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Geheimcode Wildgänse

Deutschland | Italien, 1984

  • Alternativtitel:

    Comando Patos Salvajes (ESP)

    Nom de code: Oies savages (FRA)

    Arcobaleno selvaggio (ITA)

    Os Gansos Selvagens Contra-Atacam (POR)

    Code name: Wild geese (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 05. Oktober 1984
  • Regisseur: Antonio Margheriti
  • Kamera: Peter Baumgartner
  • Musik: Eloy, Jan Nemec
  • Drehbuch: Michael Lester, Tito Carpi, Gianfranco Couyoumdijan
  • Inhalt:

    Captain Wesley und seine wilden Kerle bekommen den Auftrag, im Goldenen Dreieck zwischen Laos und Kambodscha mal so richtig aufzuräumen und die Opiumbestände des Generals Ching Chang Chong zu vernichten. Das Unternehmen klappt soweit auch ganz gut, aber Wesley kriegt unterwegs raus, dass noch ein zweites Lager existiert, und um seinen an Drogen gestorbenen Sohn zu rächen, will er dieses auch gleich noch platt machen. Einem aus dem Team passt das allerdings nicht so recht, ist das doch in Wirklichkeit sein Lager …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Die 80-er Jahre waren unbestritten des Jahrzehnt der Actionfilme. Mehr oder weniger langhaarige und gut bemuskelte Kampfsportexperten sind mit dem mindestens halben Arsenal der US-Streitkräfte durch den Dschungel gerannt um den Vietnamkrieg nachträglich doch noch zu gewinnen, Kameraden aus Gefangenenlagern zu befreien, Drogenbosse zu eliminieren oder einfach nur zusammen mit Kameraden mal wieder einen drauf zu machen. Dazu jaulten die E-Gitarren, wüteten die Synth-Drums und schwitzen verdreckte Kampfsportkörper.

     

    Hach das waren noch Zeiten. Und was den Amis recht ist war den Italienern damals billig, weswegen Antonio Margheriti, der in den 80-ern eh einen rechten Hang zum Soldaten- bzw. Kriegsfilm hatte, für den Schweizer Erwin C. Dietrich eine Reihe von Söldnerkrachern drehte: 1984 GEHEIMCODE WILDGÄNSE, 1985 KOMMANDO LEOPARD und 1988 DER COMMANDER. Die Besetzung ist bei allen drei Streifen erstklassig und vereint die ganzen Recken des Action-B-Kinos unter einem Dach. Und da Margheriti als Action-Experte galt, konnte man damals im Kino auf jeden Fall von fetziger Unterhaltung ausgehen.

     

    Und heute? Nun ja, zumindest der vorliegende Film ist leicht gealtert, was man vor allem den holprigen Füllszenen zwischen der Action anmerkt, aber unterhalten tun die WILDGÄNSE immer noch. Was allerdings zugegebenermaßen auch an den Schauspielern liegt: Ex-CI5-Profi Lewis Collins als Chef der Söldner hat genau die richtige Ausstrahlung und Coolness und macht schon ganz schön was her. Was wär der Mann nur für ein toller James Bond geworden … Lee van Cleef als alternder und saufender Pilot schaut aus wie ein alternder und saufender Lee van Cleef, aber er war halt ein Routinier, wusste ganz genau wie er am wirkungsvollsten rüberkommt und rockt die Hütte recht gut. Manfred Lehmann und Thomas Danneberg, beide Urgesteine der deutschen Synchronlandschaft, können sich ebenfalls sehr geschickt in Szene setzen (vor allem Lehmann rennt gegen Ende oben ohne durch den Wald, was nicht mehr cool wirkt sondern schon obercool!). Klaus Kinski macht mächtig Laune in seiner Rolle als rechte Hand von Wesleys Auftraggeber (der übrigens von Hartmut Neugebauer gespielt wird, ebenfalls eine Synchronlegende), genauso wie Ernest Borgnine sichtlich jede Menge Spaß hatte. Mimsy Farmer fällt dankenswerterweise nicht ins Gewicht, dafür ist Luciano Pigozzi als Urwaldpfarrer für ein paar kauzige Momente zuständig.

     

    Es macht einfach Spaß den Typen zuzuschauen, wie sie im Dschungel Platz schaffen für einige Hektar Neubaugebiet, und letzten Endes fällt der Film in die Kategorie Große-Jungs-Film: Ein Haufen wildgewordener Kerle schaut ernst, trinkt Bier, ballert wild durch die Gegend und fällt Bäume mittels Dynamit. Heutzutage würde man sich vielleicht mehr flotte Sprüche wünschen, aber die Ernsthaftigkeit die den Film durchzieht tut ihm eigentlich recht gut, dadurch wirkt er auch noch nach 20 Jahren nicht billig.


    Ebenfalls nicht billig wirken die Actionsequenzen. Margheriti hatte schon ein Händchen für den richtigen Kawumms, und auch wenn man im neuen Jahrtausend die perfekt inszenierten Explosionsorgien eines Michael Bay im Kopf hat, auch dann machen Margheritis Actionszenen Spaß beim Zuschauen, weil er seine Charaktere und ihre Aufgabe einfach ernst nimmt und es nicht übertreibt. Hier springt niemand von fliegenden Helikoptern in fahrende Züge, sondern die Action bleibt bodenständig, was dem Film ebenfalls gut tut. Auch verfällt Margheriti nicht in eine sich ständig selbst übertrumpfende Gewaltspirale, was trotz einigem Kokolores für genau das richtige Quentchen Realismus sorgt.

     

    Nicht so gut ist die gruselige Musik, die direkt aus dem Abgründen der 80-er Jahren kommt. Eloy war in den 70-er Jahren mal eine der großen Krautrock-Bands, die unter ihrem Mastermind Frank Bornemann einiges an Erfolgen feiern konnte. Was sie hier (ohne Bornemann) aus den Synthies quetschen ist allerdings eher unter der Rubrik peinlich abzulegen, so unmotiviert klingt das Geknödel. Wie eine Art Library-Musik für B- und C-Actioner …

     

    Schwamm drüber, damals war die Mucke einfach so, und bei einem Großprojekt dieser Art (WILDGÄNSE hat immerhin 15 Mio. Mark gekostet) geht man gerade bei solchen Dingen natürlich auf Nummer Sicher. Alle Beteiligten hatten eine gute Zeit in Hongkong und auf den Philippinen, der Zuschauer hat eine gute Zeit auf dem Sofa – Was will man bitteschön mehr?

  • Autor: Maulwurf
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