filmmusik der Di Stefanos dagegen ist ein Kuriosum, und angesichts der vielen unterschiedlichen Stile inklusive Beethoven-Anleihen und obendrein in unterschiedlicher Tonqualität muss man von reichlich eingefügtem Archivmaterial ausgehen. Die beiden Komponisten sind mir ansonsten bisher auch nur in zwei Edoardo Mulargia-Western begegnet.

     

    Ein wirklich niedlicher kleiner Dialogfehler hat sich in diesen Film eingeschlichen: der Zuschauer soll den geheimnisvollen Rotbart im Auto ja eigentlich für einen bärtigen Mann halten. Das funktioniert von Vornherein jedoch rein optisch schon nicht. Und als hätte der Regisseur das auch irgendwann gemerkt und dieses Konzept längst abgeschrieben, sagt Rossis Nichte dann (ich übersetze mal frei) zu Rossi: „Kennst du sie? Weißt du wer sie ist?“ Dumm gelaufen.

     

    „Giochi erotici di una famiglia per bene“ ist weit davon entfernt ein Meilenstein des Giallo oder gar ein spannender Thriller zu sein aber ein unterhaltsamer kleiner Z-Movie in jedem Fall.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

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