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Eleonore

Frankreich | Italien | Spanien, 1975

  • Originaltitel: Leonor
  • Alternativtitel:

    Der Gläserne Tod (D)

    Mistress of the Devil (USA)

    Léonor (FRA)

  • Regisseur: Luis Buñuel
  • Kamera: Luciano Tovoli
  • Musik: Ennio Morricone
  • Drehbuch: Roberto Bodegas, Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière, Pierre-Jean Maintigneux, Michel Nuridzani, Clement Biddle Wood, Bernardino Zapponi
  • Inhalt:

    Eleonore, die Frau des Ritters und Schlossherrn Richard verstirbt nach einem Reitunfall. Auch nachdem Richard die schöne, junge Catherine geheiratet und sie ihm zwei Söhne geschenkt hat, kommt der Witwer nicht über den Verlust seiner ersten Frau hinweg. Er verbringt gramgebeugt die Nächte in ihrer Gruft, bis eines Tages ein seltsamer Fremder daherkommt und anbietet, die Tote in die Welt der Lebenden zurückzuholen. Richard sagt zu und Eleonore erhebt sich aus ihrer Gruft. Doch mit Eleonores Rückkehr, kommt auch das Grauen über das Gut des Ritters. Denn fortan geht in den Wäldern eine unheimliche Frau um und holt sich die Kinder der Dörfler...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Schon allein die Stabangaben sollten den wahren Filmfreund aufsehen lassen: In den Hauptrollen der erfahrene Charakterdarsteller Michel (DAS GROSSE FRESSEN, THEMROC) Piccoli, Bergman-Muse Liv (DIE STUNDE DES WOLFS) Ullmann und die wunderschöne Ornella Muti. Die Kamera geführt vom begnadeten Luciano Tovoli, der für Argento die unvergesslichen Bilder zu SUSPIRIA oder TENEBRAE geschaffen hat. Die herrliche Filmmusik stammt von keinem geringeren als Ennio Morricone und das Ganze inszeniert hat der Sohnemann vom großen Surrealisten Buñuel.

     

    Irgendwie schon ein Historienfilm, weil er zu Ritterzeiten spielt. Aber noch viel mehr ist ELEONORE ein Horrorfilm der klassischen Schule. Doch der Film lässt sich alle Zeit der Welt, bevor er tatsächlich zu einem solchen wird. In seiner ganz langsamen ersten Hälfte ist der Film noch ganz mediävales Drama um unbewältigte Trauer, die neben obsessiven, bald grausame Züge annimmt. Hitchcocks REBECCA, verlegt ins Mittelalter, wenn man so will. Oder noch treffender: Eine Geschichte, wie sie gut und gerne auch aus dem nekromantischen Fundus eines Edgar Allan Poe kommen könnte; auch wenn die tatsächliche literarische Vorlage aus der Feder des deutschen Romantikers Ludwig Tieck, einem Zeitgenossen von Goethe und Schiller, stammt.

     

    Die Story entwickelt sich in einem Tempo, welches für den weniger geduldigen Zuschauer an Langatmigkeit grenzen; alle anderen jedoch mit stimmigen Bildern und ausführlicher Charakterzeichnung für sich gewinnen dürfte. Nach etwa fünfzig Minuten, als die erste Frau des Ritters dem Jenseits entkommt, bricht der Film mit dem Drama und verlässt die Ebene des Rationalen. Jetzt wird ELEONORE zum romantischen Schauerstück der pechschwarzen Sorte und erst richtig gewaltig.

     

    Entgegen vieler Inhaltsangaben trägt Eleonore zwar entfernt vampiristische Züge, ist aber kein Vampir per definitionem. Zunächst bleibt sie - die verwirrte, ohne eigene Motivation ins Leben zurückbeorderte Untote- eine tragische Figur. Erst nachdem ihr in einer wirklich düsteren, bedrückenden Szene das erste kleine Mädchen zum Opfer gefallen ist, ändert sich das. Jetzt löst sich Eleonores Irritation auf. Sie wird zu einer Art weiblichen Blaubart. Ein kaltblütiger Würgeengel im Stile der Blutgräfin Bathory; nur nährt sich der Jungbrunnen nicht von Jungfrauenblut, sondern von Kinderseelen. Liv Ullmann hat man nie so dämonisch gesehen wie hier.

     

    Als sie, die Wiedergängerin nach Richards Kinder aus zweiter Ehe greift und auch noch die Pest in die ritterlichen Ländereien einrückt, ist das beklemmende Bild einer mittelalterlichen Apokalypse, welches Juan-Luis Buñuel ab der fünfzigsten Minute in immer dunkleren Farben zeichnet, beinahe perfekt.

     

    Fazit: In der ersten Halbzeit ein mediävales Drama über Obsessionen, Verlust und unbewältigte Trauer. In der Zweiten ein faszinierendes, pechschwarzes Stück Schauerromantik. Die ersten fünfzig Minuten sind noch filmische Lava, danach wird es richtig finster und bedrückend.

  • Autor: Christian Ade
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