The Frightened Woman

Italien, 1969

  • Originaltitel: Femina ridens
  • Alternativtitel:

    Gioco d'amore, gioco di morte (IT - ergänzender Slogan)

    Le duo de la mort (F)

    Os Profissionais do Sadismo (Brasilien)

    The Laughing Woman (USA)

  • Regisseur: Piero Schivazappa
  • Kamera: Carlo Achilli, Sante Achilli
  • Musik: Stelvio Cipriani
  • Drehbuch: Paolo Levi, Piero Schivazappa, Giuseppe Zaccariello
  • Inhalt:

    "Aber es ist essentiell, dass die Fruchtbarkeit des Mannes absolut unangetastet bleibt!"

     

    Soviel erst mal zu den etwas zwanghaften Gedankengängen des Philantropen Dr. Sayer (Philippe Leroy), der eines Tages in seinem Büro unverhofft von der jungen Journalistin Maria (Dagmar Lassander) aufgesucht wird. Diese benötigt für ihren aktuellen Artikel mit dem Thema "Zwangssterilisation bei Männern als Lösung des Welt-Bevölkerungsproblems" noch weitere spezifische Fachliteratur und fragt daher gleich bei der richtigen Stelle an.

     

    Nach der Offenbnarung ihres Themas ist unser mannhafter Dr. Sayer zunächst zwar mächtig entsetzt, andererseits lassen ihn die unwiderstehlichen Reize der attraktiven Journmalistin aber auch nicht gerade kalt, so dass er diese schlussendlich für das folgende Wochenende in sein Ferienhaus einlädt, indem dann auch das benötigte Textmaterial lagert. Erleichtert stimmt die junge Publizistin der Einladung zu, aber was die reizende Maria aber nicht ahnt:

     

    Dr. Sayer hat aufgrund eines tiefsitzenden Kindheitstraumas (er musste als Kind leibhaftig miterleben, wie ein abgrund-böses Skorpion-Weibchen ihren männlichen Partner nach dem gemeinsamen Liebesspiel anstandslos verspeiste) absonderliche sexuelle Neigungen i.V.m. einem angstbesetzten Frauenbild entwickelt und ehe sich die attraktive Journalistin versieht, findet sie sich im Wochenenddomizil des Hobby-Marquis de Sade gefangen wieder.

     

    "Dreh Dich um - Komm näher. Du ahnst nicht welches Vergnügen es mir bereitet, eine zu Tode verängstigte Frau von Nahen zu betrachten. Es wäre wundervoll zu fühlen und zu spüren, was in Dir in diesem Moment vorgeht."

     

    Degradiert und herabgewürdigt zu einer entrechteten Wochenend-Sklavin ist Maria hilflos den perfiden Machtspielen des irrsinnigen Docs ausgeliefert und muss im Folgenden so manche Erniedrigung über sich ergehen lassen. Ihr einziger Wunsch besteht nur noch in der sofortigen Flucht von diesem Anwesen der grausamen und kranken Gelüste, aber ihr erster Fluchtversuch wird unverzüglich durch den Herrn des Hauses unterbunden und im Anschluss mit einem weiteren Programmpunkt aus dem pathologischen Spiele-Katalog für sexuelle Bedürfnis-Befriedigung bestraft. Maria wird mehrmals gefesselt, kalt geduscht, bekommt den Kopf geschoren, muss erotische Fußmassagen ausüben, den Befehl zum Liebesspiel mit einer des Doktors ebenbildähnlichen Gummipuppe ausführen oder für diesen nur in Leinen gehüllt eine super-heiße Sohle aufs Parkett legen.

     

    Doch Maria versucht dem Doc auf sehr empatische Weise eine Alternative für seine krankhafte Weltanschauung und sein angstbesetztes Frauenbild aufzuzeigen, bei der er letztendlich die Frauen nur noch aufgrund seiner reinen Manneskraft dominiert und an deren Ende seine Heilung steht. Aber auch die recht unwiderstehlichen Reize der Journalistin bleiben nicht ohne Folge und gepaart mit einer Portion weiblicher List und einer breitgefächerten Triebhaftigkeit tritt bei Maria nach und nach die Verwandlung in eine Art fürchterliche Gottesanbeterin ein,. Am Ende bleibt dann nur noch die Frage: Wer lacht zuletzt?

     

    "Und außerdem, immer die übliche Folter, das übliche Geschreie. Auf lange Sicht ähneln sich die Opfer auch irgendwann alle. Und Blut bleibt auch immer nur Blut. Ich bin überzeugt dass Sie mittlerweile keinen Spaß mehr daran haben... Sie sind ein reicher und intelligenter Mann. Sie könnten jede Frau haben die Sie möchten. Wenn Sie denen ein wenig den Hof machen würden, könnten Sie hunderte erobern. Dann würden Sie Ihren Spaß daran finden, sie schmachten zu lassen. Sie leiden und weinen zu lassen und sie vielleicht in den Selbstmord zu führen."

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Einfach nur Wow! Dieses bombastische Film-Werk des Wahnsinns ist eine für die damalige Zeit sehr fortschrittliche, sehr ironische und sehr durchdachte Geschichte gepaart mit purer Bildgewalt und zudem noch mit einem ordentlichen Schuss des damals vorherrschenden Zeitgeist versehen.

     

    Der Film ist durchgehend mit großartigen Bildern abfotografiert, das Bühnenbild mit einer detailverliebten, extravaganten und futuristisch-wirkenden Innenausstattung versehen und über allem breitet sich dann auch noch eine recht unrealistisch-wirkende und künstliche Atmosphäre aus. Diesem farbenfrohen Spektakel wurde dann auch noch die richtige Humornote der Marke “ironisch und intelligent” verliehen, so dass am Ende ein wahrliches Meisterwerk einer weiteren auf Zelluloid gebannten Unglaublichkeit heraus gekommen ist.

     

    In einer Art Kammerspiel wird von Frau Lassander und Herrn Leroy eine unglaublich gute Darbietung geboten und es ist eine pure Freude den beiden Akteuren bei ihren Interaktionen zu zusehen. Dagmar Lassander punktet aufgrund ihrer intensiven und bannenden Reizausstrahlung und Philippe Leroy aufgrund seiner großartigen Darstellung des psychisch-verkappten Ober-Machos.

     

    Etwas traurig stimmt die Tatsache, dass es bei dieser Perle scheinbar unmöglich war, die "tatsächliche" ursprüngliche Schnittfassung des Regisseurs wieder her zustellen, nachdem diese direkt nach der it. Kinopremiere vorübergehend beschlagnahmt und mit einigen Szenenerleichterungen wieder frei gegeben wurde. Und wie der Regisseur bestätigt, ist ihm selbst bis heute ausschließlich die zensierte Fassung immer mal wieder unter die Augen gekommen. Aber zumindest werden die fehlenden Szenen in einer etwas schlechteren Bildqualität und mit engl. Ton als DVD Extras mitgeliefert.

     

    Und wäre das alles noch nicht genug wird das Ganze als Krönung von Stelvio Cipriani noch einer der prächtigsten und schönsten Soundtracks durch Stelvio Cipriani verliehen.

     

    Die Filmmusik stammt in diesem Fall mal wieder aus der Feder des sehr umtriebigen Stelvio Ciprianis und zählt wohl mit zu den prächtigsten Musikproduktionen dieser Era.

     

    Fazit: Ein visuelles Spektakel der Sonderklasse, welches mit einer ordentlichen Prise Zeitgeist der 60er und einer intelligenten, aber auch zugleich bitter-bösen Humornote angereichert wurde und thematisch seiner Zeit damals weit voraus war.

  • Autor: Richie Pistilli
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