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Five Dolls for an August Moon

Italien, 1970

  • Originaltitel: 5 bambole per la luna d'agosto
  • Alternativtitel:

    Cinco muñecas para la luna de agosto (ESP)

    L'île de l'épouvante (FRA)

    Island of Terror (USA)

  • Regisseur: Mario Bava
  • Kamera: Antonio Rinaldi
  • Musik: Piero Umiliani
  • Drehbuch: Mario di Nardo
  • Inhalt:

    Eine kleine paradiesische Insel, strahlend blauer Himmel, eine exclusive Villa und eine überschaubar kleine Gruppe mondäner Menschen, die sich ausschweifenden Jetset-Spielen hingeben und sonst nicht allzu viel zu tun zu haben scheinen...

  • Autor: Thorsten Strahmann
  • Review:

    ...so beginnt Mario Bavas kleiner aber feiner Lounge-Giallo und bestätigt so gleich all unsere Vorurteile, welche wir der aufgesetzten High-Society-Fraktion doch so gerne entgegenbringen:  die Welt der Schönen und Reichen besteht aus hochnäsigen Egozentrikern und auf irgendeine Art, scheint jeder von ihnen einen an der Waffel zu haben!

     

    Und dann lässt Bava uns hinter die Fassaden blicken und erklärt uns, dass die bunt zusammengewürfelte Truppe von Egomanen es ausschließlich auf eine Geheimformel abgesehen hat, welcher der anwesende Professor Gerry Farrell entwickelt hat und die seinem Besitzer einen Riesenbatzen Geld bringen würde. Der Professor, der uns als moralischer Saubermann präsentiert wird und der aus diesem Grunde nicht so richtig in die Gruppe passen will, lehnt "natürlich" den Verkauf der Formel ab und bietet damit ein einfaches aber zum Selbstzweck völlig ausreichendes Motiv für diverse Morde an, welche die Gruppe fortwährend verkleinern soll. Einer nach dem anderen muss in Bewährter Edgar-Wallace-Tradition das Leben lassen und der Zuschauer wird eingeladen, sich an der mentalen Tätersuche zu beteiligen...was sich als nicht besonders einfach herausstellen soll, da der ein oder andere Todesfall im Nachhinein dann doch weniger plausibel erscheint, als vermutlich vom Regisseur beabsichtigt. Das großartige Finale sollte bei der Erstsichtung sogar den eingefleischten Giallo-Fan überraschen und schließt den farbenfrohen Film rund ab.

     

    Mario Bava schuf diesen Zehn-Kleine-Negerlein-Streifen 6 Jahre nach seiner bis heute unschlagbaren Giallo-Referenz Sei donne per l'assassino (Blutige Seide) und für viele Fans des Genres war Five Dolls - vielleicht auch aus der Erwartungshaltung heraus - eher enttäuschend. Bava wird häufig vorgeworfen, er hätte mit Five Dolls lediglich eine lieblos angefertigte Auftragsarbeit abgeliefert. Wer einen behandschuhten Killer erwartet, der des nachts seine Opfer auf gialloresk-bizarre Art und Weise dahinmeuchelt, wird mit Sicherheit enttäuscht werden. Bava lässt in Five Dolls sämtliche Morde ausserhalb der Kamera geschehen...vom Killer ist ebenfalls nichts zu sehen...unser geliebtes Kunstblut wird äußerst sparsam genutzt...und all das auch noch bei wolkenlosem Himmel auf einer wunderschönen Insel. Und doch...es handelt sich bei Five Dolls um einen sehr stimmungsvollen Giallo, der seine ganz eigene und loungige Atmosphäre versprüht! Bava nutzt wie in seine Vorgängern das Licht, wenn auch nicht so exzessiv wie z.B. in Blutige Seide, er zeigt uns die schnörkelose Architektur der Pop Art, er schwelgt hier und dort in kunterbuntem Dekor, legt großen Wert auf die Garderobe seiner Protagonisten...und das in einer Weise, welche uns das Gefühl jeglicher Bedrohung vermissen lässt. Allein der Gefrierraum, in dem sich zunehmend mehr Leichen unter durchsichtiger Folie zwecks Aufbewahrung tummeln, erinnert uns wiederholt an die Gefahr, die auch ausserhalb des Schrankes lauern muß!

     

    Bava arbeitete mit Antonio Rinaldi als Kameramann zusammen, mit dem er auch schon 1965 den Science Fiction-Film "Terrore nello spazio (Planet der Vampire)" drehte. Dass sich die beiden bereits kannten und ein ähnliches handwerkliches Verständnis hatten, wird in einigen sehr schönen und sehr verspielten Einstellungen deutlich.

     

    Die Riege der Darsteller, die Bava für sein poppiges Insel-Drama verpflichten konnte, ist ebenfalls nicht zu verachten. Allen voran die Giallo-Königin Edwige Fenech, die hier das durchgeknallte Naivchen geben darf und die mit ihren Reizen überhaupt nicht spart. Ira von Fürstenberg, die ein Jahr später mit Franco Nero "The Fifth Cord" drehen sollte, ist ebenso lecker anzuschauen, wie Helena Ronee, die vielen aus der Bond-Verfilmung "Im Geheimdienst ihrer Majestät" bekannt sein könnte. Die Herren-Fraktion wurde ebenfalls mit Genre-bekannte Gesichtern bestückt, wie zum Beispiel mit William Berger (Sabata) oder Howard Ross (Der New York Ripper).

     

    Ein Hauptgrund für meine persönliche Begeisterung gegenüber dieses Films liegt eindeutig in der Filmmusik! Piero Umiliani gehört für mich in die Reihe der ganz großen italienischen Komponisten wie z.B. Cipriani oder Morricone und sein locker-flockiger Easy-Listenig-Score zu Five Dolls prägt einen Riesenteil des ganzen Films und unterstützt die unbekümmerte Atmosphäre der Insel. Er lässt die Intrigen und Vergehen der Protagonisten fast lächerlich erscheinen und verstärkt die Künstlichkeit der Situation. Ein Soundtrack, der bei mir zuhause fast wöchentlich auf dem Plattenteller landet!

     

    Five Dolls scheidet die Genre-Gemüter. Für mich ist er ein wunderschöner Film mit herausragender Stimmung und prächtigen Bildern. Protagonisten, Style und Musik sind exzellent, das Rätselraten um den Mörder und das ausgezeichnete Finale machen Spaß! Freunden des gepflegten Splatters und dem Bedürfnis nach ausgefallenen Tötungsvarianten würde ich dann aber doch eher erneut zu einem Argento raten.

  • Autor: Thorsten Strahmann
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    Links

    OFDb

    IMDb

     

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