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Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu

Deutschland | Italien | Liechtenstein | Spanien | Vereinigtes Königreich, 1969

  • Originaltitel: The Castle of Fu Manchu
  • Alternativtitel:

    El castillo de Fu-Manchu (ESP)

    Il castello di Fu Manchu (ITA)

    Assignment Istanbul

    Fu Manchu's Castle

    The Torture Chamber of Fu Manchu

  • Deutsche Erstaufführung: 30. Mai 1969
  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Manuel Merino
  • Musik: Charles Camilleri, Malcomb Shelby
  • Drehbuch: Manfred Barthel, Harry Alan Towers
  • Inhalt:

    Mithilfe einer Geheimformel des von ihm entführten Prof. Heracles/Henderson (Gustavo Re) ist es dem genialen Superverbrecher Dr. Fu Man Chu (Christopher Lee) möglich, große Mengen an Wasser blitzschnell in Eis zu verwandeln. Diese Formel testet er sogleich in der Karibik an einem Passagierdampfer, der daraufhin einen Eisberg rammt, und Fu Man Chu erpresst mit dieser tödlichen Demonstration die Welt.

     

    Nayland Smith von Scotland Yard (Richard Greene) findet mithilfe seines Freundes Dr. Petrie (Howard Marion-Crawford) heraus, dass für die Basis dieser Formel große Mengen an Opiumderivat benötigt werden, und so führt die Spur in die Türkei. Dort hat Fu Man Chu mithilfe des Gangsters Omar Pascha den Gouverneurspalast erobert – bekanntlich der größte Lagerort für Opium weltweit (lol) - und sich dort eingenistet.

     

    Doch Fu Man Chu betrügt Pascha, lässt dessen Männer töten und entführt seine Geliebte (engl. Fassung)/Tochter (dt. Fassung) Lisa (Rosalba Neri). Doch damit sind die Entführungen noch nicht beendet, denn der Professor ist schwer herzkrank, und Fu Man Chu lässt die beiden Ärzte Dr. Kessler (Günther Stoll) und Dr. Koch (Maria Perschy) zu sich bringen. Sie sollen eine Herztransplantation vornehmen.

     

    Derweile treffen Nayland Smith und Dr. Petrie in Istanbul ein, und verbünden sich sowohl mit Omar Pascha als auch mit dem wenig motivierten Inspektor Ahmet (Jess Franco). Fu Man Chus Tochter Lin Tang (Tsai Chin) ahnt ein erneutes Scheitern der Welteroberungspläne ihres Vaters, doch der hört mal wieder nicht auf ihre Warnungen. Doch wird es ihm nochmals gelingen, seinem unerbittlichen Verfolger von Scotland Yard zu entkommen?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Im Juni 1968 begannen die Dreharbeiten für den fünften, letzten und am niedrigsten budgetierten Fu Man Chu-Film der Harry Alan Towers-Produktionen, wieder unter der Regie von Jess Franco. Dabei ist er seltsamerweise deutlich unterhaltsamer als der Vorgänger „Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu“, wohl wegen des höheren Absurditätsgehaltes.

     

    So wird der Zuschauer in der Eröffnungsszene – ein Kreuzfahrtschiff rammt in der Karibik einen Eisberg – Zeuge eines ziemlich dreisten Mixes von Archivmaterial. Szenen aus „Die dreizehn Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu“ werden mit dem Titanic-Untergang aus Roy Ward Bakers „Die letzte Nacht der Titanic“ (A Night to remember, 1958) kombiniert, Letztere mit einem Blaufilter überdeckt. Ähnliches in einer späteren Szene, in der Fu Man Chu wegen irgendwelchem Pille Palle (Respektlosigkeit des Staudamm-Betreibers) dessen Damm zum Einsturz bringt, diese Szenen stammen aus Ralph Thomas „Gefährliches Erbe“ (Campbell’s Kingdom, 1957), sehr schön zu erkennen, wenn Dirk Bogarde und Stanley Baker am Zuschauer vorbei rennen bzw. gespült werden.

     

    Egal, der Gouverneurspalast von Anatolien ist in jedem Fall das weltweit größte Opiumdepot, und der Gouverneur wird nicht von Herbert Fux gespielt, wie einige Datenbankeinträge oder gar Credits behaupten. In einer recht spannenden Szene – gedreht im Güell Park in Barcelona – erobern Omar Pashas „Männer“ (u. a. Mike Brendel und eine in ihrem Anzug wirklich hinreißende Rosalba Neri mit sexy englischem Akzent) in Fu Man Chus Auftrag Gouverneurspalast, Opiumlager und Folterkammer zugleich, wo später dann noch die weltweit erste Herztransplantation durchgeführt wird, in einer absolut lachhaften OP-Szene. Was Günther Stoll da von einem Körper in den anderen verpflanzt hat nicht mal die Größe eines Blinddarms und sieht einem Herzen so gar nicht ähnlich. Wie auch immer, ich wüsste da eine weitaus effektivere Methode, Opium zu einem tödlichen Einsatz zu bringen als es in Eismasse zu verwandeln.

     

    Neben den üblichen Fassungsunterschieden zwischen deutscher Fassung und Originalfassung innerhalb der Fu Man Chu-Reihe und der Ergänzung des Titelstücks von Gert Wilden, funktioniert die Musik im Original wesentlich besser als im Vorgänger „Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu“, wo Daniel White als Komponist tätig war. In „Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu“ stammt die Originalmusik größtenteils von Charles Camilleri, der auch für die im selben gedrehte Towers-Produktion „Das Haus der Tausend Freuden“ (La casa de las mil muñecas, 1968) von Jeremy Summers komponierte und dirigierte.

     

    Ebenfalls spannender als den Vorgänger macht diesen Film die Tatsache, dass sowohl Christopher Lee als auch seinem Gegenspieler Richard Greene mehr Screentime zuteil wurde. Insbesondere die Rolle des Nayland Smith rückte in „Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu“ ja sehr in den Hintergrund, vielleicht, weil man einen neuen Darsteller engagiert hatte. Nichtsdestotrotz war es höchste Zeit, die Fu Man Chu-Reihe zu beenden, denn der Abwärtstrend ist hier nur allzu offensichtlich.


    Ein letztes Wort zum Towers-Drehbuch: Lisa (Rosalba Neri) wird Zeuge von Omar Paschas Ermordung durch Fu Man Chus Tochter. Am Ende des Films rennt sie aber zurück in den kurz vor der Explosion stehenden Palast, um ihn zu da rauszuholen – häh?

  • Autor: Gerald Kuklinski
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