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Extasy

Italien, 1988

  • Originaltitel: Errore fatale
  • Alternativtitel:

    Tentacion fatal (ESP)

    Fatal Temptation

  • Regisseur: Beppe Cino
  • Kamera: Franco Delli Colli
  • Musik: Daniele Cestana, Ada Saruis
  • Drehbuch: Beppe Cino
  • Inhalt:

    Paolo hat alles was ein italienischer Mann braucht: Ein eigenes Hotel, eine schöne Frau, einen Ferrari, eine Geliebte. Bis zu dem Tag, an dem er auf dem Weg zum Schäferstündchen einen Unfall baut und fortan blind ist. Was ihn im Übrigen nicht daran hindert, sein Verhältnis zu der gutaussehenden Rothaarigen weiterzuführen. Seine Frau Silvia, die mittlerweile von dem Rumgehure ihres Mannes weiß, bändelt mit dem jungen Alessio an, und stellt ihn auch gleich als Chauffeur ein. Was wiederum Paolo heftig nervt. Und dann ist da noch die niedliche Cosetta, mit der Alessio so nebenher was laufen hat, und die auch im Hotel von Paolo (Jetzt: Silvias Hotel) arbeitet. Also eine Ménage à quatre, wenn man so will. Und das sind eindeutig zu viele – Einige davon müssen weg, wenn es sein muss auch mit Gewalt …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    EXTASY hat alles was ein italienischer Film braucht: Schöne Locations (gedreht wurde an der Küste der Provinz Marken, zwischen Ancona und Pescara), sinnlich-aufregende Frauen, eine nicht uninteressante Handlung, die (man könnte sagen: unentschlossen) zwischen Drama, Softsex und Thriller pendelt, eine zeigefreudige Hauptdarstellerin und einen Meister des Bildes an der Kamera. Trotzdem, so ganz zieht es nicht.

     

    Ich habe das Geheimnis ja schon verraten, das Zauberwort heißt unentschlossen. Lange Zeit passiert sehr wenig, außer dass eben jeder bzw. jede durch die Gegend vögelt und sich ärgert, dass der jeweilige Partner das gleiche macht. Das wiederum ist zwar sehr nett in Szene gesetzt, aber vielleicht etwas zu selten um wirklich als Softsexer durchzugehen, und zu unaufregend um als Erotik-Thriller zu laufen. Loredana Romito ist eine schöne Frau mit einem geheimnisvollen Gesicht, das manchmal fast ein wenig an Isabelle Adjani erinnert, und ihr Körperbau ist, gelinde gesagt, sehr sexy. Ehrlich gesagt hätte ich da gerne mehr gesehen. Viel mehr …

     

    Der gebürtige Ire John Armstead als Ehemann Paolo wiederum erinnert mich etwas an Rutger Hauer, mit seiner dunklen und Unheil ausstrahlenden Art. Er ist mehr oder weniger für den Krimi-Anteil zuständig, aber leider wirkt er oft etwas steif. Und auch hier hätte ich gerne etwas mehr gesehen (Hitchcocks VERDACHT anyone? Ja ja, Beppe Cino ist kein Hitchcock, aber das Kopieren desselben hätte sicher gut getan …). Die stylisch wirkenden Hafenszenen mit der verrucht aussehenden Cosetta (was übrigens auf Deutsch Kleinigkeit bedeutet, und mehr stellt sie vor allem für Alessio ja auch nicht dar) sind gut und viel zu kurz, und erst der Schlusstwist sorgt dann doch für eine Überraschung: So ein Ende hatte ich tatsächlich nicht erwartet.

     

    Und zu guter Letzt haben wir das Drama hinter der Geschichte, dass nämlich ein Haufen Menschen auf der Suche nach Liebe sind, diese dabei mit Sex verwechseln, und sich gegenseitig das Leben schwer machen. Um solche Dinge überzeugend und vor allem spannend zu zeigen muss man etwas Übung haben, oder zumindest Franzose sein. Was hätten Regisseure wie Claude Sautet oder auch Claude Chabrol aus diesem Stoff gemacht. Ich gebe aber zu, dass bei diesen der Nackt-Anteil enttäuschend geringer ausgefallen wäre, sehr zum Nachteil aller Loredana Romito-Fans. Aber irgendwie, man ahnt es bereits, hätte ich von diesem Part gerne etwas mehr oder etwas weniger gesehen, je nach dem …

     

    Mehr gesehen hätte ich auf jeden Fall gerne von den wunderbaren Bildern von Franco Delli Colli, der ja nun zu den Altmeistern seines Faches zählt (DIE NACHT DER BLANKEN MESSER, MACABRO, DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER, und und und …). Eine unglaubliche schöne Szene ist im letzten Drittel des Films zu finden, wenn Cosetta aus ihrer Lichtwelt in die Schattenwelt Alessios geht – Sie, umgleißt von Sonnenstrahlen, eindringend in einen dunklen Park voller Nebel und Geheimnisse, in dem Alessio auf sie wartet. Solche Momente, und auch die herrlichen Landschaftsaufnahmen der Marken, bauen viel Stimmung auf und sorgen für ein entspanntes Flair. Ein paar Mal musste ich bei den Bildern sogar an Dino Risis unglaublich schönen DIE ZWEI GESICHTER EINER FRAU denken, mit Romy Schneider und Marcello Mastroianni, und siehe da: Der Kameramann hieß Tonino delli Colli. Die beiden sind Cousins, und Franco wurde von seinem Verwandten natürlich ganz klar beeinflusst.

     

    Was fehlt noch? Ah ja, die “Musik“. Leider handelt es sich um ausgesprochen typische 80er-Jahre-Mucke der Richtung Softsex, also langgezogene Gitarrentöne, ein verträumtes Saxophon, und ein gelangweilter Schlagzeugcomputer im Hintergrund. Nichts was man in Erinnerung behalten müsste …

     

    Bleibt als Resümee ein Drama mit Softsex-Einlagen und ganz leichtem Krimi-Touch, das vor allem von seinen Schauspielern und den tollen Bildern lebt. Na ja, die 80er-Jahre waren in der italienischem Filmindustrie halt auch nicht die einfachsten welchen, und für die damaligen schweren Zeiten ist EXTASY auf jeden Fall mal noch ordentlich geworden. Da sind andere 80er-Schoten, die mehr auf Sex und/oder Crime setzen, deutlich schlechter geraten. Wenngleich auch oft etwas nackter …

  • Autor: Maulwurf
  • Links

    OFDb
    IMDb

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