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Die Eroberung von Mykene

Frankreich | Italien, 1963

  • Originaltitel: Ercole contro Moloch
  • Alternativtitel:

    Hercule contre Moloch (FRA)

    Hercules Attacks (GBR)

    La conquista de Micenas (MEX)

    Hércules e o Monstro (POR)

    Conquest of Mycene (USA)

    Hercules Against Moloch (USA)

    Hercules vs. the Molloch

    Der Moloch

  • Deutsche Erstaufführung: 15. Januar 1965
  • Regisseur: Giorgio Ferroni
  • Kamera: Augusto Tiezzi
  • Musik: Carlo Rustichelli
  • Drehbuch: Remigio Del Grosso, Arrigo Equini, Giorgio Ferroni
  • Inhalt:

    Das Königreich Mykene hat die Vorherrschaft über Griechenland übernommen. Alle umliegenden Fürstentümer wurden unterworfen und werden nun unterdrückt und ausgepresst. Die skrupellose Königen Demeter herrscht gemeinsam mit ihrem als Gott verehrten Sohn Moloch über das Reich. Einzig die Stadt Tyrint versucht sich dem Einfluss Mykenes zu entziehen und Verbündete für einen Kampf zu gewinnen. Als Demeter die Stadt Ogira, Tyrints einzigen Verbündeten, dem Erdboden gleich macht und die komplette Bevölkerung auslöscht scheint auch das Schicksal von Tyrint besiegelt zu sein. Doch dann kehrt Glaucus, der Sohn des Königs von Tyrint, nach Hause zurück und schwört der Tyrannei ein Ende zu bereiten.

  • Autor: nerofranco
  • Review:

    Giorgio Ferroni zählt vielleicht nicht unbedingt zu den innovativsten Regisseuren Italiens aber sicherlich zu einem der fähigsten Genreregisseure. Egal in welchem Genre er auch tätig war, auf Ferroni konnte man sich eigentlich immer verlassen. Dazu zählen auch vier Western, drei davon mit Giuliano Gemma in der Hauptrolle, die auf den ersten Blick zwar ein wenig altbacken daherkommen, bei genauerer Betrachtung aber hervorragend inszenierte und ungemein unterhaltsame sowie spannende Werke sind. Wie viele andere seiner Zunft wandte er sich Anfang der 60’er Jahre dem erfolgreichen Peplum zu und inszenierte so bis 1964 insgesamt sechs Filme über mythologische Geschichten und übermenschliche Helden bis er sich ab 1965 für einige Jahre dem Western verschrieb. Unter diesen sechs Genrewerken befindet sich auch der um 2000 v.Chr. angesiedelte "Ercole contro Moloch" (Der Moloch - Die Eroberung von Mykene), in der der sagenumwobene Halbgott Herkules, unter dem Pseudonym Glaucus, der tyrannischen Königin Demeter und ihrem skrupellosen Gefolge Hades zum Fraß vorwirft.

     

    "Ich hasse die Menschen. Ich hasse jeden, dessen Gesicht anders ist als meines. Meine eigene Mutter hat es unter dieser Maske verborgen weil sie sich meiner schämt. Mein einziger Wunsch ist es, dass die ganze Menschheit so hässlich und verunstaltet herumläuft wie ich."
    (Moloch)

     

    Den unmenschlich starken Glaucus spielt der Amerikaner Gordon Scott, der mit Ferroni bereits in "Il colosso di Roma" (Der Titan mit der eisernen Faust) zusammenarbeitete. Der Bodybilder Scott begann seine Schauspielkarriere als lianenschwingender Held Tarzan, den er insgesamt sechs Mal verkörperte. Ab Anfang der 60’er sprang auch Scott auf die so erfolgreiche Peplum-Welle in Italien auf, mit der bereits einige seiner Landsmänner wie Steve Reeves, Gordon Mitchell oder Richard Harrison Erfolg hatten. Scott spielte Muskelprotze wie Herkules, Maciste, Goliath und sogar Julius Cäsar. Nach dem Abebben des Peblumbooms versuchte sich Gordon Scott auch in anderen Genres und war so mehrmals als Agent zu bewundern sowie in Western wie Mario Costas "Buffalo Bill, l'eroe del far west", in dem er den berühmten Buffalo Bill höchstpersönlich verkörpert. In "Ercole contro Moloch" versucht Scott nun als Glaucus Griechenland von der brutalen Herrschaft der Demeter und deren Sohn Moloch zu befreien. Dafür schleicht er sich als Geisel, unter dem Namen Herkules, in Mykene ein und gewinnt schnell das Vertrauen der Königin. Dabei verweigert er den Knicks vor Demeter um einen Kampf mit dem brutalen Sklaventreiber Archepolos zu provozieren, den er natürlich gewinnt und so zu einem der Leibwächter der Königin aufsteigt. Dabei schmiert er ihr ziemlich viel Honig ums hübsche Mäulchen um nicht nur ihr Vertrauen zu gewinnen (Demeter: (…) "Dort stehen Wein und Früchte. Greif zu." – Glaucus: "Danke, aber wenn ich an deine Lippen denke können mich die köstlichen Früchte Griechenlands nicht locken. Was ist der feurigste Wein gegen die Wärme deiner Stimme").

     

    Die schöne mykenische Königin Demeter wird dargestellt von der wundervollen Rosalba Neri, die alles unternimmt um ihre Macht in Mykene zu sichern. Dabei steht ihr ihre ebenso bezaubernde, und vom Volk geliebte, Stieftochter Medea im Weg. Demeter zur Seite steht der von Arturo Dominici gespielte General Penthius, der in Medea verliebt ist und sie unbedingt heiraten möchte, die diese Option verständlicherweise ablehnt. Demeters Sohn Moloch verbringt sein erbärmliches Leben in den Höhlen unterhalb der Stadt, wird aber immerhin vom Volk als Gott verehrt. Seine Mutter veranstaltet auch Spiele zu seinen Ehren und lässt ihm regelmäßig schöne Mädchen bringen, mit denen er seine perversen Spielchen spielen kann ("Jetzt ist es aus mit deiner Schönheit, die mein Auge beleidigt hat"). Mit Euneos hat Glaucus auch einen Verbündeten in Mykene, der den dortigen Widerstand organisiert. Gespielt wird Euneos vom Franzosen Michel Lemoine, der sich in den 70’ern und 80’ern auch als Regisseur von leichteren Filmchen, wie etwa "Les Petites saintes y touchent" (Die Scheinheiligen), einen Namen machte.

     

    In Nebenrollen gibt es noch einige bekannte Gesichter zu entdecken. So spielt Nello Pazzafini den Obersklaventreiber und Gladiatorenausbilder Archepolos, der sich mit Glaucus alias Herkules gleich zu Beginn einen mächtigen Feind macht. Beim Fest zu Ehren von Moloch liefern sich die beiden zudem einen sehenswerten Zweikampf, bei dem nicht nur Glaucus Leben auf dem Spiel steht. Zu Archepolos Ausbildern zählen unter anderem Roberto Messina und Fortunato Arena, der gefühlt auch in jedem italienischen Genrefilm mit von der Partie ist. Unter den Tyrinter Geiseln, die später zu Molochs Ehren als Gladiatoren auftreten müssen, kann man einen kurzen Blick auf Goffredo Scarciofolo, alias Jeff Cameron, erhaschen, der später vor allem als Hauptdarsteller in einigen Western von Demofilo Fidani Bekanntheit erlangte (zb. "…e vennero in quattro per uccidere Sartana!").

     

    Ferronis Inszenierung ist wirklich ganz ausgezeichnet und überzeugt vor allem bei den horrorfilmartigen Höhlenszenen. Hier zeigt sich ganz deutlich, dass Ferroni ein gutes Gespür für das Inszenieren von schaurig-schönen Momenten hat. Streckenweise ist der Film auch ziemlich brutal. So etwa die Szenen in der Höhle als der maskierte Moloch seine kranken Spiele mit den hübschen Mädels spielt oder der Angriff der Mykener auf die Stadt Ogira, dem sämtliche Einwohner zum Opfer fallen. Trotz vieler Dialoge wird an Action nicht gespart, so bekommt man Prügeleien, Zweikämpfe, Massenschlachten, Aufstände uvm. zu bestaunen. Ganz hervorragend ausgefallen ist Carlo Rustichellis teils epochaler Soundtrack, dem es gelingt die Geschehnisse perfekt zu untermalen. Rustichelli gelingt es hier glänzend für richtig Stimmung zu sorgen. Als Regieassistent fungierte Giancarlo Romitelli, der später mit zwei Western ("L'oro dei bravados" und "Lo chiamavano King") bekannt wurde, die er in Realität allerdings gar nicht gedreht hat wie sich später herausstellte.

     

    Ferroni war mit seinem Film an den italienischen Kinokassen auch einigermaßen erfolgreich. So spielte dieser Herkules-Streifen immerhin 255 000 000 Lire (1) ein, was sich durchaus sehen lassen kann. Leider ist die DVD von Starmedia/VZM qualitativ nicht gerade gut ausgefallen, da kommt hoffentlich einmal etwas Besseres. Gekürzt dürfte er zudem noch sein. Die Laufzeitangaben schwanken von 90 (Dizionario del cinema italiano) bis 102 Minuten (imdb.com). Die DVD läuft aber gerade einmal knapp 80 Minuten, wobei an manchen Stellen die Kürzungen klar ersichtlich sind.

     

    Mit "Ercole contro Moloch" hat Giorgio Ferroni einen ganz hervorragenden Peplum hingezaubert, der zu den besten gehört was ich bisher in dem Genre gesehen habe. Überzeugen kann der Film vor allem durch seine mythologischen und schaurigen Elemente und durch eine auch ansonsten durch und durch soliden Inszenierung. Darüber hinaus kann Ferronis Film mit einer tollen Besetzung aufwarten mit einer wunderschönen Rosalba Neri als Sahnehäubchen oben drauf. Wer eine kleine Schwäche für Peplums hat sollte sich "Ercole contro Moloch" auf keinen Fall entgehen lassen, viel besser kann man in diesem Genre nicht unterhalten werden. Auch für Neueinsteiger eignet sich dieser Film bestens. Allerdings wäre eine gute und ungeschnittene Veröffentlichung ein Traum, die hätte sich dieser Film mehr als verdient.

     

    (1) http://www.intemporel.com/ercole-contro-moloch,R12908,fr.html
    (2) Poppi, Roberto, Pecorari, Mario: Dizionario del cinema italiano. I film vol. 3 dal 1969 al 1969. Roma. Gremese. 1992 S.196

  • Autor: nerofranco
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