Der geheimnisvolle Killer

Italien, 1975

  • Originaltitel: Nude per l'assassino
  • Alternativtitel:

    Strip Nude for Your Killer (USA)

    O Assassino de Modelos (POR)

    Nue pour l'assassin (FRA)

    Desnuda ante el asesino (ESP)

    Die Nacht der blanken Messer (Alt.)

    Nackt für den Killer (Alt.)

  • Regisseur: Andrea Bianchi
  • Kamera: Franco Delli Colli
  • Musik: Berto Pisano
  • Drehbuch: Andrea Bianchi, Massimo Felisatti
  • Inhalt:

    Ein schwanger gewordenes Model des Fotostudios „Albatros“ stirbt bei einer misslungenen Abtreibung, und der Arzt sowie ein unbekannter zweiter Mann verschleiern die Tat, indem sie ein Ertrinken des Models in der Badewanne vortäuschen. Fortan treibt ein geheimnisvoller Killer in Motorradkluft sein Unwesen, erstes Opfer wird der Arzt, dann meuchelt er sich durch die Angestellten des Fotostudios weiter.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Andrea Bianchis „Nude per l’assassino“ ist das volle Sleaze-Paket unter den Gialli. Und Andrea Bianchi richtet nicht, seine Figuren sind, wie sie sind und was sie sind.

     

    Ich bin da etwas anders gestrickt, und deshalb nenne ich die Hauptfigur Carlo, gespielt von Nino Castelnuovo, einen Arsch. Der Arsch ist Fotograf im Studio Albatros und gleich zu Anfang erleben wir ihn in voller Aktion. In einem Schwimmbad entdeckt er Lucia (Femi Benussi), der er eine Modelkarriere verspricht und überredet sie zu einem Abstecher in die Sauna, um erste Fotos zu machen. Zwar geht seine Kamera nicht, aber für das, was er vorhat braucht er die auch nicht. Er hält allerdings anschließend sein Versprechen und nimmt sie mit ins Studio, wo Lucia allerdings von seiner bi-sexuellen Chefin Gisella (Amanda „Superstar“) in Beschlag genommen wird. Carlo tröstet sich mit Fotografin Magda (Edwige Fenech), die den Arsch offenbar mag, warum auch immer und später mit ihm zusammen versuchen wird, den geheimnisvollen Killer zu entlarven.

     

    Edwige Fenech sieht heiß aus mit kurzen Haaren, und bekommt hier die ganze Palette weiblicher Italo C- bis B-Movie-Verstärkung: Femi Benussi, Solvi Stubing und Erna Schurer. Außerdem „Amanda“, und beim diesmaligen vierten oder fünften Ansehen des Films hab‘ ich mit meinem katastrophalen Namensgedächtnis aufgepasst, sie spielt die schon etwas ältliche Chefin des Fotostudios, sonst eher im Pornobereich zu sehen.

     

    Schwer im Gedächtnis wird einem die Szene mit Franco Diogene und Erna Schurer bleiben, die wohl einen Gipfel öffentlicher Demütigung darstellt. Franco Diogene spielt den übergewichtigen Ehemann der Studiochefin, der die Models mit seinen Blicken förmlich verspeist. Schließlich „entführt“ er Doris, bittet sie um Sex, bettelt sie förmlich an, bietet ihr Geld, aber nachdem sie einwilligt, versagt er. Keine Überraschung, denn obwohl seine Mami ihm versprochen hat, dass es irgendwann schon noch klappen wird, packt er es nicht. Außer...und hier lernen wir noch schnell seine Gummipuppe kennen, bevor er ins Gras beißt.

     

    Der Killer, in schwarz-lederner Motorradkluft, begleitet von einem seltsamen Geräusch, das Italo-Fans so ähnlich schon in D’Amatos „Die Mörderbestien“ gehört haben. Er tötet bei laufendem Wasser, in Anlehnung an den Tod des Models nach der Abtreibung, die dann in der Badewanne gefunden wurde. Die Morde sind blutig, an reichlich nackter Haut wird auch hier nicht gespart, leider ebensowenig an unfreiwilliger Komik. Liegen da rechts und links neben Amanda - nach ihrer Begegnung mit dem Erpresser - ihre Ohren?

     

    Am Schluss, nein, verrate ich nicht, aber Carlo ist trotzdem ein Arsch.

     

    Obwohl einige einzelne Szenenelemente aus anderen Gialli geklaut sind, fallen einige Dinge besonders positiv auf, so Franco Delli Collis sorgfältige Kameraarbeit, die Beleuchtung, der kurzweilige Szenenfluss. Natürlich ebenfalls die Musik, (na schön, auch geklaut, „Papa was a Rolling Stone“, ein wenig umgearbeitet und variiert), die herrlich zum düsteren und sleazigen Ablauf passt.

     

    Die Krone des ganzen ist die deutsche Synchro, wer den Film schon kennt (hoffentlich alle Leser hier) weiß, was ich meine. Nicht, dass Carlo im O-Ton kein Arsch wäre, aber mit der deutschen Synchro setzt man noch eins drauf.

     

    Wie auch immer, „Nude per L’assassino“ gehört neben „Die Rache des Paten“, „My Father’s Wife“ und „Die Rückkehr der Zombies“ zu Bianchis besseren Arbeiten und gerade bei Bianchi, einem Mann mit eher begrenzten Talent, zeigt sich in seinem Gesamtwerk eine starke Budget-Abhängigkeit.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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    Links

    OFDb

    IMDb

     

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