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Das Geheimnis der blutigen Lilie

Italien, 1972

  • Originaltitel: Perché quelle strane gocce di sangue sul corpo di Jennifer?
  • Alternativtitel:

    Las lágrimas de Jennifer (ESP)

    Les rendez-vous de Satan (FRA)

    The Case of the Bloody Iris (USA)

    What Are Those Strange Drops of Blood Doing on Jennifer's Body? (USA)

    Erotic Blue

  • Regisseur: Giuliano Carnimeo
  • Kamera: Stelvio Massi
  • Musik: Bruno Nicolai
  • Drehbuch: Ernesto Gastaldi
  • Inhalt:

    In einem Hochhaus sind hübsche, junge Frauen ihres Lebens nicht mehr sicher, denn ein unheimlicher Killer geht um. Auch die schöne Jennifer und ihre WG-Genossin Mildred geraten mehr und mehr ins Visier des behandschuhten Mörders, hinter dessen Maske so einige verdächtige Personen stecken könnten. Ist es Jennifers stalkender Ex-Gatte? Jemand aus der verschrobenen Nachbarschaft? Oder gar Jennifers aktueller Lover, der smarte Architekt Andrea?

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Natürlich werden wir DAS GEHEIMNIS DER BLUTIGEN LILIE erst ganz zum Schluss ergründen können - nachdem Gevatter Tod und sein Erfüllungsgehilfe mit dem schwarzen Hut und den ockerfarbenen Handschuhen den Kreis der Verdächtigen mit scharfer Klinge noch einmal kräftig ausgedünnt hat. Die nötige Geduld bringen wir gerne auf. Schließlich finden sich auf dem Weg zur Lösung all jene Trademarks wieder, die unsere Thriller all’italiana so liebenswert machen.

     

    Da ist eine wunderschöne Frau, die ihre BHs gerne durchsichtig trägt. Und dort ist der bedrohliche Ex-Gatte. Eine gemeinsame Gruppensexvergangenheit, die uns mit lustigen Flashbacks zu psychedelischen Swingerpartys irgendwo zwischen Kitsch, Kult und zuviel Brusthaar veranschaulicht wird. Die Nachbarin ist natürlich lesbisch, der Lover undurchsichtig. Und natürlich darf der vermummte wahnsinnige Killer nicht fehlen.

     

    Während Bruno Nicolai für das passende musikalische Ambiente sorgt (und mit dem Hauptthema einen Evergreen für euer privates Giallo-Radio geschaffen hat), kleidet Stelvio Massis Kamera die einmal mehr aus Gastaldis erprobter Feder stammende Geschichte in feine Bilder. Dazu die göttliche Edwige Fenech in der Hauptrolle und fertig ist der in der Tradition von Martinos DER KILLER VON WIEN stehende Giallo vom eigentlich auf Western abonnierten Carnimeo.

     

    Ernesto Gastaldis Plot ist diesmal nicht ganz so trick- und wendungsreich wie gewohnt, liefert dem Film aber trotzdem genügend Munition, um alles an den Start zu bringen, was einen unterhaltsamen Giallo ausmacht. Nochmals nachzulesen oben ab wunderschöne Frau. Ihr fragt nach den Morden? Keine großen Opern, aber zumindest kleine Feste. Auf jedem Fall weitaus stimmiger inszeniert als jene, die uns Carnimeo in seinem schiefen Schwanengesang RATMAN aus dem Jahr 1988 zugemutet hat. Vielleicht hat der eine oder andere Leser die Erinnerung an diese leicht bizarre, aber definitiv unterirdische Freakshow, in welchem eine Kreuzung aus Ratte und Liliputaner verdienten Veteranen wie David Warbeck, Janet Agren und leider auch uns Zuschauern unangenehme 78 Minuten bereitet, noch nicht verdrängt.

     

    Mit RATMAN, im Fimbulwinter seiner Karriere entstanden, ist Carnimeo letztendlich ebenfalls im traurigen Kreis jener erlauchten italienischen Regisseure gelandet, die in den Siebzigern noch versiert die edelsten Genre-Feste gefeiert haben und nach dem Fall von Cinecittà gezwungen waren, mit Mikrobudgets und schlechten Drehbüchern billige Horrorfilme zu machen. Zu Carnimeos Ehrenrettung: In dieser Vorhölle gefallener Virtuosen ist er in bester Gesellschaft. Schließlich finden sich dort Namen wie Fulci, Lenzi oder Martino. Und mittlerweile leider auch der von Argento.

     

    Doch von derartigen Niederungen war Giuliano Carnimeo anno 1971 noch weit entfernt. Sein GEHEIMNIS DER BLUTIGEN LILIE wie gesagt ein Murder Mystery nach Gastaldi im Stile eines Martinos. Zwar mit Edwige Fenech (einmal mehr ängstlich, sexy, verfolgt und in Lebensgefahr), aber nicht ganz mit der Strahlkraft eines KILLER VON WIEN ausgestattet. Trotz seiner etwas hanebüchenen Auflösung wird dieser urklassische Handschuh-Giallo dennoch keinen Fan enttäuschen. Der wird sich nämlich schon ab dem in den ersten fünf Minuten stattfindenden fulminanten Auftaktsmord im Fahrstuhl heimisch fühlen.

  • Autor: Christian Ade
  • Filmplakate

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