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Endgame - Das letzte Spiel mit dem Tod

Italien, 1983

  • Originaltitel: Endgame - Bronx lotta finale
  • Alternativtitel:

    Duelos Mortais (BRA)

    Bronx, Lucha final (ESP)

    Le gladiateur du futur (FRA)

    Confronto Final (POR)

    Endgame

  • Deutsche Erstaufführung: 06. April 1984
  • Regisseur: Joe D'Amato
  • Kamera: Joe D'Amato
  • Musik: Carlo Maria Cordio
  • Drehbuch: Joe D'Amato, Aldo Florio
  • Inhalt:

    Der Atomkrieg hat seine Spuren hinterlassen. Einige der Überlebenden traf es besonders hart, da ihr Genom geschädigt wurde. Diese neue Spezies, die Mutanten, wird von der „alten Herrenrasse“ erbarmungslos gejagt. Doch um das Volk bei Laune zu halten inszeniert die Führungsschicht ein Spiel namens „Manhunt“ (Killen für Kohle, live im TV). Dessen Abosieger, Ron Shannon, bekommt während einem seiner Fights von einer mysteriösen Frau, Lilith, das Angebot, sie und ihre Leute aus der Stadt zu schaffen. Wenn Shannon erfolgreich sein sollte, dann winken ihm 50 Kilo Gold, aber auch jede Menge Ärger.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Nach Abschluss seiner „Dom Rep-Hexalogie“ widmete sich Joe D'Amato weniger fickwütigen, aber nicht minder marginalisierten Subgenres wie dem Barbaren- und dem Endzeitfilm. Infolgedessen entstanden „2020 - Texas Gladiators“ und „Endgame - Das letzte Spiel mit dem Tod“. Filme, die das Genre nicht im Entferntesten neu erfinden und sich der konventionellen Schablonen des apokalyptischen bzw. postapokalyptischen Kinos bedienen. So kommt die Thematik: Herrenmensch – Untermensch ebenso zum Einsatz, wie die Faschisierung einer Provinz, die sinnbildlich für das Globale steht.

     

    Mag sein, dass es zahlreiche Kritiker gibt, die D'Amatos „Endgame“ als niveaulosen Schrott bezeichnen oder, wie „Das Lexikon des internationalen Films“ es umschreibt, als einen „abgedroschenen Spätzeit-Actionfilm“. Das übliche stereotype und stets rezidivierende Kesseltreiben rund um alles Terza Visionistische, was einen halbwegs exploitativen Charakter besitzt, but who cares? Schließlich lässt D'Amato „die Kuh fliegen“, bietet bizarre Situationen sowie ebenso bizarre Charaktere, auch wenn diese weniger dem Einfallsreichtum des Regisseurs, als dem gezielten Stibitzen aus anderen Endzeitfilmen sowie Genreübergreifenden Produktionen, geschuldet sind. Doch „Endgame“ wirkt nicht nur als ziehende, sondern auch als gebende Quelle. So erinnert die Typografie (in futuristischen Lettern) des Filmtitels an die Artwork des Carnivore-Alben „Retaliation“. Zudem zeigt uns dieses LP-Cover einige Typen mit Sauerstoffmasken, die durchaus - abgesehen vom Militarylook - an die wild rumwütende „Endgame-Schutzstaffel“ in Ledermänteln erinnern.

     

    Der Film ist in zwei Hälften gegliedert, die wiederum auf zwei divergierende Schauplätze verlegt sind. Man kann von einer Unter- und einer Oberwelt sprechen, allerdings mit dem Hinweis, dass es sich in beiden Fällen um Orte der Verdammnis handelt. Zuerst sind wir zu Gast in den Katakomben von Central City, wo D'Amato den Strömungen aus Tom Toelles „Das Millionenspiel“ folgt und eine Menschenjagd zum TV-Event der Zukunft kürt. Dabei wird die Optik in die Farbe Blau getaucht. Die Stärke einer solchen monochromen Einfärbung ist das Intensivieren der Atmosphäre. Somit kommt ein stets zuverlässiger Partner zum Einsatz, der den ordentlichen Aus- und Eindruck der ersten Filmhälfte bereichernd unterstützen kann.

     

    Die zweite Filmhälfte legt allerdings ein paar Schippen drauf, sorgt für deutlich mehr Bambule und lässt die Protagonisten einen teilweise brasilianisch wirkenden Budenzauber entfachen. Eine karge Industrie- bzw. Wüstenlandschaft ist der Untergrund auf dem D'Amato die Ingredienzien aus Western, Endzeit- und Horrorfilm kräftig mischt, um seinen Protagonisten begeisternde Ballstafetten zu ermöglichen.

     

    Ergo legt sich Ron Shannon postwendend mit einer Horde von Blinden, die allesamt in schwarze Mönchskutten gehüllt sind und ferngesteuert durch die Landschaft taumeln, an. Ihre ungelenken Bewegungen lassen die Vermutung zu, dass Ossorios „Reitende Leichen“ zwecks einer kurzen Terrortournee ins Stiefelland geladen wurden. Weitere kuriose „Kostgänger“ sind regressive Mutationen, deren Anführer es ausgerechnet auf die hübsche Lilith abgesehen hat.

     

    Somit sorgen blinde „Mönche“, Affen- und Fischmenschen sowie eine futuristische SS-Truppe für viel Druck in der gegnerischen Hälfte, sodass auf den traditionellen Vorstopper, ein von Hal Yamanouchi gespielter Handkantenschlagakrobat und Berufsninja, mächtig viel Arbeit zukommt. Mit diesen partikularen Konstellationen werden dem geeigneten (!) Publikum gut portionierte Köstlichkeiten in Form von Wohlbehagen und Glückseligkeit serviert.

     

    „Ihr seit die Zukunft. Ich bin nur ein Mensch, einer den Gott vergessen hat.“
    (Ron Shannon)

     

    Wie in allen postapokalyptischen Italo-Exploitern konzentriert sich auch „Endgame“ auf eine finale Schlacht, die über den Fortbestand der Menschheit entscheidet. Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse verbunden mit der Hoffnung, dass der sittsame David über den niederträchtigen Goliath siegen wird. Simultan dazu ist bei den friedliebenden und leutseligen Menschenskindern seit jeher die Rede vom „gelobten Land“, die Utopie von einem Fleckchen Erde auf dem alle glücklich und zufrieden leben können. Die Verwirklichung dieser Wünsche liegt auf den Schultern eines einzigen Mannes, einem Typen, der es mit jedem aufnehmen kann.

     

    Diese lakonischen Endzeit-Eremiten sind uns längst kein Rätsel mehr und es verblüfft uns nicht, dass (auch) Ron Shannon, das Angebot: mitzukommen in (diese) eine bessere Welt, ablehnt. Die Zukunft braucht keinen Tausendsassa, dessen Berufung der Überlebenskampf, die Gier nach Gold sowie ein Leben ohne Verpflichtungen und Zwischenmenschlichkeit ist.

     

    Infolgedessen schließt „Endgame“ mit dem freeze frame einer Halbtotalen und suggeriert, dass die (Anti-)Helden ihren Kampf über die Ziellinie hinaus fortsetzen. Sie, die Leichenfledderer der alten Welt, sind am Abgrund angelangt, für sie kann es nur weitergehen, wenn sie alles auf Null zurücksetzen und einen neuen Krieg entfachen.

     

    In diesem Sinne.

     

    Mögen die Spiele (von neuem) beginnen!

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    Der Film wurde im April 2012 von Andreas Strassmann als Nummer 90 der CMV - Trash Collection auf DVD veröffentlicht. Die Bildqualität lässt sich aus den oben abgebildeten Screenshots ersehen.

  • Autor: Frank Faltin
  • Filmplakate

    Links

    OFDb
    IMDb

     

     

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