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Savage Guns

Italien, 1971

  • Originaltitel: Era Sam Wallash... lo chiamavano 'Così Sia'
  • Alternativtitel:

    Sam Wallash! ...On l'appalle Ainsi Soit-il (FRA)

    Sam Wallash (SWE)

    His Name Was Sam Walbash, But They Call Him Amen (USA)

    Savage Guns (USA)

  • Regisseur: Demofilo Fidani
  • Kamera: Franco Villa
  • Musik: Coriolano Gori
  • Drehbuch: Demofilo Fidani, Mila Vitelli Valenza
  • Inhalt:

    "There was a man in the Wild West
    and his name was Così Sia
    oh, what a terrible man was Così Sia.

    On the Rocky Mountains to the windy hills of the people knew, Così Sia
    when he was on the top of his horse nothing it could reach, Così Sia
    oh, what a terrible man was Così Sia."


    Der berühmt berüchtigte Mash Flannigan hat mit einem armen Wirt noch ein Hühnchen zu rupfen, da der ihn mächtig über den Tisch gezogen hat. Als Rache schießt er ihn mitsamt seinen anwesenden Gästen einfach über den Haufen und steckt ihm seinen schäbigen Saloon an. Unter den Opfern befinden sich auch Sam Wallash und sein Bruder Tommy. Während Tommy bei dem brutalen Überfall ums Leben kommt kann sich Sam schwer verletzt aus der Flammenhölle befreien. Blind vor Wut begibt er sich auf einen unerbittlichen Rachefeldzug und kommt dabei auch noch einem schrecklichen Geheimnis aus der Vergangenheit auf die Spur.

  • Autor: nerofranco
  • Review:

    Wenn der Name Demofilo Fidani fällt fährt vielen Genreliebhabern ein kalter Schauer über den Rücken aber einige wenige, so wie meinereiner, bekommen funkelnde Augen vor Freude. Das Fidani einen Haufen schlecht gemachter, billiger Filmchen gedreht hat wird wohl kaum jemand bestreiten allerdings herrscht nicht gerade Einigkeit über den Unterhaltungswert seiner Werke. Für die einen handelt es sich um äußerst unterhaltsamen Trash für die anderen um reinen billigen Schund. Begonnen hat Fidani seine Regiekarriere mit dem Revolutionsdrama Prega Dio... e scavati la fossa, welches zwar Edoardo Mulargia zugeschrieben wird aber das Fidani laut eigener Aussage selbst inszeniert hat. Wer den Film nun tatsächlich gedreht hat ist bis heute umstritten. Sein erster offiziell ihm zugeschriebener Western ist der ruppige und wortkarge Straniero... fatti il segno della croce! (Bekreuzige dich, Fremder), in dem sich Kopfgeldjäger Charles Southwood mit Juniorchef Jeff Cameron einen packenden Kampf liefert. Auf diese beiden Filme sollten noch 12 weitere Western folgen von denen meines Erachtens …e vennero in quattro per uccidere Sartana! (Sie kamen zu viert um zu töten) der Stärkste und Il suo nome era Pot (Sein Name war Pot, aber sie nannten ihn Halleluja), der eine unausgegorene Mischung aus hartem und komödiantischen Western darstellt, wohl der am wenigsten unterhaltsamste Film ist.

     

    Era Sam Wallash... lo chiamavano 'Così Sia' entstand nun so etwa in der Mitte von Fidanis Filmschaffen, er war sozusagen am Höhepunkt seines Könnens angelangt. Leider wurden seine Western mit der Zeit nicht wirklich besser sondern noch billiger und büßten leider auch stark an Qualität ein. Eine löbliche Ausnahme bildet hier der knüppelharte und völlig abgedrehte Era Sam Wallash... lo chiamavano 'Così Sia', der genauso ultra-low budget wie ungeheuer unterhaltsam ist. Die Geschichte, die sich Fidani und sein Herzblatt Mila Vitelli Valenza aus den Fingern gesaugt haben, ist eine wie sie häufig im Genre vorkommt, eine Rachestory par excellence. Außerdem dürfte das Drehbuch schätzungsweise nicht allzu viele Seiten gehabt haben. Diese Vermutung kann man allerdings bei so manchem Genreexemplar anstellen, wenn man sich manche Western aus der Zeit so ansieht. Aber nun zur Story, die recht schnell erzählt ist. Bei einem brutalen Überfall von Mash Flannigan auf einen kleinen Saloon kommt unter anderem Tommy, der Bruder von Sam Wallash ums Leben. Sam kann sich nur mit letzter Kraft aus dem in Brand gesetzten Saloon retten. Schwer verletzt schleppt er sich zu einer Farm in der Gegend und lässt sich dort gesund pflegen. Randvoll gefüllt mit Hass und Verbitterung macht er sich nun auf die Suche nach den niederträchtigen Schweinen, die seinen Bruder auf dem Gewissen haben. Darüber hinaus kommt Sam auch noch einem schrecklichen Geheimnis aus seiner Kindheit auf die Spur, das sein Leben von Grund auf verändert hat.

     

    Der Hauptcharakter Sam Wallash (aus dem in manchen Sprachen wahlweise auch Walbash oder Wallach gemacht wurde) wird verkörpert durch Robert Woods, der hier eine seiner besten Auftritte im Genre verbuchen konnte. Seine Rolle ist ähnlich angelegt wie jene in Gianfranco Baldanellos staubtrockenem und äußerst gelungenem Black Jack (Auf die Knie, Django). Während Woods in Black Jack seine Schwester verliert, die zu allem Überfluss von Indio Mimmo Palmara auch noch skalpiert wird, wird hier sein Bruder vor seinen Augen ermordet. Dies, und ein wieder aufsteigendes schreckliches Erlebnis aus der Kindheit, lassen aus dem verbitterten Sam Wallash einen psychopathischen Rächer werden, der unerbittlich alles niedermäht was ihm im Weg steht. Seinen ersten heftigen Auszucker hat der arme Sam in einer kleinen Bar irgendwo im nirgendwo. Als dort die Eingangstür ununterbrochen auf und zu schlägt dreht er völlig am Rad ("No, no, stop. I can’t stand it"). Als ihn darauf ein paar herumstehende Typen aufs heftigste auslachen schießt er sie wie im Wahn einfach über den Haufen. Ein absolut kaltblütiger Mord. Die Rückblende, in der später aufgeklärt wird warum Sam so stark auf knallende Türen reagiert, ist optisch recht gut gelungen und erinnert an eine ähnliche Szene aus Fidanis Gangsterfilm Sedia elettrica aus dem Jahre 1968. Außerdem ist es unglaublich wie die Gangster hier aus allen Rohren feuern, die haben mindestens 20 Schuss in ihren 6-Schüssern.

     

    Der asoziale Oberfiesling Mash Flannigan wird dargestellt von den für Schurkenrollen prädestinierten Dino Strano, der hier mit seinem Schnauzer und 70’er Matte eine außerordentliche gute Figur macht. Zu seinen Untermenschen gehören unter anderem die Fidani-Stammdarsteller Benito Pacifco als Hernandez und Amerigo Castrighella als Burt sowie Enzo Pulcrano als Sturges. Castrighellas Burt ist ein grenzdebiler Bulle, der zumindest eine tolle Szene hat. Als er nach einer Prügelei schwer gezeichnet wieder auf die Beine kommt und aus dem Saloon gehen möchte sagt Hernandez so ungefähr zu ihm "Look, the door is at the way" worauf Burt torkelnd und vor sich hinleiernd antwortet: "Oh, yeah, I know, the door, is closed, ähh". Einfach zum Brüllen komisch. Pulcrano hat auch eine witzige Szene als er einem Wirt, dessen Suppe ihm nicht schmeckt, den Teller voll über die Rübe zieht. Fidanis Tochter Simonetta Vitelli ist zwar wieder einmal nur schmückendes Beiwerk sieht hier aber mal richtig scharf aus und Mann hat die Beine, lechz. In einer kleinen Nebenrolle kann man auch noch Marina Malfatti bewundern, die sich ein wenig in den wortkargen Sam verguckt. Pietro Fumelli hat auch noch eine unheimliche Szene als er sich in einem ansonsten vollkommen verlassenem Nest den gerade ankommenden Sam von hinten nähert, ihm auf die Schuler greift und sich mit den Worten My name is Kasper, what’s yours? vorstellt. Richtig gruselig wenn man sich vorstellt dass das einem selber passiert.

     

    Storytechnisch gibt der Film also nicht allzu viel her ist dafür aber randvoll gefüllt mit großartigen, skurrilen und herrlich komischen Szenen. Fidani versuchte, absichtlich oder unabsichtlich, eine gespenstische und surreale Atmosphäre zu erzeugen was bereits im Vorspann wunderbar funktioniert. Durch den Einsatz der Zeitlupe und unterlegt von der düsteren Komposition von Lallo Gori gelingt es Fidani im Vorspann Mash Flannigan und seine Schergen wie Gespenster durch die Gesteinswüste reiten zu lassen. Da die ersten paar Sekunden und am Ende der Szene Dunkelheit herrscht gehe ich mal davon aus, dass normalerweise auch der Rest Dunkel sein müsste. Es handelt sich wohl entweder um eine fehlerhafte Fassung oder Fidani hat selbst ein wenig geschludert, wäre wohl nicht weiter verwunderlich. Goris Soundtrack gehört sowieso zu den absoluten Höhepunkten des Films, für mich sogar die beste Arbeit, die ich bisher von ihm gehört habe. Die CD ist absolut empfehlenswert. Es gibt noch eine weitere unglaubliche Zeitlupenszene und zwar als Hernandez und Co. in einer Bar ein paar Typen verkloppen. Diese Schlägerei wird in Zeitlupe abgespielt während an der Bar ein hässlicher alter Kerl steht, der sich vor Lachen nicht mehr einkriegen kann. Die dabei entstehende Stimmung ist wirklich unheimlich. Die unglaublichste, wundervollste und wohl auch bekannteste Szene des Film ist jene als Flannigan drei uns allen bekannte Killer vorgestellt werden. Gordon Mitchell, Peter Martell und Lincoln Tate werden doch tatsächlich mit ihren richtigen Namen (oder besser Künstlernamen) vorgestellt, inklusive ihrer Spezialitäten und Tötungsvita, verschwinden danach und tauchen nie wieder auf, einfach unglaublich ("This is Peter Martell, the fastest gun in the west (…). Gordon Mitchell, born to kill (…). Lincoln Tate, he began playing with knives when he was four..."). Genie und Wahnsinn liegen manchmal dicht beieinander. 


    Desweiteren gibt es noch eine herrlich schräge, von einer netten Lady mit merkwürdigem Akzent vorgetragene, Gesangseinlage bei der die anwesenden Männer fast ausflippen vor Freude. Was auch nicht verwundert, gibt es im fidanischen Universum doch nie mehr wie zwei, drei Frauen. Zwei Kraftprotze liefern sich noch einen Boxkampf der Sonderlative wobei der Gewinner einen großen Fehler macht, denn er hätte doch eigentlich verlieren sollen. Zuvor gibt’s allerdings noch eine witzige Anspielung auf einen anderen Fidani-Film und zwar auf …e vennero in quattro per uccidere Sartana! (Sie kamen zu viert um zu töten). In dem Film spielt Pietro Torrisi den Preisboxer John L. Sullivan, einen der vier Killer, die auf Sartana angesetzt werden. Sullivan gilt als der beste Boxer der Welt zumindest der eigenen Ansicht nach ("Listen to me. I’m John L. Sullivan, the world’s most powerful boxer. No one has ever beaten me"). Nach seinem erfolgreichen Sieg gegen den von Donovan gesponserten Willy Tiger sieht sich der siegreiche Boxer als stark genug um gegen Sullivan anzutreten ("I think I could beat John L. Sullivan"). Tja, aber keine fünf Sekunden später tauchen Castrighella und Pacifico auf und blasen ihm und seinen Manager die Rübe weg. Die Botschaft: keiner legt sich mit Donovan/Flannigan an und wenn kommt ihm das teuer zu stehen.

     

    Era Sam Wallash... lo chiamavano 'Così Sia' ist natürlich ein verdammt billiges und mit Sicherheit schnell heruntergekurbeltes Filmchen, bei dem Regisseur Demofilo Fidani aber seinen absoluten Höhepunkt erreicht was das Inszenieren von trashigen Szenen anbelangt. Die Geschichte spielt in einer völlig verkommenn Welt, in der die Menschen entweder dem schnöden Mammon nachjagen oder vor sich hinvegetieren. Und mal ehrlich was kann man schon anderes machen in einer Welt, in der Frauen Mangelware sind, also ich wüsste nichts. Aussehen tun hier auch alle wie ausrangierte Hippies mit langen Matten, Koteletten und miesen Klamotten, vor allem Flannigan und seine Leute. Gedreht wurde die ganze Sause konsequenterweise wo? Natürlich in Mitchells Cave-Studios, die hier eine mehr als passende, heruntergekommene Kulisse bieten. Die mir vorliegende Fassung stammt von der Mill Creek DVD, die jedoch absolut vergessenswert ist. Eine schlechtere DVD ist mir bis jetzt noch nicht untergekommen. Teilweise kann man nicht einmal bei den Tagesszenen etwas erkennen von den Nachtszenen ganz zu schweigen, denn da blieb das meiste im Verborgenen. Eine gute DVD wäre hier wirklich mal wünschenswert. Erschienen ist der Film in Amerika unter anderem in einer DVD-Serie namens The Great American Western. Tja, da werden einige Amis wohl mit offenem Mund vor dem Fernseher gesessen sein.



    Demofilo Fidani ist mit seinem Era Sam Wallash... lo chiamavano 'Così Sia' ein Höhepunkt des Trashwestern gelungen, der unheimlich viel Spaß macht. Nach dem hervorragenden …e vennero in quattro per uccidere Sartana! mit Sicherheit der beste Western von Fidani, der hier sein ganzen Können ausspielt. Neben einer Vielzahl von wunderbar skurrilen Szenen, einer annehmbaren Darstellerriege inklusive einem aufdrehenden Robert Woods und einem großartigen Score punktet der Film vor allem durch die unheimliche, surreale Atmosphäre angesiedelt in einer vollkommen verkommenen und kaputten Welt, in der scheinbar nur Abschaum herumschwirrt. Era Sam Wallash... lo chiamavano 'Così Sia' ist für Trashfans ein absoluter Hochgenuss und auch Fidani-Skeptiker können ruhig einen Blick riskieren, denn der Streifen ist ungeheuer unterhaltsam und herrlich komisch. Um zu einem Ende zu kommen: Hier wird uns eine wunderbar schräge und trashige Sause geboten. Amen.

  • Autor: nerofranco
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