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Gang War in Milan

Italien, 1973

  • Originaltitel: Milano rovente
  • Alternativtitel:

    La guerre des gangs (FRA)

    Milão escaldante (POR)

    Burning City (Int.)

  • Regisseur: Umberto Lenzi
  • Kamera: Lamberto Caimi
  • Musik: Carlo Rustichelli
  • Drehbuch: Franco Enna, Ombretta Lanza, Umberto Lenzi
  • Inhalt:

    Salvatore “Totò“ Cangemi geht es gut. Er sieht gut aus, hat eine riesige Menge Geld, Freunde die ihm eng verschworen sind, jede Menge Mädchen die für ihn laufen, und nach außen eine blütenweiße Weste. Bis eines Tages ein neuer Mann auftaucht, ein Korse mit Namen Roger Daverty, der ihn als Prügelknaben in seinem Drogengeschäft haben will. Aber Totò sieht es gar nicht ein von so einem dahergelaufenen Fatzke zum Idioten degradiert zu werden, und zeigt, dass er nicht nur mit seinem guten Aussehen Boss geworden ist, sondern dass er es auch versteht Geschäfte zu führen. Es kommt zu einem Bandenkrieg zwischen den Sizilianern und den Franzosen, den aber keiner so recht für sich entscheiden kann. Auf jede Aktion der einen Gruppe folgt eine Reaktion der anderen, ohne dass sich an der Situation irgendwas groß ändert. Also holt Totò einen Sizilianer aus Amerika, Billy Barone, der das Zünglein an der Waage spielen soll. Ob das eine gute Idee ist?

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Schon die ersten Bilder stimmen uns auf ein Italien ein, das wir so niemals sehen wollten: Hochhäuser und vierspurige Straßen liegen unter einer dichten Smogglocke und tauchen Mailand in ein immerwährendes Zwielicht. “Wie ein kleines Chicago“ wird Billy Barone irgendwann feststellen und die Möglichkeiten taxieren.

     

    Und wie Chicago ist auch Mailand fest in der Hand des Verbrechens. OK, der richtig fiese Obergangster ist Salvatore Cangemi aus Sizilien nicht, dafür ist er zu nett zu seinen Mädchen und dafür sind seine Geschäfte auch zu klein. Aber er kontrolliert immerhin die gesamte Prostitution in der Stadt, was ihm dann doch einen gewissen Status gibt. Er ist groß genug, als dass sich auswärtige Drogenhändler an ihn wenden um seine Verbindungen auszunutzen, und er ist vor allem groß genug um “Nein“ sagen zu können. Aber, und das ist wahrscheinlich nicht ganz unwichtig, er ist nicht mit der Mafia verbandelt sondern macht sein eigenes Ding, weswegen er auch keine Rückendeckung hat sondern den Krieg alleine durchstehen muss.

     

    Dieses halbe Ding, dieses Mischung aus Kriminalität aber nicht als der fiese Obermöpp, das macht einen guten Teil der Sympathie aus die man Totò entgegenbringt, und man kann sich, bei aller sizilianischen Großmäuligkeit und Arroganz, doch ganz gut mit ihm anfreunden. Eine interessante Idee Lenzis, in einer Zeit, in der tatsächlich viele Sizilianer in den Norden gingen um dort kriminelle Geschäfte zu machen, einen sympathischen sizilianischen Gangster einzuführen und ihn als Identifikationsfigur aufzubauen. Und noch viel interessanter diese Figur dann mit Antonio Sabato zu besetzen, nach dem eher mauen Vorjahresflick DER MAFIA-BOSS, in dem Sabato als etwas tumber sizilianischer Möchtegern-Killer auftrat, also genau entgegengesetzt zu seiner Rolle in MILANO ROVENTE, wo er eine geradezu weltmännische Gewandtheit an den Tag legt.

     

    Auch interessant die Entscheidung MILANO ROVENTE relativ still und leise anzulegen. Die Gangster überlegen bevor sie etwas tun, und die Aktionen sind keine blindwütigen Hau-drauf-Gemetzel sondern ergeben im Kontext des Bandenkrieges Sinn. So gehen die Korsen zwar irgendwann mal heftig gegen Totòs Huren vor, aber es wird keine Toten geben, werden doch die Huren schließlich zukünftig als Dealer benötigt. Die Gegenaktion der Sizilianer räumt dann mit einigen Drogenlaboren auf, aber es sind immer nur die kleinen Fische die eingeschüchtert werden, die größeren Mitspieler werden in Ruhe gelassen damit die Geschäfte weitergehen können, und auch hier gibt es keine Toten. Schließlich lockt bei aller Konkurrenz immer noch das große Geld, und zwar in beide Richtungen. Letzten Endes geht es nicht darum einen lästigen Konkurrenten auszuschalten, sondern nur um die Höhe des jeweiligen Anteils.

     

    Dass es bei diesen Aktionen naturgemäß hart zur Sache geht ist selbstredend, und Lenzi macht da auch keine Gefangenen. Da werden Brüste aufgeschlitzt, Zigaretten auf Busen ausgedrückt, Männer genital gefoltert … Die Handlung steht immer unter Druck und entwickelt sich ständig weiter. Immer passiert etwas, immer muss der Zuschauer dabei sein um nichts zu verpassen. So kommt trotz der relativ wenigen Action (im Vergleich zu späteren Lenzis) keine Langeweile auf, da immer etwas Neues auftaucht was den Zuschauer beschäftigt. Es ist nun auch nicht so, dass wie fast immer mit dem Ende des Bandenkrieges der Film zu Ende wäre. Im Gegenteil, die beiden Geschäftspartner wider Willen könnten zusammen nun eine Menge Geld verdienen, aber alleine verdient man halt immer mehr als zu zweit. Und unter Umständen spielt nicht nur einer der beiden Protagonisten falsch, sondern es besteht ja auch die Möglichkeit, dass einer der intelligenteren und habgierigeren Handlanger ein eigenes Spiel beginnt. Wer weiß? Und nicht immer müssen Kriege mit Waffen ausgefochten werden, da gibt es auch ich andere, leisere Möglichkeiten …

     

    Nein, in das Kinderprogramm passt MILANO ROVENTE nicht rein, obwohl er sich in Sachen Gewaltdarstellung des Öfteren und beim Thema Nuditäten fast komplett zurückhält. Aber die Darsteller sind herrlich überdreht und hauen auf den Putz dass es nur so staubt, der melancholische Score von Carlo Rustichelli passt angenehm zu den versmogten Bildern der grauen Großstadt, und die Geschichte wird spannend und flüssig erzählt. Als Schmankerl dürfen dann noch Wohnungseinrichtungen besichtigt werden die einem die Zehennägel hochrollen.

     

    Allerdings kann ich mir vorstellen, dass MILANO ROVENTE auf der großen Leinwand noch mal so gut kommt, da dürfte er seine Qualitäten und vor allem seine Power erst so richtig ausspielen. Aber auch auf dem kleinen Bildschirm eine runde Sache und eine klare Empfehlung für Freunde des intelligenten Gangsterfilms.

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde MILANO ROVENTA als DVD von Raro Video USA. Eine VÖ die man uneingeschränkt empfehlen kann: Das Bild ist knackig, der Ton liegt auf englisch und italienisch mit englischen Untertiteln vor, und in einem 12-seitigen Booklet werden ein wenig Hintergründe (wie z.B. die Information, dass Ombretta Lanza nur deswegen als Drehbuchautor angeführt wird, weil er der Neffe des Produzenten war) und der Werdegang Umberto Lenzis beleuchtet. Ach ja, und der Regionalcode ist 0.

  • Autor: Maulwurf
  • Links

    OFDb

    IMDb

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