Der Fluss der Mörderkrokodile

Italien, 1979

  • Originaltitel: Il fiume del grande caimano
  • Alternativtitel:

    Alligators

    Big Alligator River

    The Big Caimano River

    El río del caimán gigante (COL)

    Caimán (ESP)

    Le grand alligator (FRA)

    O Jacaré (POR)

    Alligator (USA)

    The Great Alligator (USA)

    Die heilige Bestie der Kumas

  • Deutsche Erstaufführung: 29. Mai 1980
  • Regisseur: Sergio Martino
  • Kamera: Giancarlo Ferrando
  • Musik: Stelvio Cipriani
  • Drehbuch: George Eastman, Cesare Frugoni, Ernesto Gastaldi, Sergio Martino, Mara Maryl
  • Inhalt:

    Inmitten der Abgeschiedenheit einer unberührten Wildnis eröffnet eines Tages eine hochmoderne Hotelanlage ihre Pforten, für deren Errichtung das Land des Kuma Stammes erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde und welche für die urlaubsreifen Gäste ausschließlich durch einen Helikoptorflug zu erreichen ist. So kommt es, dass der naturfeindliche Geschäftsführer Joshua (Mel Ferrer) den unrasierten Journalisten Daniel Nessel (Claudio Cassinelli) eigens zur Eröffnung seines kostspieligen Urlaubsressorts aus Übersee einfliegen lässt, damit dieser ihm zu der benötigten Publicity verhilft. Doch Nessel reist nicht alleine in der Abgelegenheit des Dschungels an, sondern hat zuem das knackige Fotomodell Sheena (Geneve Hutton) im Gepäck, mit der er sogleich eine ausgiebige Fotosession vor der naturgewaltigen Hotenanlagenkulisse zelebriert. Doch am nächsten Tag ist Sheena plötzlich spurlos verschwunden. Gemeinsam mit der reizenden Hotelangestellten Alice Brandt (Barbara Bach) begibt er sich auf die Suche nach dem verschollenen Fotomodell, wobei sie bereits nach kürzester Zeit beim Stamm der Kumas landen. Dort erfahren die Beiden sogleich, dass Sheena in der Vornacht gemeinsam mit dem Sohn des Stammeshäuptlings vom großen Flussgott für immer zu sich genommen wurde, da dieser durch das naturfeindliche Vorgehen des weißen Mannes äußerst erzürnt wurde. Doch was hat es mit diesem mysteriösen “Flussgott” auf sich?

     

    Diese Frage wird den beiden Turteltäubchen schon kurze Zeit später während ihrer Rückfahrt zur ausgebuchten Ferienanlage beantwortet, da sie plötzlich von einem überdimensionalen Mörderkrokodil attackiert werden, den Angriff an sich aber glücklichwerweise überleben.

    Das Killereptil hat jedoch zwischenzeitlich Blut geleckt und bereits die badenden Gäste der Hotelanlage als eine recht ergiebige Nahrungsquelle ausfindig machen können. Doch allen Warnungen zutrotz besteht der skrupellose Geschäftsführer weiterhin auf die Fortsetzung der Eröffnungsfeier und ebnet somit den Weg zum unausweichlichen Worst-Case-Szenario für die immer noch völlig ahnungslosen Urlaubsgäste.

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Auch Sergio Martino durfte sich 1979 im Fahrwasser des Erfolgsgiganten „Der weiße Hai“ durch die Inszenierung eines kostengünstigeren Italo-Plagiats unter Beweis stellen, wobei er letztendlich ein der Genre-Konventionen entsprechend solides und recht unterhaltsames Endprodukt abliefern konnte. Martino präsentiert uns hier einen dermaßen mörderschuppensträubenden Unfug, dass man diese Kroko-Sause wiederum einfach nur gern haben muss. Zudem stammt das Drehbuch von keinem Geringeren als dem guten Onkel George Eastman und lässt uns viel wissenswertes über das Fantasievolk der Kumas erfahren, das in der Abgeschiedenheit einer nicht näher bezeichneten Wildnis ihr friedliches Dasein fristet und dabei auch gerne mal ekstatische Fruchtbarkeitsriten auf der „Insel der Liebe“ zelebriert. Doch nachdem der skrupellose Geschäftsmann und Schauspieler Mel Ferrer das bis dato unberührte Naturparadies zur Errichtung seines kapitalistischen Erholungstempels in desaströse Mitleidenschaft gezogen hat, erzürnt dies die Kumas, welche wiederum ihren „großen Flussgott“ beschwören, woraufhin sich ein völlig steifes und überdimensioniertes Mörderkrokodil aus gummierten Pappmaché seiner Möglichkeiten entsprechend in Bewegung setzt, um die Verantwortlichen dieser existenzgefährdenden Umweltsünde einer gerechten Strafe zu unterziehen. Der unblutige, aber recht herzhaft mundende Rachefeldzug unseres schwerfälligen Reptils wird zudem von einer militanten Truppe des gleichfalls aufgebrachten Volksstammes begleitet, die gleichzeitig an Land ihre völlig erbarmungslose Rache an den hilflosen Hotelgäste verüben. Und inmitten dieser Katastrophe wurden dann Barbara Bach und Claudio Cassinelli von den Produzenten ausgesetzt, damit sie dem Zuschauer auf ihrer Flucht vor der blutrünstigen Gummibestie die zu erwartende Unterhaltung bieten, was ihnen schlussendlich auch wiederum problemlos zu Gelingen vermag. Schließlich standen Herr Cassinelli und Frau Bach bereits im gleichen Jahr in dem gleichfalls unter der Regie von Sergio Martino entstandenen Abenteuerfilms “Insel der neuen Monster” gemeinsam vor der Kamera und waren somit für die anstehenden Dreharbeiten des Krokodil-Horrors auf Sri Lanka schon bestens eingespielt. Dem gleichfalls genrebekannten Romano Puppo wurde zudem die Rolle des Handlangers zugesprochen, der sich dann auch so einige Male vor der Kamera blicken lassen darf. In einer Szene verfüttert er sogar kleine Schweine an hungrige Otto-Normal-Krokodile, wobei hier aber kein tatächlicher Tiersnuff stattfindet, da den zähnefletschenden Mäulern letztendlich vorgegarte Fleischkost zugeführt wird.

     

    Der Storyverlauf gestaltet sich zunächst etwas schleppend und steht daher unserem steifen Schreckensobjekt in nichts viel nach. Dafür wird aber aber eine sehr ansehnliche Kameraarbeit geboten, die in Verbindung mit der beeindruckenden Naturkulisse ein bildgewaltiges Ergebnis an den Tag legt, das zudem eine sehr angenehme Urlaubsatmosphäre verbreitet. Visuell funktioniert die Inszenierung somit eher als unterhaltsamer Abenteuerfilm und weniger als Horrofilm, wobei dem blutarmen Treiben der Einsatz einer größeren Menge des roten Safts eindeutig zu Gute gekommen wäre.

     

    Neben dem völlig bewegungslosen Papp-Krokodil mit PVC-Ummantelung, das übrigens immer nur ganz kurz in einzelnen Bildausschnitten zu sehen ist, gibt es auch noch den Einsatz eines zeitgenössischen Modellautos zu bestaunen, das vor laufender Kamera in einem aquariumähnlichen Becken versenkt wird und dabei an die besondere Tricktechnikkunst eines Signore Margheritis erinnern lässt. Zudem werden auch typische Kameraeinstellungen des großen Leinwandvorbilds aus Hollywood geboten, insbesondere wenn Gefahr durch das herannahende Pappmodell droht.

     

    Musikalisch wurde dieses triviale Abenteuerspektakel mit einer sehr passenden Filmmusik von Stelvio Cipriani versehen und abschließend sei auch noch kurz auf die deutsche Synchronisation hingewiesen, die dieser tierisch-ausgestopften Sause den passenden Anstrich verleiht und zur kurzweiligen Unterhaltung des Films beiträgt.

     

    Fazit: Ein mordsmäßiger Abenteuerspaß für jung und alt, mit einer beißwütigen Kunstlederhandtasche in der Hauptrolle

  • Autor: Richie Pistilli
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