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Endstation Schafott

Frankreich | Italien, 1973

  • Originaltitel: Deux hommes dans la ville
  • Alternativtitel:

    Dois Homens Contra uma Cidade (BRA)

    Dos hombres en la ciudad (ESP)

    Due contro la città (ITA)

    Dois Homens na Cidade (POR)

    Two Men in Town (USA)

    Two Against the Law (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 07. März 1974
  • Regisseur: José Giovanni
  • Kamera: Jean-Jacques Tarbès
  • Musik: Philippe Sarde
  • Drehbuch: José Giovanni, Gianfranco Clerici
  • Inhalt:

    Nach 10 Jahren im Knast wird der Bankräuber Gino Strabliggi (Alain Delon) vorzeitig entlassen. Draußen warten auf ihn seine treue und aufrichtig liebende Frau (Ilaria Occhini), sein Sozialarbeiter Cazeneuve (Jean Gabin), eine regelmäßige Arbeit, und die Aussicht darauf, nie wieder hinter Gitter zu müssen. Strabliggi genießt sein Leben und will nichts mehr mit den Kumpeln von früher zu tun haben. Das Leben könnte so schön sein, wenn es da nicht den bösen Nachbarn in Gestalt des Inspektors Goitreau gäbe (Michel Bouquet). Dieser ist ganz der reaktionäre Eisenbulle und steht auf dem Standpunkt „Einmal Verbrecher immer Verbrecher“. Also stellt er Strabliggi nach und drangsaliert und quält ihn, weil er beweisen will dass dieser ein Wolf im Schafspelz ist und in Wirklichkeit einen neuen Coup plant. Und obwohl, oder vielleicht auch gerade weil alle Welt auf Goitreau einredet Strabliggi in Ruhe zu lassen, wird er immer gemeiner und rücksichtsloser. Bis es zur Katastrophe kommt …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Alain Delon, der deutsche Titel, das Entstehungsjahr – ich hatte mich auf einen angenehmen und spannenden Krimiabend gefreut. Was mich dann vollkommen unvorbereitet erwischt hat ist ein dermaßen bitteres und abgründiges Drama, wie ich es selten gesehen habe. Ich war mehrmals kurz vor den Tränen, und obwohl der Handlungsverlauf vollkommen vorhersehbar ist und man von vornherein genau weiß was passieren wird, sind die Spannung, die Dramatik und die Dichte unglaublich. Nach etwa einer Stunde habe ich sehr ernsthaft darüber nachgedacht abzuschalten, weil ich die weitere Entwicklung einfach nicht mehr sehen WOLLTE, nicht wissen wollte was noch passiert, um den Film dann zu beenden wenn er noch halbwegs erträglich ist. Sehenden Auges steuert der Film auf ein schreckliches Ende zu, und wie Schlafwandler können die Charaktere nicht aus ihrer Haut und werden mitgerissen in einen Mahlstrom aus Vorurteilen und Hass. Kennt ihr das, wenn ihr vor dem Fernseher sitzt und den Personen zurufen möchtet “Nein, tu das nicht! Das geht nicht gut aus!“? Genau so ein Film ist das …

     

    Diese Dichte und Spannung sind zu einem großen Teil den Schauspielern zu verdanken. Wer glaubt, dass Alain Delon ein hervorragender Darsteller ist, der wird hier belehrt dass er gigantisch gut ist. Nicht das in dieser Zeit häufige Minimalspiel ist zu sehen, stattdessen zeigt er die gesamte Breite seines Könnens und die große Palette menschlicher Gefühle: Von frischer Liebe bis zu abgrundtiefem Hass, von grenzenlosem Optimismus bis zur tiefsten Verzweiflung. Vor allem die letzten 10 Minuten gehen gewaltig unter die Haut. Auch die Nebenrollen sind exzellent besetzt: Guido Alberti als väterlicher Chef, Cécile Vassort als heimlich verliebte Tochter von Cazeneuve, ein blutjunger Gérard Depardieu als Nachwuchsgangster, dessen Idol gerade in Scherben fällt. Einzig Jean Gabin minimiert sein Spiel so sehr, dass er etwas unlustig wirkt. Erst bei der Gerichtsverhandlung zeigt er ein wenig seines Könnens, um dann fast sofort wieder ins Wachkoma zu fallen. Letzten Endes verlässt Gabin sich da einfach auf seine Ausstrahlung … und Recht hat er.

     

    Und dann ist da noch Michel Bouquet als misstrauischer Inspektor Goitreau, der eigentliche “Star“ des Films. In Anführungszeichen deswegen, weil Bouquet selber von seiner Ausstrahlung her schon mal kein allzu sympathischer Darsteller ist, und hier gibt er der Gemeinheit und dem kleinbürgerlichen Hass Zucker und strotz gerade zu vor Bosheit. Ein böser Mann, der es nicht mit ansehen kann wenn Menschen einen anderen Lebensentwurf haben als er, und der dies dann versucht mit allen Mitteln zu sabotieren. Eine ausgesprochen intensive Darstellung von Michel Bouquet – Äußerst unangenehm, aber hochgradig nachdrücklich.

     

    Doch ist ENDSTATION SCHAFOTT kein düsteres Bulle/Gangster-Drama, im Gegenteil. Der Zuschauer gönnt Strabliggi sein Glück von ganzem Herzen, und die Grundstimmung des Filmes ist entsprechend positiv - zumindest bis zum Auftritt Michel Bouquets. Regisseur José Giovanni spielt gekonnt auf der Klaviatur der Gefühle, und lässt den Zuschauer nach Belieben lachen und weinen. Vor allem letzteres. Dementsprechend ist der Film sicher keine leichte Kost, aber in hohem Maße und unbedingt sehenswert! Kein schöner Film, aber einer der lange in Erinnerung bleibt.

  • Autor: Maulwurf
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