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Eine Faust geht nach Westen

Italien, 1981

  • Originaltitel: Occhio alla penna
  • Alternativtitel:

    Buddy no Velho Oeste (BRA)

    Dos granujas en el Oeste (ESP)

    On m'appelle Malabar (FRA)

    O Terror do Far-West (POR)

    Buddy Goes West

  • Deutsche Erstaufführung: 14. Mai 1981
  • Regisseur: Michele Lupo
  • Kamera: Franco Di Giacomo
  • Musik: Ennio Morricone
  • Drehbuch: Sergio Donati, Gene Luotto
  • Inhalt:

    Die Stadt Yucca City steht vor dem Ende. Der berüchtigte Bandit Colorado Slim macht nämlich die ganze Gegend unsicher weshalb sich immer mehr Bürger dazu entscheiden das kleine Städtchen zu verlassen. Erst als die beiden Herumtreiber Buddy und sein indianischer Freund Adlerauge in die Stadt kommen ändert sich die Lage, denn die machen aus den Banditen haufenweise Kleinholz.

  • Autor: nerofranco
  • Review:

    Im Jahre 1981, dem Entstehungsjahr von "Occhio alla penna", war das Genre des Italowestern schon fast dem Tode geweiht. Umso erfreulicher ist es, dass Regisseur Michele Lupo hier noch einmal einen schönen, kleinen Nachzügler inszeniert hat. Der leider sehr früh verstorbene Lupo schuf bereits zuvor vier kleine aber feine Western, darunter gleich drei mit Giuliano Gemma. Sein Einstieg ins Genre war die Komödie "Per un pugno nell'occhio" mit dem Blödelduo Franco Franchi und Ciccio Ingrassia. Danach folgten drei ausgesprochen gute und unterhaltsame Western mit Gemma in der Hauptrolle. Dazu zählen "Arizona Colt", "Amico, stammi lontano almeno un palmo" (Ben und Charlie) sowie "Califonia" (Der Mann aus Virginia). "Occhio alla penna" zählt zu einer Reihe von fünf Komödien, die Lupo zusammen mit Bud Spencer drehte, wovon der bekannteste wohl "Lo chiamavano Bulldozer" (Sie nannten ihn Mücke) sein dürfte, über den sich allein in Deutschland knapp 4,5 Millionen Zuschauer im Kino schlapp lachten.

     

    Die Hauptcharaktere in "Occhio alla penna" sind die beiden Herumtreiber und Kleinkriminellen Buddy und Adlerauge. Sie verbindet eine besondere Form der Blutsbrüderschaft ("Nein, mein Sohn. Wir sind keine Brüder und besteh nicht auf Blutsbrüderschaft, das ist Quatsch. Du hast von mir nur ne Bluttransfusion, weiter nichts"). Buddy ist natürlich Bud Spencer und der Indianer Adlerauge wird gespielt vom Franzosen Amidou, der Terence Hill als Spencers Partner hier mehr als würdig vertritt. Die beiden tappen nun von einem Schlamassel ins nächste bis sie eines Tages einen glitzernden Koffer klauen, in dem sie eine Menge Gold vermuten. Allerdings entpuppt sich der Schatz als Medikamentenkoffer eines Arztes was ihnen aber noch zugutekommen sollte. Als sie nämlich den alten Farmer Logan das Leben retten wird Buddy als Arzt in dem kleinen Nest Yucca City angestellt. Dort treffen sie auf den undurchsichtigen Sheriff Bronson, der von Boxer Joe Bugner verkörpert wird, mit dem sich Spencer schon öfters rumschlagen durfte. Die Stadt hat so einige Schwierigkeiten, wird sie doch von fiesen Banditen belagert. Ihr vermeintlicher Chef ist der nicht ganz helle Colorado Slim. Colorado wird gespielt von Riccardo Pizzuti, der ja von Spencer schon in so manchem Film ein paar über die Rübe bekommen hat und der Film macht da keine Ausnahme.

     

    Michele Lupos "Occhio alla penna" ist ein wunderbarer, amüsanter und netter Film. Spencer und Amidou harmonieren hervorragend und die Nebenrollen sind sehr gut besetzt. Amidou macht sowieso eine gute Figur als Indianer, der seinem Blutsbruder an der Backe klebt. Buddy will ihn zwar die meiste Zeit über los werden aber der kleine Indio ist ziemlich hartnäckig. Als es Buddy einmal gelingt ihn abzuhängen entführt Adlerauge ihn aus einem luxuriösen Zug, in dem sich kein geringerer als Buffalo Bill befindet, der sich auch gleich als Vermittler und Geisel zur Verfügung stellt. (Bill: "Würde einer der Herren sich freiwillig zur Verfügung stellen? Niemand? Na gut, dann heißt das wohl, dass ich mich wieder..." – Adlerauge: "Geh, geh, geh, pf, pf, ich will dicken Daddy, dicken Momo mit Adlerauge"). Buddy hat zu Beginn auch ein gewaltiges Problem und zwar bekommt er nie etwas zwischen die Kiemen ("Wieder nichts mit Essen. Kein Aas ist hier.") und man erfährt, dass es lebensgefährlich ist wenn man ihn dabei stört ("Ich weiß nicht wer ihr seid und was ihr hier wollt, aber eins ist absolut tödlich, wenn man mich beim Essen stört und ich hab grad angefangen"). Aber wenn es mal was zu Mampfen gibt, dann richtig ("Und was möchte sie da?" – "Alles was da ist").

     

    Auch ansonsten lebt der Film von seinen witzigen Figuren. Joe Bugner ist der undurchsichtige Sheriff Bronson und Riccardo Pizzuti der etwas dumme Banditenboss Slim. Unter Slims Männer befinden sich noch unter anderem Giovanni Cianfriglia, Benito Pacifico und Ottaviano Dell'Acqua. Osiride Pevarello hat eine Traumrolle als völlig verdreckter Stallbursche Trash, der in seinem Leben noch kein Bad gesehen hat (Doktor: "Dieser Mann ist doch ein wahrer Infektionsherd. Wir müssen ihn eigentlich sofort desinfizieren." – Buddy: "Finden Sie? Tja, du hast es gehört. Wir müssen dich destifinieren. Ab ins Bad." – Trash: "Nein, nein, nicht baden, um Gotteswillen lasst mich los, ich habe noch nie gebadet, ich habe Angst vor Wasser, lasst mich los"). Zudem gibt es ein Wiedersehen mit bekannten Genregesichtern wie etwa Tom Felleghy, Alberto dell’Acqua oder Romano Puppo.

     

    Neben den vielen witzigen Charakteren gibt es natürlich jede Menge Schlägereien, wobei die Gauner erwartungsgemäß vermöbelt werden was das Zeug hält. Dazu veranstalten Buddy und der Sheriff einen ekelerregenden Fresswettkampf, der eigentlich jeden zum Vegetarier machen müsste. Die Inszenierung von Michele Lupo ist ausgezeichnet, der Film könnte genauso gut aus den 60’ern stammen. Ein Grund dafür ist wahrscheinlich auch, dass das Ganze unter anderem von Experte Claudio Mancini ("Spiel mir das Lied vom Tod") produziert wurde. Hinter der Schreibmaschine saß mit Sergio Donati ebenfalls ein Spezialist seines Faches. Für den wunderbaren Soundtrack zeichnet sich niemand geringer als Maestro Ennio Morricone verantwortlich und die deutsche Synchronisation lässt sich auch nichts zu Schulden kommen.

     

    "Occhio alla penna" ist wie bereits erwähnt ein wunderbarer, netter Film der über die volle Laufzeit über vollends unterhalten kann. Grund dafür sind die witzigen und sympathischen Figuren, die ausgesprochen gute Inszenierung von Lupo sowie der sehr schöne Soundtrack von Ennio Morricone. Also ein Bud Spencer Film, der nicht nur Kindern und Jugendlichen eine Freude bereiten dürfte sondern auch den ein oder anderen Erwachsenen. Wer mal ne kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch sucht ist hier goldrichtig.

  • Autor: nerofranco
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