Die Gewalt bin ich

Italien, 1977

  • Originaltitel: Il cinico, l'infame, il violento (IT)
  • Alternativtitel:

    Insieme per una grande rapina (IT - Alternative)

    Le cynique, l'infâme, le violent (F)

    The Cynic, the Rat & the Fist (Int.)

  • Regisseur: Umberto Lenzi
  • Kamera: Federico Zanni
  • Musik: Franco Micalizzi
  • Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Umberto Lenzi, Dardano Sacchetti, Sauro Scavolini
  • Inhalt:

    "Bestätige den Ausbruch des Häftlings Maietto Luigi, genannt der Chinese - STOP! - Ausbruch erfolgte am 14. Oktober gegen 22:30 - STOP!"

     

    Wie so oft herrscht unter der Bevölkerung Roms die pure Angst und Panik vor, da mal wieder völlig skrupellose Verbrecherbanden die Hauptstadt Italiens vollständig in ihrer Gewalt haben und gewaltsame Überfälle auf die schutzlose Bevölkerung auf der Tagesordnung stehen. Als Ex-Kommissar Leonardo Tanzi (Maurizio Merli) eines Abends in sein trautes Heim zurückkehrt, findet er völlig überrascht auf dem Nachttisch eine Todesanzeige mit seinem Namen vor und schon kurz darauf erhält er Besuch von 2 Killern, die ihn eiskalt über den Haufen schießen. Am nächsten Tag ist Tanzis Tod die Schlagzeile auf den Titelseiten sämtlicher Tageszeitungen: "Zwei Killer erschießen Ex-Kommissar Tanzi"

     

    In Wahrheit konnte Tanzi den Anschlag des Killerkommandos aber mit ein paar leichten Blessuren überleben.  Da der gerade aus dem Gefängnis geflüchteten Luigi Maietto – a.k.a. der Chinese (Tomas Milian) - als Drahtzieher hinter des versuchten Mordanschlags vermutet wird, hält man die Geschichte des Ablebens Tanzis in der Öffentlichkeit aufrecht, damit dieser in aller Ruhe seine Ermittlungen gegen den flüchtigen Gangsterboss ungestört durchführen kann. So zumindest, nach der Ansicht des Ex-Kommissars....

     

    Der überhebliche und Alka-Seltzer® liebende Chinese ist ein größenwahnsinniger, kaltblütiger und unberechenbarer Mistkerl, der seine letzte Einkerkerung der Aussage Tanzis zu verdanken hatte und somit diesen im Rahmen seiner ersten Amtshandlung in Freiheit (vermeintlich) aus dem Weg räumen lässt.

     

    Zufrieden über seinen ersten Erfolg widmet sich der Chinese postwendend seiner zweiten geplanten Amtshandlung, indem er mit dem Kopf der eigentlich konkurierenden Bande, Frank Di Maggio (John Saxon), eine gemeinschaftliche Zusammenarbeit vereinbart, von der im Endeffekt beiden Seiten profitieren sollen. Nach zähen Verhandlungen stimmt Di Maggio zwar etwas zähneknirschend dem Vorschlag des Chinesen zu und macht sich daraufhin wieder auf den Weg zurück in seine Luxusvilla , wo ihn seine beiden deutschen Killer-Doggen Dick & Schulz bereits sehnsüchtig erwarten.

     

    Di Maggios größtes Hobby ist das Golfspielen. Am allerliebsten zelebriert er dieses Spiel mit säumigen Schuldnern oder persönlichen Gegnern, in dem er diese von seinen Scherken fesseln lässt, die Häupter der unfreiwilligen Gegenspieler mit Golfbällen torpediert und den Rest schlussendlich von seinen beiden äußerst bissigen Doggen erledigen lässt...

     

    Nachdem sich Zivilist Tanzi im Krankenhaus wieder von seinen Blessuren erholen konnte, verdonnert ihn sein Ex-Vorgesetzter Kommissar Astalli (Renzo Palmer) umgehen zu seinem eigenen Schutz und zur Konfliktvermeidung im Rahmen der polizeilichen Ermittlungsarbeit augenblicklich nach Genf auszureisen. Doch Ex-Kommissar Eisen denkt gar nicht daran und verschwindet umgehend im Undergrund Roms, um von dort aus mal wieder auf eigene Faust gegen die beiden mächtigen Bandenchefs zu operieren.

     

    Ex-Kommissar Tanzi versucht mit allen Mitteln, die beiden Bandenbosse gegeneinander auszuspielen, in der Hoffnung, dass sich Beide schlussendlich irgendwann und irgendwie gegenseitig wegrationalisieren werden.

     

    Tanzis Plan scheint zunächst auch aufzugehen, da im weiteren Verlauf das Misstrauen und die Spannung zwischen den beiden Bandenköpfen immer weiter ansteigt und das Gewaltpotenzial auf beiden Seiten zusehends hochkocht. Doch als plötzlich der geliebte Onkel des Ex-Kommissars (Guido Alberti) auf offener Strasse niedergeschossen wird, steigt das Wut-Rot in seinem Gesicht ins Unermessliche, die Zähne beginnen sich zu fletschen, die Halsschlagadern heftigst zu pumpen, die Schnauzbarthaare bedrohlich zu vibrieren und in bester Ferro-Manier eröffnet Tanzi ab diesem Moment wutschnaufend seine erbarmungslose Jagd auf die Mörder seines Angehörigen, die -wie sollte es auch anders sein- natürlich aus den Reihen des Chinesen stammen...

     

    "Wenn die Beiden sich in die Haare bekommen, geht ein Feuerwerk los. Ein solches Feuerwerk, dass der Vesuv dagegen ein Spiritus-Kocher ist."

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    "Der Zyniker, der Niederträchtige, der Gewalttätige” a.k.a. “Die Gewalt bin ich" gehört für mich neben "Camorra – Ein Bulle räumt auf” zu den besten Lenzi-Merli-Kollaborationen und erfreut mich jedes mal wieder aufs Neue.

     

    Zwar ging Umberto Lenzi bei dieser Inszenierung etwas ruhiger vor und sparte dieses Mal die ansonsten (stereo-)typischen Actionszenen und Verfolgungsjagden komplett ein, aber das Endresultat kann nichtsdestotrotz mehr als überzeugen. Dieser außerordentliche Polizeifilm trägt zudem sehr schön abfotografierte Bilder zu Tage und die Kamerarbeit bewegt sich auch auf einem gewohnt hohen Niveau.

     

    Bis auf die kurze und etwas sehr aus dem Rahmen fallende “Top Job” - Szene, wird ansonsten eine durchwegs sehr dichte, stimmige und recht spannende Geschichte dargeboten, die sich in Verbindung mit der superben schauspielerischen Leistung des großartigen Casts zweifelsfrei einen der oberen Plätze unter den besten italienischen Polizeifilm-Produktionen sichern kann.

     

    Tomas Milian kann in seiner eher gesetzteren und ernsthafteren Spielweise des Chinesen im Vergleich zu seinen eher klamaukhaft-wirkenden Rollen hier mal wieder um Einiges besser gefallen und legt dabei eine absolute Top-Leistung an den Tag. Zudem ist er in ständig neuen Outfits zu bewundern, die aufgrund ihrer ausgefallenen Muster und Schnitte einen famosen Blickfang darstellen. John Saxon mimt seine Rolle als Gangsterboss Di Maggio mit gewohnter Souveranität und weiß dabei auch bestens zu gefallen. Sehr Schade, dass er lediglich bei einer handvoll Polizeifilme italienischer Herkunft mitwirkte, da seine schauspielerischen Leistung und äußeres Erscheinungsbilds bestimmt noch unzählige weitere Produktionen hätte bereichern können. Zu der Leistung von Maurizio Merli muss eigentlich nichts mehr gesagt werden, da sich diese in ihrer Heftigkeit und Unterhaltsamkeit in rein gar nichts zu “Camorra” und “Die Viper” unterscheidet.  Eine Unmenge an bekannten und heißgeliebten Hackfressen runden das Spektakel schließlich vollends ab.

     

    Die dt. Synchro ist trotz Anfertigung für ein VHS-Release überaschenderweise sehr gut gelungen und kann wohl zweifelsfrei mit zu den besten dt. Video-Synchronisationen gezählt werden.

     

    Dank der beiden Herren Hoeneß & Beckenbauer, die sich ihres Zeichens für den Informationsgaudi in Form des Audiokommentars der FilmArt DVD zuständig zeigen, erfahren wir auch die Hintergründe zur Namensgebung der beiden Doggen von John Saxon: In der dt. Synchro werden die beiden Hunde "Cäsar & Nero" genannt, in der engl. Sprachfassung "Dick & Schultz" und in der it. Fassung "Dutch & Schultz", wobei die letztere Namensgebung dem tatsächlichen Namen eines real-existierenden Bandenchefs eines Alkoholschmugglerrings aus der Prohibitionszeit entspricht.

     

    Die meisterhafte Filmmusik von Franco Micalizzi klingt einfach nur fantastisch und gehört gleichfalls der Speespitze dieser genretypischen Kompositionen an.

     

    Fazit: Eine prächtige und wutgeladene Schnauzbart-Orgie der Gewalt, die mit einem gut gelaunten Maurizio Merli, einem modebewußten Tomas Milian und einem unrasierten John Saxon aufwartet und beste Unterhaltung bietet.

  • Autor: Richie Pistilli
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