Gewalt - Die fünfte Macht im Staat

Italien, 1972

  • Originaltitel: La violenza: Quinto potere
  • Alternativtitel:

    Jaque mate siciliano (ESP)

    Les maffiosi (FRA)

    The Sicilian Checkmate (USA)

    A Violência: O Quinto Poder (BRA)

  • Deutsche Erstaufführung: 05. Juli 1973
  • Regisseur: Florestano Vancini
  • Kamera: Antonio Secchi
  • Musik: Ennio Morricone
  • Drehbuch: Massimo Felisatti, Fabio Pittorru
  • Inhalt:

    Zwei Gruppierungen des organisierten Verbrechens streiten um die Vergabe eines lukrativen Bauprojekts mit den bekannten Methoden: Bestechung, Einschüchterung, Mord. 16 Männer stehen deshalb vor Gericht, mindestens 2 Morde stehen zur Debatte, die Angeklagten kommen aus den unterschiedlichsten Schichten, Bauern als Handlanger für Mord, ein Analphabet, der als Strohmann Bauverträge unterzeichnet und über allen die erbarmungslose Hand des Bauunternehmers Barrese...

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Denkt man an Mafia-Filme, kommt einem vermutlich als Erstes Damiano Damiani ins Gedächtnis. Im Vordergrund: der Einzelne, der gegen eine Übermacht anzukämpfen versucht. Oder Pasquale Squitieri, der Mithilfe von penibler charakterlicher und historischer Genauigkeit versucht, Wesen und Charakter der Mafia zu erfassen. Anders die Herangehensweise von Florestano Vancini in der 1972 gedrehten de Laurentiis-Produktion „Gewalt – Die fünfte Macht im Staat.“ Ganz getreu der Vorlage des Theaterstücks des Autors Giuseppe Fava präsentiert er ein Spiegelbild der korrupten Gesellschaft des Italiens der 70er als Gerichtsfarce.

     

    Ein schon bald recht verzweifelt wirkender Staatsanwalt, gespielt von Enrico Maria Salerno, kämpft um Recht und Gesetz mit dem zynischen und polemischen Verteidiger Colonnesi, grandios gespielt von Gastone Moschin. Der Richter thront recht gleichgültig über dem Ganzen und findet nicht allzu viel vor, was zu einem Schuldspruch führen könnte. Die Zeugen sind eingeschüchtert, Beweise verschwinden (so findet sich z. B. anstelle einer Mordwaffe im Beweisumschlag ein verrostetes Türschloss), und der Verteidiger verweist auf den Bericht der „Anti-Mafia-Kommission,“ nach dem die Existenz einer mafiaähnlichen Organisation nicht eindeutig nachweisbar sei.

     

    Wie die meisten Gerichtsdramen steht und fällt dieser Film natürlich mit seinen Darstellern, die jedoch ganz hervorragende Arbeit abliefern. Für Schauwerte sorgt Vancini mit Rückblenden der Verbrechen, untermalt mit der Musik von Ennio Morricone, der aber offenbar nur in der italienischen Orginalversion die Ehre hatte, im Vorspann genannt zu werden.

     

    Und da wir schon bei der Orginalversion sind – die läuft am Ende ganze 12 Minuten länger als die englischsprachige Version, die von der Lauflänge her mit der deutschen Videofassung identisch zu sein scheint. Nach 85 Minuten endet diese „Internationale Fassung“ mit den strahlenden Siegern gleich nach der Gerichtsverhandlung, und wie erwartet, die Großen lässt man laufen, während der kleine Handlanger, der obendrein die Dreistigkeit besaß, schließlich gegen seine Auftraggeber auszusagen, dann aber, vom Verteidiger der Mafiosi komplett diskreditiert, schuldig gesprochen wird. Im Schlussplädoyer verweist der Verteidiger, augenzwinkert in Richtung Zuschauer, die Mafia gäbe es gar nicht und sei eine Erfindung von spekulativen Filmen und TV-Programmen.

     

    In der italienischen Fassung dagegen bekommen die rivalisierenden Banden noch Gelegenheit ihre Streitigkeiten gewaltsam zu beenden, ausgeführt wird das Massaker von gekauften Polizisten. Zudem lernen wir die Mafiafreunde des Richters aus der Oberschicht kennen und erleben eine Taufe mit, in der der Richter schließlich zum „Paten“ wird.

     

    Alles in Allem ein sehr sehenswerter Film, vielleicht nicht für Actionfans, aber für Liebhaber eines guten politischen Thrillers in jedem Fall. Eine DVD-Veröffentlichung steht leider noch aus, diese Review basiert auf einer italienischen TV-Ausstrahlung.

     

  • Autor: Gerald Kuklinski
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