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Das Gasthaus zur Wollust

Italien, 1980

  • Originaltitel: La locanda della maladolescenza
  • Alternativtitel:

    La posada de la maledicencia (ESP)

  • Deutsche Erstaufführung: 29. April 1983
  • Regisseur: Marco Sole
  • Kamera: Remo Buccheri, Sebastiano Celeste
  • Musik: Walter Rizzati
  • Drehbuch: Carlo Veo
  • Inhalt:

    Der neue Gast im Hotel wundert sich, wird er doch glatterdings abgewiesen und bekommt kein Zimmer, obwohl alle Schlüssel am Brett hängen. OK, er ist ein recht attraktives Kerlchen, und da drückt die Hotelmanagerin auch mal ein Auge zu und quartiert ihn dann doch in ihrem Etablissement ein. Dumm gelaufen, denn der Gast ist gar kein Gast, sondern ein Mann der seine seit Jahren vermisste Schwester sucht und sie nun in ebendiesem Hotel gefunden hat. Nun ja, das Hotel ist ja in Wirklichkeit auch kein Hotel sondern ein getarnter Edelpuff für die bessere Gesellschaft, und das liebe Schwesterchen ist die Starnutte des ganzen Betriebs. Aber langsam verliert sie die Lust am Anschaffen, woran auch besagter neuer Gast schuld ist, in den sich die Arme in Unkenntnis der wahren Umstände Hals über Kopf verliebt. Und sich ständig wundert, warum der Typ sexuell so abweisend ist …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Ein paar Mal hatte ich beim Ansehen folgende Vision: Ein Raum. Schauspieler, Kamera, Beleuchtung, alles was man halt so braucht um einen Film zu drehen. Das Drehbuch liegt als Loseblattsammlung auf dem Boden verstreut. Der Regisseur ruft „Action!“ und der erste Schauspieler sagt etwas. Nun müsste auf das Stichwort der nächste Darsteller seinen Text sagen, der muss aber erst auf dem Boden sein Script suchen. Bücken geht natürlich nicht, also schaut er auf den Boden und sucht und sucht. Seine Kollegen suchen ebenfalls. Ha, gefunden! Text wird aufgesagt, und das Spiel beginnt von Neuem.

     

    Natürlich ist nicht der ganze Film so, aber einige Szenen haben genau diesen Touch: Alle schauen betreten nach unten und suchen verzweifelt etwas, ohne dass sie wissen was sie eigentlich suchen. So wie Andrea Poggi seine Schwester Laura sucht, diese die wahre Liebe sucht, der Ehemann der Puffmutter die Geheimnisse der Frauen zu ergründen sucht, und die Puffmutter selber das große Geld sucht. Und da Menschen die etwas suchen zumindest im Film manchmal zu seltsamen Aktionen neigen, ist DAS GASTHAUS ZUR WOLLUST somit eine durchaus unterhaltsame Sause für den geneigten Zuschauer, sofern er auf leicht angesleazten und gelegentlich etwas blutarmen Italo-HC mit hohem Handlungsanteil steht.

    Oder anders ausgedrückt: Dieser Film ist nicht lustig! Auch wenn der Titel nach Sex-Komödie klingt, verbirgt sich dahinter ein echtes Drama, so richtig mit ausgebeuteter Jungmaid, zu allem entschlossenem Bruderherz, bösem Zuhälter und Rollstuhlfahrer mit Herz und Dauererektion. Nur die Umsetzung all dieser mächtig dramatischen Ingredienzien, die hapert hier und da. Der Zuhälter zum Beispiel ist ein Schmierlappen allererster Güte, aber wenn es dann hart auf hart kommt hüllt er sich in Mantel und Schweigen und zieht sich diskret zurück. Auf St. Pauli hätte der Mann keine große Zukunft! Auch Marta, die Dame des Hauses, lässt es in den entscheidenden Momenten an Durchsetzungskraft fehlen. Anstatt dass sie auf den Tisch haut und die Domina rauskehrt, schaut sie wie Schneewittchens sexy Stiefmutter und gibt klein bei.

     

    Schade, denn ein mehr bisschen Pep hätte dem grundlegend sehr ruhigen Streifen sicher gut getan. Nicht dass der Film nicht schlecht inszeniert wäre, aber er plätschert gelegentlich ein wenig. Carlo de Mejo als Andrea ist beispielsweise nicht wirklich ein Ausbund an Lebensfreude, und auch wenn Marcella Petrelli als Laura sicher keinen Spaß beim Sex haben soll, so schaut sie manches Mal schon reichlich gelangweilt drein. Und legt auch ein entsprechendes Gebaren an den Tag. Dass ich mich trotzdem unterhalten gefühlt habe lag, unglaublich aber wahr, tatsächlich an den HC-Szenen. Die sind nämlich keine Inserts sondern mit den echten Schauspielern gedrehter Hardcore, was zu sehr ansprechenden Aufnahmen in der Halbtotalen führt. Keine Igittigitt-Großaufnahmen schmieriger Geschlechtsteile, sondern tatsächlich erotische Unterhaltung. Was etwa die lustige Witwe da mit Männchen und Weibchen gleichzeitig macht hat Stil und Eleganz, da kann man nicht meckern. Und ansprechend gefilmt ist es auch, ganz zu schweigen von der Dauer die Szene, die ist nämlich mitnichten zu ausschweifend sondern hat genau die richtige Länge.

     

    Was gibt es sonst noch zu berichten? Nun, der dauerspannende Rollstuhlfahrer wird zwei Jahre später in Mario Bianchis SEXORGIEN IM SATANSSCHLOSS wieder auftauchen, und wird dort, Bianchi-typisch, mehr Sex und mehr Schmier haben. Ich bin aber sicher dass Bianchi sich von seinem Kollegen inspirieren ließ, gar zu ähnlich ist die Szene in dem ein Mädchen vom Rolli-Fahrer bespannt wird. Und a propos Inspiration: Beim Fest am Ende des Films hatte ich teilweise das Gefühl in einem Jess Franco-Film gelandet zu sein. Was nicht negativ zu verstehen ist! Vielleicht könnte man die Stimmung des gesamten Films sogar ein klein wenig mit vielen Filmen aus dem Francoversum vergleichen. Menschen die nebeneinander existieren ohne sich zu berühren, und eigentlich nur für zwei Zwecke leben: Sex zu haben und sich gegenseitig weh zu tun.

     

    Alles in allem ist das GASTHAUS kein schlechter Film, aber man darf halt keine Komödie und keinen Schocker erwarten. Und vor allem keinen Sleazer à la MALABIMBA, dafür kommt er nämlich zu anspruchsvoll daher. Stichwort anspruchsvoll: Mein Tipp wäre, sich den Film zweimal anzuschauen. Einmal auf deutsch, um zu wissen um was es geht, und dann auf italienisch. Im Original ist er nämlich erheblich weniger geschwätzig und somit auch bedeutend stimmungsvoller. Wenn etwa die aufreizend gekleidete Marta sich Andrea von hinten nähert, ihm das Hemd auszieht und einen Umhang umlegt, dann ist das schon ordentlich erotisch aufgeladen. Zumindest in der italienischen Fassung, in der deutschen Fassung wird dabei fast unentwegt geschwafelt, und das auch noch recht nichtssagend.

     

    Fazit: Kein Film auf den ich mein Leben lang gewartet habe, aber auch nichts wirklich Schlechtes. Einigen wir uns vielleicht auf relativ solides Handwerk mit attraktiven Frauen.

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Erschienen ist diese rare kleine Perle beim neuen Schweizer Label Rare Pictures Releases als BR und DVD. Der Film liegt in der deutschen und der italienischen Sprachfassung vor, Untertitel sind leider keine vorhanden. Szenen, die in der deutschen Fassung ursprünglich geschnitten waren, sind teilweise untertitelt, größtenteils aber leider nicht. Der Ton ist in beiden Versionen relativ leise aber gut verständlich.

     

    Das Bild ist bedauerlicherweise etwas ausgebleicht und hat einen leichten Hang zum Rotstich. Pixelzähler werden sich mit Grausen abwenden, denn es hat durchaus einige Verschmutzungen, und auch ein Laufstreifen darf kurz bewundert werden. Bei den Aktübergängen holpert es zum Teil gehörig, was in Zusammenhang mit den schwachen Farben zu echtem Kinofeeling führt (ernst gemeint!).

     

    Die Veröffentlichung kommt mit einem Wendecover daher, es liegt ein Poster bei und ein Booklet mit einem informativen Text von Endre Udvari über den Übergang des erotischen zum HC-Kinos in Europa. Auf der Disc selber gibt es Filmografien von Bruno Gabarri und Carlos de Mejo. Die Idee, innerhalb einer selbstlaufenden Show jeden Film mit Titel, Jahr und Filmplakat vorzustellen finde ich ausgesprochen gelungen, allerdings ist die Auswahl der Filme recht selektiv, was vor allem bei Carlos de Mejo auffällt. Die OFDB listet ihn mit 27 Filmen, in der Präsentation werden davon gerade mal vier Stück gezeigt.

     

    Leider gibt es auch noch weniger gute Nachrichten: Zum einen ist die Disc gebrannt und nicht gepresst. Im Vergleich also gewissermaßen gerührt, und nicht geschüttelt. Was bedeutet, dass die Qualität der Disc einwandfrei ist, aber für den Sammler bleibt halt ein unangenehmes Geschmäckle. Zum anderen bleiben beim Ablösen der Plastikfolie Rückstände auf der (schicken roten) Amaray zurück, teilweise geht aber auch die Plastikumhüllung der Amaray mit ab. Für beide Unschönheiten hat RPR aber bereits versprochen in Zukunft kundenfreundlicher zu arbeiten. Dass man die Sprache während des Films nicht wechseln kann habe ich auch anderswo schon oft erlebt, gefallen tut es mir trotzdem nicht …

     

    In Summe eine durchaus gelungene Veröffentlichung, immerhin ist dies die erste Scheibe eines neuen Labels, und da braucht man nicht die gleichen Maßstäbe ansetzen wie bei einem Label das seit Jahren auf dem Markt präsent ist und bereits Erfahrungen sammeln konnte. Nichtsdestotrotz ist für die nächste VÖ noch Luft nach oben …

  • Autor: Maulwurf
  • Links

    OFDb

    IMDb

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