Fango bollente

Italien, 1975

  • Alternativtitel:

    Justicia para todos (ES)

    Hot Mud (UK)

    Savage Three (Int.)

  • Regisseur: Vittorio Salerno
  • Kamera: Giulio Albonico
  • Musik: Franco Campanino
  • Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Vittorio Salerno
  • Inhalt:
    Der verschlossene Ovidio arbeitet tagsüber in einer Computerfirma, nach Feierabend zieht er mit seinen beiden Lieblings-Arbeitskollegen um die Häuser. Um der Monotonie des Arbeitslebens in der Freizeit etwas entgegenzusetzen, lässt sich Ovidio immer gewagtere Aktionen einfallen: von Unruhe stiften in einem voll besetzen Stadion über rasante Fahrten mit geklauten Autos bis hin zu... Mord! Anfänglich selbst etwas entsetzt über die Tat, scheint es Ovidio und seine Kollegen erst richtig auf den Geschmack zu bringen und die Gewaltexzesse des Trios werden immer durchdachter und sadistischer. Sie fühlen sich auf der sicheren Seite, denn die Polizei hat keine Anhaltspunkte, wer hinter den brutalen Taten stecken könnte. Während der zuständige Kommissar bezüglich der Täterschaft im Dunkeln tappt und auf die üblichen Verdächtigen (Einwanderer, Zuhälter, Kleinkriminelle) tippt, kommt Kommissar Santagà mit seinen eigenmächtigen Ermittlungen der Wahrheit immer näher...
  • Autor: Mauritia Mayer
  • Review:
    "Fango Bollente" ist ein Titel, den sich Poliziottesco-LiebhaberInnen merken sollten! Der Film aus dem Jahr 1975 wartet nicht nur durch interessante Darsteller (Enrico Maria Salerno wieder einmal in seiner Paraderolle als Kommissar und Joe Dallesandro als Bösewicht), sondern auch durch eine intelligente Geschichte und einen absolut kultverdächtigen Prog-Rock-Soundtrack auf.
     
    "Fango Bollente" reiht sich neben Filmen wie "Die blutigen Spiele der Reichen", "Bewaffnet und gefährlich" und "I ragazzi della Roma violenta" ein in die handvoll Poliziotteschi, die sich mit der Thematik des "Thrill Kill" beschäftigen. Hierbei handelt es sich meist um Jugendliche oder junge Erwachsene aus der Mittel- oder Oberschicht, die ohne erkennbares Motiv morden. Sie tun es mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der sie eine Packung Zigaretten kaufen oder sich ihre Zeit in Straßencafés vertreiben. Ohne darüber nachzudenken. Einfach, weil es möglich ist. Vielleicht, weil ihnen das Leben ansonsten nichts Attraktives zu versprechen scheint. Genau weiß man es nicht. Ovidio redet zwar in einer Szene davon, die Monotonie des Alltags durchbrechen zu wollen, aber eine handfeste Begründung für die grausamen Tötungen liefert keiner der drei. Interpretationsansätze auf gesellschaftlicher Ebene werden zwar angedeutet, erscheinen aber beunruhigenderweise nicht ausreichend und zu eindimensional für ein logisches Deutungsmuster.
     
    Die genannten Filme, die alle ungefähr im selben Zeitraum entstanden sind, waren vielleicht eine Art der kollektiven Aufarbeitung für die italienische Zivilbevölkerung. Angeblich sollen die Geschichten auf einer wahren Begebenheit beruhen. In den 70ern fand nahe Rom eine Entführung von zwei jungen Frauen statt, die vergewaltigt und grausam getötet wurden. Die Täter waren eine Gruppe Jugendlicher aus reichem Hause, denen ihre (einfluss-) reichen Eltern schließlich zur Flucht verhalfen und die so der römischen Justiz entgehen konnten.
     
    "Fango Bollente" ist trotz der Thematik und einiger expliziter Szenen kein oberflächliches Exploitationkino, sondern ein psychologisches Drama, das sein Erzähltempo von Szene zu Szene kontinuierlich steigert. Besonders faszinierend sind die Dialoge zwischen Kommissar Santagà und Ovidio, der aus seiner Verachtung gegenüber der Polizei und deren Vertreter keinen Hehl macht. Trotz Ovidios oberflächlicher Freundlichkeit strahlt er eine starke subversive Aggression aus, mit der sein Gegenüber "columboesk" spielt. Die beiden liefern wirklich eine grandiose Show.
     
    Familiäre Verhältnisse und Hintergründe der Protagonisten werden beleuchtet, ohne plakativ zu wirken oder Erklärungen für ihr Verhalten zu liefern. In solchen und einigen anderen Zwischensequenzen blitzt ein charmanter Humor durch, der gekonnt platziert ist und weder ins "Comedia all'Italiana-Niveau", noch ins Trashige abdriftet. Zum Glück, weil alles andere die beunruhigende Atmosphäre von Perspektivlosigkeit und Nihilismus unweigerlich zerstören würde.
  • Autor: Mauritia Mayer
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