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Frankenstein '80

Italien, 1972

  • Originaltitel: Frankenstein 80
  • Deutsche Erstaufführung: 12. August 1977
  • Regisseur: Mario Mancini
  • Kamera: Emilio Varriano
  • Musik: Daniele Patucchi
  • Drehbuch: Ferdinando De Leone, Mario Mancini
  • Inhalt:

    Professor Schwarz (Roberto Fizz) hat im Geheimen ein Serum entwickelt, welches auftretende Komplikationen bei Organtransplantationen mindern oder gar verhindern soll. Damit werden beim Reporter Karl Schein (John Richardson) große Hoffnungen geweckt, das seine todkranke Schwester die notwendige Operation lebendig übersteht. Leider wird das Serum von Dr. Otto Frankenstein (Gordon Mitchell) entwendet, da er es für seine eigenen Zwecke, in Form von Experimenten mit Leichenteilen, gut gebrauchen kann. Tragisch allerdings, dass dadurch Karl's Schwester den Eingriff nicht überlebt und in dessen Folge der Journalist auf eigene Faust nachforscht, nachdem sich eigenartige Vor - und Todesfälle rund um das Hospital häufen. Verantwortlich für das fiese Treiben ist Dr. Frankenstein's entworfene Kreatur Mosaic (Xiro Papas), welche eine blutige Spur durch die Stadt zieht und die unfähige Polizei im Dunkeln tappen läßt...

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Review:

    Was für eine Wucht an überdimensionalen Unsinn Mario Mancini hier abgedreht hat, ist einfach unfassbar (und das ist ausdrücklich positiv gemeint). Warum dieser Film Mancini's einzige Regie-Arbeit ist, entzieht sich zwar meiner Kenntnis, aber das er mit seinem ersten und zugleich einzigen Film so ein Feuerwerk abbrennt, ist nicht mehr feierlich - oder doch?

     

    Die ganze Inszenierung riecht nach Billigkeit und Schmier, aber zum Wohlfühlen genau richtig und was der Film in der ersten Stunde an schundigen Tempo vorlegt, ist in Worten eigentlich kaum zu erfassen - das muss man gesehen haben! Jedenfalls gibt's hier wieder eine deutsche Vertonung, die sich das Prädikat "aufpolierende Killer-Synchro" regelrecht verdient hat, denn es ist höchst erfreulich, wie ein eigentlich "missratenes" Schauspiel durch vertonungstechniche Kunst wieder ausgebessert wurde und man dürfte sich ganz sicher einige Male dabei ertappen, diesen italienischen Beitrag zur aufkeimenden "Horror-vermischt-mit-Fleischeslust-und-Gewalt-Welle", gnadenlos abzufeiern.

     

    Klar, das Handlungsgerüst ist hanebüchen und altbekannt, dazu noch etwas nackte Haut und vereinzelt ein paar kleine (und äußerst billige) blutige Effekte dazu gemischt - fertig ist Mancini's Konstrukt aus alter Gruselmär und neumodischen Flair, zumindest aus damaliger Sicht. Aber damit nicht genug, denn wen schockt in den 70er'n noch eine stumme Kreatur, welche zwar mordend durch die Strasse trottet, aber sonst eher unterbemittelt ist. Genau das dachte sich wohl auch Mancini und so musste das zusammengeflickte Monster mit passendem Namen Mosaic, welches hier absolut herrlich von Xiro Papas verkörpert wird, nicht nur meuchelnd auf Opfersuche gehen, sondern durfte auch noch sein neu-angenähtes Monsterglied an der holden Damenwelt ausprobieren, was wiederum bei dieser keine Begeisterungsstürme auslöste und somit erliegen sie Mosaic's Charme auf seine eigene abstrakte Weise.

     

    In weiteren Rollen gibt es John Richardson als Reporter, welcher sich auch hier wieder souverän durch das wüste Drehbuch kämpft und in unseren Breitengraden passend von Thomas Danneberg vertont wurde. Gordon Mitchell spielt hier den kranken Wissenschaftler, welcher absolut keine Reue für die Untaten seine Kreation verspürt: "Mosaic - warum musst Du immer morden?" fragt er sich, während er zwar selber seinen Fauxpax bemerkt, aber wiederum den schwarzen Peter zum erschaffenen Geschöpf schiebt, welches sich aber nicht mehr länger von seinem Meister kommandieren lassen möchte und so muss sich Dr. Frankenstein (wird denn bei diesem Namen in den 70er'n keiner mehr mißtrauisch) seinen Fehlschlag letztlich doch noch eingestehen. Das die ermittelnden Beamten auch nicht mit Erfolgen glänzen, sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Ein trotteliger Haufen, andauernd dumm aus der Wäsche glotzend und keinesfalls zu Höchstleistungen in ihrem Tätigkeitsfeld fähig - aber ihr Chef, Inspektor Schneider, schiesst hier eindeutig den Vogel ab. Fast nur abgenervt von seiner untüchtigen Truppe, läßt er seiner stinkigen Laune freien Lauf und rotzt die involvierten Beamten in jeder freien Minute an - ein liebenswerter Kotzbrocken. Der darstellerische Alleskönner Renato Romano, bekannt aus unzähligen italienischen Genre-Produktionen, mimt hier den cholerischen Inspektor und immer wenn er die Szenerie betritt, ist gute Laune beim Zuschauer angesagt, denn auch ihn läßt die deutsche Synchro regelrecht wüten - ein absoluter Genuss. Dazu gesellt sich noch kurz Dalila Di Lazzaro, welche natürlich mal wieder blank ziehen und nebenbei noch Richardson's Charakter den Kopf verdrehen durfte.

     

    So hochkarätig und treibend, wie "Frankenstein '80" anfängt, kann er natürlich nicht enden - das wäre umso schöner gewesen, keine Frage. Leider geht Mancini's Werk zum Schluss hin gewaltig die Puste aus, was man aber durch etwas Straffung hätte verhindern können, denn gegen Ende wird vieles in die Länge gezogen, nur um zur nächsten Mordsequenz, so bedeutungslos sie auch für die zukünftige Handlung ist, stupide hinzuarbeiten. Leider sind zu diesem Zeitpunkt aber schon Geschichte, sowie (fast alle) wichtigen Höhepunkte erzählt, bzw. gezeigt worden und der Zuschauer muss sich nun noch bis zur finalen Auflösung gedulden, welche natürlich alles andere als brachial ausgefallen ist. Ein weiterer Schwachpunkt ist meiner Meinung nach auch der Soundtrack von Daniele Patucchi, welcher das Leit-Thema so oft benutzt, das man gegen Ende doch schon sehr von der immer wiederkehrenden musikalischen Monotonie angeödet ist - sicher, mir ging das Gedudel nach der letzten Sichtung nicht mehr aus dem Kopf und eigentlich surrt es immer noch leise im Gehörgang rum, aber eher auf negative Art und Weise.

     

    Ansonsten gibt es von mir nix mehr zu meckern, denn "Frankenstein '80" verleugnet seinen zurecht erworbenen Schundstatus glücklicherweise nicht und macht allein zuhause, mit Freunden bei einem geselligen Filmabend oder in einem prächtig gefüllten Kinosaal mächtig Laune, auch wenn sich inszenatorische Schwächen, sowie der unnötige Leerlauf in der zweiten Hälfte nicht verbergen lassen, aber wie bereits angemerkt, stellt die erste Stunde die restliche Laufzeit dermaßen in den Schatten, dass man getrost über das schwache Ende hinwegsehen kann. Allerdings darf man dabei auch nicht vergessen, dass gerade die alte deutsche Kinovertonung für regelrechte Ekstase sorgen dürfte, ja diesen Film sogar immens nach vorne "pusht" und ihn somit garantiert unterhaltsamer macht, als im italienischen Original.

  • Autor: Tobias Reitmann
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