Die Geisterstadt der Zombies

Italien, 1981

  • Originaltitel: ...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà
  • Alternativtitel:

    Terror nas Trevas (BRA)

    El más allá (ESP)

    L'au-delà (FRA)

    Las siete puertas del infierno (MEX)

    As Sete Portas do Inferno (POR)

    Seven Doors of Death (USA)

    Eibon - Die 7 Tore des Schreckens

    Im Jenseits der Zombies

    Über dem Jenseits

    The Beyond

  • Deutsche Erstaufführung: 22. April 1981
  • Regisseur: Lucio Fulci
  • Kamera: Sergio Salvati
  • Musik: Fabio Frizzi
  • Drehbuch: Dardano Sacchetti, Giorgio Mariuzzo, Lucio Fulci
  • Inhalt:

    Die New Yorkerin Liza Merril (Catriona MacColl) hat das Hotel Zu den Sieben Toren gekauft, welches seit Jahrzehnten leer steht und stark sanierungsbedürftig ist. Bei ihrer Ankunft findet sie bereits Martha (Veronica Lazar) und deren Sohn vor, die ihr beim Reinigen der Innenräume helfen. Einer der am Haus tätigen Handwerker fällt von einem Gerüst an der Außenfassade als er am Fenster plötzlich die Augen einer blinden Frau sieht. Liza ruft den Arzt Dr. John McCabe (David Warbeck) zu Hilfe, der den Mann jedoch nicht retten kann. Auch der Klempner Joe erleidet in den überfluteten Kellern des Hauses einen schrecklichen Tod.

     

    Liza begegnet der blinden Emily (Cinzia Monreale), die ihr die Geschichte des Malers Schweick (Antoine Saint-John) erzählt, der vor 100 Jahren im Hotel ermordet und im Keller an die Wand genagelt wurde. Sie rät ihr, das Hotel aufzugeben, da es sich auf einem der Sieben Tore zur Hölle befindet. Liza vertraut sich McCabe an, der ihr anfangs nicht glaubt und sie schließlich gar für verrückt hält als er herausfindet, dass Emily anscheinend gar nicht existiert. Doch auch er wird schließlich Teil des Schreckens als die Toten in seinem Krankenhaus wieder zum Leben erwachen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Gott, was für eine schlechte Inhaltsangabe, wer schreibt sowas? Hier musste ich aber wie erwartet zwangsläufig auf das gleiche Problem stoßen, wie bei „Ein Zombie hing am Glockenseil.“ Die Handlung, so einfach sie zunächst erscheinen mag, ist gespickt mit einer Unzahl von kleinen Details und Nebenschauplätzen, die nicht immer dazu dienen, die Story des Films voranzubringen oder gar aus den unheimlichen Ereignissen der Geschichte resultieren. Gerade bei „Geisterstadt der Zombies“ trägt dies stark zur Atmosphäre bei, die teils auf alternative Realitäten zurückgreift, geradezu ins Surreale abdriftet. Da wäre das Hotel (das sich laut Plan in der Spinnenszene) nur zu einem kleinen Teil in der Realität Lizas und McCabes befindet. Als symbolisch für den Weg von der Parallelwelt in die Realität kann man die lange Brücke betrachten, die Liza überqueren muss, um in die Stadt zu gelangen. Dann ist da Emily, die eine Wanderin zwischen den Welten zu sein scheint, bis sie schließlich vom Jenseitigen unsanft zurückbeordert wird. Emilys Begegnung mit Liza findet dann auch in der Mitte eben jener Brücke statt. In der letzten Viertelstunde schert die Story sich gar nicht mehr um Logik oder Realität, da geht es beispielsweise direkt vom Krankenhaus eine Treppe hinunter in Lizas Hotelkeller. Man wird mit zwei Kategorien von Zombies konfrontiert, den Dämonischen, die zur Story gehören und den Willenlosen im Krankenhaus, die vom deutschen Verleiher verlangt wurden. Kurzum – ich liebe diesen Film.

     

    Anfangs existierte nur ein Filmtitel, mit dem Produzent Fabrizio de Angelis bei internationalen Verleihern hausieren ging, um seine Vorfinanzierung abzusichern. Hier kam es auch dazu, dass wie bereits erwähnt die deutschen Verleiher mehr Zombies verlangten, sich aber später über die Brutalität des Films beschwerten – was Quatsch ist, nach Einführung des §131 haben die deutschen Verleiher so einiges entrüstet von sich gewiesen, was man nicht ernst nehmen sollte. Sich über die Brutalität beschweren, aber andererseits die überaus brutale Eingangsszene mit der Rückblende nachcolorieren? Denn lt. Kameramann Sergio Salvati existierte diese Szene nicht in Farbe. Diese wurde ausschließlich in S/W gedreht und später – den Wünschen Fulcis entsprechend – wie bei einer alten Fotografie in Sepia gehalten. Das Drehbuch wurde von Dardano Sacchetti verfasst (mit späteren Ergänzungen von Mariuzzo und Fulci). Die Dreharbeiten selbst fanden von Oktober bis Dezember 1980 in Louisiana statt, lediglich die finale Szene entstand in den De Paolis Studios in Rom. Als Seven Doors Hotel diente das Otis House in Madisonville, Louisiana, von dem auch die Innenräume verwendet wurden. Um dem Ganzen eine staubig-unheimliche Atmosphäre zu verleihen, wurde wieder – wie schon in „Ein Zombie hing am Glockenseil“ – mit Ventilatoren und Mehlstaub gearbeitet. Nicht ganz ungefährlich, da leicht entzündlich. Zuerst hatte man Rauchbomben versucht, was sich jedoch nicht bewährte, da der Rauch sich zu schnell wieder am Boden absetzte. Eine weitere filmhistorisch interessante Location ist das Haus von Emily, welches zwei Jahre zuvor in Louis Malles „Pretty Baby“ zu sehen war.

     

    Schweicks Gemälde und das daraus resultierende Studiodesign für die Finalszene wurde von Set Designer Massimo Lentini entworfen und gebaut, der sich hierfür von den Gemälden des italienischen Malers Fabrizio Clerici (1913 – 1993) inspirieren ließ. Thema Schweick, bzw. Antoine Saint-John. Obwohl dieser nur in der Rückblende zu Anfang auftritt, gab es einige Probleme, denn Saint-John war die endlosen, stundenlangen Special Effects Make-up Sessions leid, die die Arbeit von Giannetto de Rossi ihm abverlangte und erwies sich deshalb nicht immer so leicht als auffindbar. Stefania Casini, welche ursprünglich die Rolle der blinden Emily spielen sollte, hatte diese Rolle bereits im Vorfeld abgelehnt, da sie weder die Tortur der bemalten Augenlinsen noch das Make-up in der Todesszene auf sich nehmen wollte. Cinzia Monreale ist als Emily jedoch verstörend wunderbar und trägt viel zur Atmosphäre des Films bei, welche Komponist Fabio Frizzi mit einer eigenen düsteren Klavierpassage für Emily unterstrich. Insgesamt halte ich einige Stücke Frizzis hier aber für eher nervig.

     

    Was noch? Ach ja, Überraschung, Fulci verstand sich richtig gut mit David Warbeck, hatte ihn sogar eigens für diese Rolle angefordert, da er bereits bei den Dreharbeiten zu „The Black Cat“ gut mit ihm ausgekommen war. Noch drei kleine Anekdoten zu den Schauspielern. Veronica Lazar (Putzfrau Martha) kennen Italo-Fans natürlich aus Argentos „Horror Infernal“, wo sie Mater Tenebrarum spielte. Aber was hat es mit der Mimik zwischen Martha und Plumber Joe auf sich? Ich glaube, die hatten heimlich was laufen. Klempner Joe wird übrigens nicht wie im Abspann und in Filmdatenbanken ausgewiesen von Giovanni De Nava gespielt, sondern von dem römischen Theaterregisseur Tonino Pulci, mit dem Lucio Fulci gut befreundet war. Da Fulci für die Rolle des Architekten Martin ausdrücklich einen Unbekannten verlangt hatte, verschwieg Darsteller Michele Mirabella ihm beim Casting seinen bisherigen Lebenslauf, der bereits Filmrollen seit 1973 aufwies. Mirabella wurde später vor allem als Radio- und TV-Moderator bekannt. Nur wenige seiner zahlreichen TV-Sendungen (von Frühstücksfernsehen bis Bildungsprogramme) sind auf imdb gelistet. Und das „kleine Mädchen“ mit den langen, roten Zöpfen – gespielt von Maria Pia Marsala – war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten Mitte Zwanzig, was man eigenartigerweise in den Nahaufnahmen kaum sieht aber gerade in den Ganzkörpereinstellungen doch recht deutlich wird. Zumindest in HD, auf den alten, abgedunkelten VHS-Kassetten ging sie locker als Kind durch. Thema HD, könnte bei irgendeiner Neuveröffentlichung bitte jemand die Krankenhaus-Szenen mit den Zombies abdunkeln? Denn die sind – im Gegensatz zu den gut gelungenen Hotelkellerszenen, bei denen man endlich Fulcis gelungene Arbeit mit farbiger Ausleuchtung erkennen kann – schon wieder zu hell.

     

    Nun – endlich - zu meinen persönlichen Eindrücken und nun schon 35 Jahre währenden zahlreichen Seherfahrungen von und mit Lucio Fulcis „Geisterstadt der Zombies:“ ist ein guter Film. Nein, im Ernst, den kennen wir doch hoffentlich alle. Einer meiner persönlichen Lieblingsmomente beim diesmaligen anschauen war die Kameraarbeit von Sergio Salvati bei Maria Pia Marsalas Szene im Leichenschauhaus. Der ständige Wechsel der Perspektiven, der zunächst langsam, dann immer schneller das Dilemma der Protagonistin offenbart: egal wohin sie ihren Blick wendet, überall nur Schrecken. Und so schaut sie hin und her als müsse sie entscheiden, welches wohl noch der erträglichere Anblick ist. Klasse.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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