Der eiserne Präfekt

Italien, 1977

  • Originaltitel: Il prefetto di ferro
  • Alternativtitel:

    El poder sobre mí (ARG)

    Ein Mann aus Stahl und Eisen (DDR)

    L'affaire Mori (FRA)

    L'affaire Mori (HUN)

    Tetsujin-chôkan (JAP)

    O Governador de Ferro (POR)

    I Am the Law (USA)

    Die Rache bin ich

    The Iron Prefect (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 25. Mai 1979 (DDR)
  • Regisseur: Pasquale Squitieri
  • Kamera: Silvano Ippoliti
  • Musik: Ennio Morricone
  • Drehbuch: Arrigo Petacco, Ugo Pirro, Pasquale Squitieri
  • Inhalt:

    Nachdem Cesare Mori (Giuliano Gemma) ein paar Jahre zuvor scheinbar erste Erfolge im Kampf gegen die Mafia verbuchen konnte, muss er bei seiner Rückkehr zu Beginn des ersten Weltkriegs feststellen, dass viele der damals von ihm verhafteten Personen längst wieder auf freiem Fuß sind.

     

    Inzwischen wurde Mori allerdings zum Präfekten ernannt, und während er selbst so ziemlich alle nur möglichen Machtbefugnisse besitzt, macht er es sich nun zur Aufgabe, die verschiedenen Behörden zur Zusammenarbeit zu bewegen. Er will endgültig aufräumen, mit Banditen, mit der Mafia, mit der Angst. In großangelegten Aktionen gelingt es ihm nicht nur mithilfe der Carabinieri vernichtende Schläge gegen die Kriminalität durchzuführen sondern schließlich sogar Zeugen vor Gericht – zum ersten Mal seit Jahrzehnten – dazu zu bringen, auch Täter vor Gericht zu identifizieren und zu belasten.

     

    Seine größte Aktion wird die Belagerung und anschließende Einnahme der Bergstadt Gangi, in der zahlreiche Banditen und flüchtige Straftäter ihre Zuflucht haben, so auch der seit 45 Jahren flüchtige Don der Banditi (Francisco Rabal).

     

    Doch auch das ist ihm nicht genug. Das Gesetz soll für jeden gelten, und so geht er als Nächstes gegen Barone und andere angesehene Persönlichkeiten mit Mafia-Kontakten vor – bis er auf Verbindungen zu den Mussolini-Faschisten und deren Innenminister stößt. Da bereits zahlreiche Anschläge in der Vergangenheit auf ihn fehlgeschlagen sind, macht man ihm ein Angebot dass er nicht ablehnen kann: man ernennt ihm zum Senator, eine höhere Stellung aber ohne die Machtbefugnisse, die er zuvor besaß.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Mit der Verfilmung der Biographie des „Eisernen Präfekten“ Cesare Mori, basierend auf dem Roman von Arrigo Petacco, der auch am Drehbuch beteiligt war, ist Pasquale Squitieri sein krönendes Meisterwerk gelungen. Zusammen mit dem erwähnten Petacco schrieben Squitieri und Ugo Pirro ein spannendes Drehbuch über diesen interessanten Charakter, den „Prefetto di Ferro.“

     

    In gut 110 Minuten gelang es so ziemlich jeden Aspekt in Verbindung mit der Mafia anzuschneiden, gespickt mit vielen denkwürdigen Dialogen und Zitaten. Es geht um die Banditi, also die Handlanger, die Landbarone, die Kirche, die Mussolini-Faschisten, die Rolle des Staates und die Gründe für die Abneigung der Landbevölkerung gegen ebendiesen Staat und seine Behörden, nämlich Armut, Krankheit und Kinderarbeit. Dies und viele weitere Aspekte konnten verständlicherweise in der zur Verfügung stehenden Laufzeit nur angeschnitten werden, so dass viel Stoff zum Nachdenken bleibt.

     

    Damit zu Mori selbst, der kein Heilsbringer ist, sondern ein knallharter Mann, zwar mit guten Absichten, die er aber ohne Rücksicht auf etwaige Hinterbliebene durchsetzt, denn damit hat er nichts am Hut. Er ist nur ein (Unbequemer) Staatsdiener, der seine Rolle im Gefüge der Justiz bierernst nimmt und bis an die Grenzen ausspielt. Mori wird verkörpert von Giuliano Gemma, und ähnlich wie später in Squitieris „Der Aufstieg des Paten“ erleben ihn hier fernab von seinem gewohnten Ich, als völlig andere Person. Gemma, der sein Image Gerüchten zufolge schon in frühen Jahren vertraglich festlegen ließ (eben der nette Held von Nebenan), wonach sich Regisseure in der Darstellung seiner von ihm verkörperten Figuren zu richten hatten, muss Squitieri Ausnahmen eingeräumt haben, denn im Grunde erkennt man ihn hier kaum wieder. Genau das macht seine Darstellung Moris so brilliant.

     

    In einer Nebenrolle Claudia Cardinale, die dem kinderlosen Ehepaar Mori später, nachdem ihr Ehemann ohnehin im Gefängnis sitzt, ihren Sohn, das Kind einer vor ihrer Ehe von einem Landbaron erzwungenen Liebesnacht, überlässt.

     

    Abschließend muss zu der historischen Figur des „Eisernen Präfekten“ natürlich noch bemerkt werden, dass er später von den Mussolini-Faschisten instrumentalisiert wurde. Im Film wird er als Mann dargestellt, der die Faschisten offensichtlich nicht mag, aber schließlich keine Wahl hat. Auch geht aus späteren Briefen Moris hervor, dass er sich durchaus bewusst war, dass seine Erfolge gegen die sizilianische Mafia nicht von Dauer sein würden. Da er 1942 starb, erlebte er das aber nicht mehr. Wie sich später herausstellte, waren zum Ende des zweiten Weltkriegs viele der alten Mafiosi wieder auf freiem Fuß, wurden sogar von den Amerikanern ganz bewusst in Machtpositionen gesetzt, da man von der Mafia wusste, dass sie den Kommunisten nicht gerade freundlich gesinnt waren.

     

    Biographie hin oder her, „Der eiserne Präfekt“ ist ganz großes Kino und sehr spannend umgesetzt, Ennio Morricone untermalt dies mit hervorragenden Kompositionen, die zu Anfang noch recht zurückhaltend sind, mit Fortschreiten des Films aber immer dramatischer werden.

     

    Eine DVD gibt es in Deutschland derzeit nicht, und manchmal habe ich auch ein klein wenig den Verdacht, dass diese großen, von „linken“ Regisseuren gedrehten Italo-Produktionen bei den Herstellern nicht allzu hoch im Kurs stehen. Bei den deutschen Fassungen wurde für die westliche Erstausstrahlung 1984 im ZDF eine Neusynchro angefertigt. Auf dem alten VPS-Videotape findet man dagegen die DDR-Kinosynchro vor, nicht weiter schlimm, sieht man mal von dem Schlusslied ab, dass eingedeutscht wurde. Ungeschnitten sind Beide.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

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