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Die Fahrten des Odysseus

Frankreich | Italien | Vereinigte Staaten, 1954

  • Originaltitel: Ulisse
  • Alternativtitel:

    Ulises (ESP)

    Ulysse (FRA)

    Odysseus

    Odyssey

    Odyssey of Ulysses

    Ulysses

    Vlisse

  • Deutsche Erstaufführung: 08. Februar 1955
  • Regisseur: Mario Camerini
  • Kamera: Harold Rosson
  • Musik: Alessandro Cicognini
  • Drehbuch: Franco Brusati, Mario Camerini, Ennio De Concini, Hugh Gray, Ivo Perilli, Irwin Shaw, Ben Hecht
  • Inhalt:

    An der Küste Scherias, der Heimat des Volkes der Phäaken, wird ein Schiffbrüchiger an den Strand gespült und von Nausikaa (Rossana Podestà), der Tochter des Königs Alkinous, gefunden. Als der Unbekannte wieder zu Bewusstsein gelangt, hat er sein Gedächtnis verloren, weiß weder wer er ist noch woher er kam. König Alkinous stellt jedoch schnell fest, dass der Schiffbrüchige seine Kleider wie ein Edelmann zu tragen und sich bei Hofe zu benehmen weiß. Zudem scheint er kampferfahren. Nausikaa verliebt sich in den Fremden und kann ihren Vater dazu bringen einer gemeinsamen Hochzeit zuzustimmen.

     

    Gar nicht weit entfernt – auf der Insel Ithaka – erwartet die Königin Penelope (Silvana Mangano) mit ihrem inzwischen erwachsenen Sohn Telemachus (Franco Interlenghi) noch immer die Rückkehr ihres Gemahls Odysseus (Kirk Douglas) aus dem Krieg vor Troja. Dieser Krieg liegt inzwischen aber schon zehn Jahre zurück und alle anderen überlebenden Helden sind längst heimgekehrt. Odysseus schmähte bei seinem Raubzug durch Troja die Statue des Gottes Poseidon, woraufhin die Priesterin Cassandra ihn verfluchte. Doch davon weiß Penelope nichts, ist aber sicher, dass ihr Gemahl noch lebt und irgendwann heimkehrt.

     

    Doch Penelope läuft die Zeit davon. Schon seit Jahren lungern potenzielle Freier an ihrem Hof herum, die die Stelle des Königs einnehmen und Herrscher über Ithaka und Liebhaber von Penelope werden wollen. Bisher gelang es ihr, diese auf ihre Kosten feiernden Schmarotzer mit einer ist zu besänftigen. Sie webt an einem Teppich und würde erst dann einen neuen Gemahl wählen, wenn dieser Teppich fertig gestellt ist – allnächtlich trennt sie diesen aber immer wieder auf. Schließlich fliegt der Schwindel aber auf und ein neuer Freier erscheint zudem bei Hofe. Antinoos (Anthony Quinn) – Sohn des Eupeithes – erweist sich zunächst weniger unverschämt, gleichzeitig gelingt es ihm aber Penelope unter Druck zu setzen und einen Termin für ihre Entscheidung festzusetzen. Ein Wettbewerb soll entscheiden, welcher ihrer Bewerber der neue König wird. Antinoos ist sicher, dass er es sein wird, und Penelope nimmt ihm das Versprechen ab, wenigstens das Leben ihres Sohnes zu schonen, denn Telemachus droht als echtem aber noch minderjährigem Thronnachfolger Odysseus‘ nichts Gutes.

     

    Am Tag seiner Hochzeit mit Nausikaa gewinnt der unbekannte Schiffbrüchige indessen beim Anblick des tosenden Meeres indessen sein Gedächtnis zurück. Er erinnert sich an seine Irrfahrt nach seinem Abschied aus Troja, an die Begegnung mit Polyphem - dem Zyklopensohn Poseidons - an die Sirenen und die Insel der Circe (Silvana Mangano), in deren Bann er geriet und wo ihn seine Männer verließen und anschließend in einem Sturm ums Leben kamen. Mit dem Floß entkam er schließlich Circe und strandete gedächtnislos auf Drepane. Da Odysseus nun wieder um seine Identität weiß und eine Hochzeit mit Nausikaa unmöglich ist, überlässt ihm König Alkinous ein Schiff, um nach Ithaka zurückzukehren. Doch Odysseus ist sich der möglichen Gefahren einer Rückkehr bewusst und verkleidet sich bei seiner Ankunft als Bettler. Zunächst unerkannt gelangt er in seiner Verkleidung Zutritt bei Hof und gibt sich nur Sohn Telemachus zu erkennen. Gemeinsam wollen sie die unverschämten Freier bestrafen und Odysseus hofft, die Liebe seiner so lange einsam auf ihn wartenden Gemahlin zurückerlangen zu können.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Die Fahrten des Odysseus“ von Mario Camerini war eine der bis dato teuersten italienischen Farbfilm-Produktionen überhaupt. Es wurde Odysseus‘ Schiff recht historisch korrekt nachgebaut (einschließlich Stangenrudern), und es wurde an den originalen Wegstrecken des Odysseus der Homer-Saga gedreht. Carlo Ponti und Dino de Laurentiis hatten gemeinsam mit französischen und amerikanischen Geldgebern 10 Millionen Dollar investiert und Stars wie Kirk Douglas und Anthony Quinn engagiert. Insgesamt sieben Drehbuchautoren – u. a. Mario Camerini selbst und Ennio de Concini – sind gelistet und haben sich ein paar nicht unerhebliche künstlerische Freiheiten mit der Homer-Saga erlaubt. Letzteres war allerdings zu erwarten, wenn man die gesamte Odyssee in knapp 110 Minuten abhandeln wollte. Trotzdem hat man Dinge hinzugefügt anstatt nur zu streichen.

     

    Insgesamt ist „Die Fahrten des Odysseus“ spannendes Abenteuerkino mit für die damalige Zeit guten Effekten. Die Hauptrolle – gespielt von Kirk Douglas – ist mitunter eigentümlich angelegt. Zu Anfang wirkt „Die Fahrten des Odysseus“ noch etwas altbacken. In dem Filmprolog um Penelope gibt es zu Anfang noch recht schwülstige Dialoge, mit denen man den Zuschauern wohl bewusst machen wollte, dass man sich hier in einer Klassiker-Verfilmung befindet. Weggelassen wurde im Film der eigentliche Homer-Prolog um die Versöhnung der Götter nach ihrer Entzweiung durch die Belagerung um Troja, in denen die Götter im Wettstreit miteinander lagen, da jeder andere Helden oder Seiten favorisierte. Als wir dann dem schiffbrüchigen Odysseus begegnen, geht es mit den künstlerischen Freiheiten los. Odysseus hat sein Gedächtnis verloren und schon bald steht eine Hochzeit mit der Tochter des Königs an. Falsch. Bei Homer weiß Odysseus um seine Identität und berichtet am Hof von König Alkinous von seinen Abenteuern. Und von einer Liebe zwischen dem Helden und Nausikaa ist bei Homer keine Rede. Vielmehr spielen bei Homer die kulturellen Unterschiede zwischen den übrigen Griechen und dem Volk der Phäaken eine wichtige Rolle. Das Verständnis der Phäaken von Gastfreundschaft zwingt den König förmlich dazu, Odysseus später ein Schiff zur Verfügung zu stellen, selbst wenn das den Untergang ihres Volkes durch der Götter Rache bedeuten könnte.

     

    Im Film folgt dagegen zunächst eine lange Rückblende, wo - nachdem Odysseus sein Gedächtnis wiedererlangt - der Zuschauer von der vorangegangenen Odyssee des Helden erfährt. Ausgelassen werden im Film hierbei die Begegnung mit der Nymphe Calypso (bzw. wird diese irgendwie mit der Circe-Geschichte vermengt) sowie die Begegnung mit den lotosessenden Riesen des Landes Lestrigoni, welche mit langen Spießen nach Odysseus Mannschaft stechen. Ebenfalls keine Erwähnung finden die Begegnungen mit den Meeresungeheuern Skylla und Charybdis. Vorhanden sind dagegen die Abenteuer mit dem Zyklopen Polyphem, den Sirenen und Circe. Und damit zurück zu Kirk Douglas‘ Interpretation seiner Rolle. Dieser Odysseus wirkt zuweilen wie ein frühgeschichtlicher Adrenalin-Junkie, wie er wiederholt die Götter herausfordert und provoziert, offenbar im Vertrauen darauf, dass ihn sein Mut und seine Listigkeit aus jeder Situation erretten kann.  Ein weiteres Beispiel wäre sein Umgang mit der Bedrohung durch die Sirenen. Während er seinen Männern rät, sich die Ohren mit Wachs zu verstopfen und keinesfalls zu dem mit Skeletten von Seefahrern gesäumten Ufern zu blicken, lässt er sich an den Mast binden. Er will die Sirenen sehen und ihren todbringenden Gesang hören, er scheint gar nicht anders zu können als sich dieser (Adrenalin-)Herausforderung zu stellen.

     

    Bei den Szenen auf der Insel des Zyklopen Polyphem erlaubt sich das Drehbuch eine künstlerische Freiheit, die zwar sehr gut gefilmt wurde aber einfach nicht möglich ist. Man muss nur auf Weintrauben herumstampfen, damit daraus Wein wird? Äh…nein. Dazu gehört auch ein Gärungsprozess. Die Änderung besteht hier darin, dass während bei Homer der Wein, mit dem man Polyphem betrunken macht von Odysseus‘ Schiff stammte, hier im Film der Held den Zyklopen nur dazu überredet, mehr Weintrauben zu sammeln und dieser wird von den in Polyphems Höhle gefangenen Odysseus und dessen Männern selbst gestampft. Silvana Mangano hat in „Die Fahrten des Odysseus“ eine Doppelrolle, denn neben Odysseus‘ Frau Penelope spielt sie die Hexe Circe. Diese Szenen gehören neben den Ereignissen in Polyphems Höhle zu den am besten gefilmten Momenten. Und wenn man Farbgebung, Beleuchtung und Make-up dieser Circe und deren Höhlengemächern genau betrachtet, ist man am Ende auch nicht mehr überrascht, Mario Bavas Namen unter den Kameraleuten zu finden. Wirklich sehr schön aufgenommen.

     

    Mit Anthony Quinn hatte man in dieser Produktion einen zweiten Weltstar mit an Bord, doch dieser bereitet mir Kopfzerbrechen. Antinoos sollte eigentlich der unverschämteste und bösartigste Freier unter den Pöblern sein, die sich in Penelopes Palast breitgemacht haben, aber das konnte man mit Anthony Quinn wohl nicht machen. Er kommt zunächst zwar schon dreist im Sinne von sehr selbstbewusst rüber, wirkt aber doch halbwegs sympathisch und schlicht zielbewusst. Erst gegen Ende, als Odysseus in seiner Verkleidung als Bettler Antinoos begegnet, wird diese Figur recht überhastet zum falschzüngigen und zynischen Unsympathen manifestiert.

     

    Alles in Allem ist „Die Fahrten des Odysseus“ ein Fest für Liebhaber von klassischen Abenteuerfilmen, wundervoll fotografiert und musikalisch klassisch untermalt. Wer es dagegen etwas moderner – oder literarisch korrekt - mag, wird es schwer haben.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Nachdem bereits 2010 eine erste Doppel-DVD von Colosseo Film in deutscher, englischer und italienischer Sprache und mit deutschen Untertiteln mit zwei Fassungen – der längeren Italienischen und der kürzeren deutschen Kinofassung – erschien, legte Colosseo nun im Februar 2018 mit einer Blu-ray nach. Hierbei enthält die Blu-ray die Kinofassung und eine Bonus-DVD die Langfassung mit ein paar deutsch untertitelten Szenen. Die ursprüngliche deutsche Kinofassung enthielt neben ein paar wenigen Umschnitten auch Kürzungen und Zensurschnitte, etwa beim Schlusskampf. Hier sei als Beispiel genannt, wie Telemachus eine der Dienerinnen mit dem Bogen erschießt. Auf der Bonus-DVD befindet sich neben der Langfassung noch die 42-minütige Doku „Die Fantastische Reise des Odysseus“ und ein Kinotrailer. Da es sich bei „Die Fahrten des Odysseus“ um eine ältere italienische Produktion aus den 50er Jahren handelt, sind die Hauptfilme erwartungsgemäß in Vollbild. Bei den Colosseo-Veröffentlichungen handelt es sich bislang um die einzigen digitalisierten Veröffentlichungen weltweit, auf denen auch die ungekürzte Fassung zu finden ist.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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