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Einer frisst den anderen

Deutschland | Italien | Liechtenstein, 1964

  • Alternativtitel:

    L'ora di uccidere (I)

    La morte vestita di dollari (I)

    Dog Eat Dog! (US)

    When Strangers Meet (UK)

    La môme aux dollars (F)

    O Crime Caminha a Meu Lado (BRA)

  • Deutsche Erstaufführung: 26. Juni 1964
  • Regisseur: Gustav Gavrin, Richard E. Cunha, Ray Nazarro, Albert Zugsmith
  • Kamera: Riccardo Pallottini
  • Musik: Carlo Savina
  • Drehbuch: Robert Hill, Michael Elkins
  • Inhalt:

    Das Gangster-Trio Corbett (Cameron Mitchell), Kostis (Ivor Salter) und die attraktive Darlene (Jayne Mansfield) haben gemeinsam einen großen Coup gelandet. Von einem Navy-Schiff erbeuteten sie 1 Million Dollar in großen Scheinen, die eigentlich vernichtet werden sollten. In einem Hotel abgestiegen, ist die Freude über diesen Triumph jedoch nicht von allzu langer Dauer, denn die Beute lockt andere Herrschaften an, die ihre große Chance wittern. Der Manager des Hotels, Livio Morelli (Pinkas Braun) und seine Schwester Sandra (Dodie Heath) wollen das Geld an sich bringen, doch der Plan, die anderen auszuschalten, misslingt. Sandra wurde als Geisel genommen und auf eine abgelegene, scheinbar verlassene Insel verschleppt. Doch auch dort ist man alles andere als ungestört. Die überaus seltsame Lady Xenia (Elisabeth Flickenschildt) hat ihr Anwesen zusammen mit ihrem Butler Janis (Werner Peters) wieder bezogen, und die beiden stören die Gangster und deren Verfolger erheblich. Jeder versucht jedem das Geld abzujagen, doch als es auch noch verschwunden ist, liegen die Nerven blank. Die idyllische Insel wird schließlich zur tödlichen Falle, da eine mysteriöse Mordserie beginnt. Von nun an sind alle auf sich selbst gestellt, doch wer ist der Killer..?

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Der Film "Einer frisst den anderen" basiert auf dem Roman 'When Strangers Meet' von Robert Bloomfield, und wurde laut Vorspann von Gustav Gavrin inszeniert, aber ganz offensichtlich hatten noch einige andere Regisseure ihre Hände mit im Spiel, was man dieser Adaption auch zu jedem Zeitpunkt anmerkt. Vor dem ersten Anschauen könnte man tatsächlich glauben, dass man es mit etwas in Richtung nach Art des Hauses Wallace zu tun bekommen könnte, die seinerzeit immer noch erfolgreich in den Kinos lief. Dies stellt sich dann aber schnell als großer Irrtum heraus, obwohl viele Zutaten in dieser Produktion hin und wieder deckungsgleich erscheinen. Der große Unterschied, und die weite Entfernung dazu liegt weniger am Konzept des Films, sondern daran, dass hier der beinahe aussichtslose Versuch gestartet wurde, so viele Elemente wie möglich in diesem Verlauf unterzubringen, die gemessen am aktuellen Sehverhalten gerade en vogue waren.

     

    Nun ist die Frage natürlich berechtigt, ob das nicht die meisten Produktionen beabsichtigt hatten, und ganz bestimmt war das auch mehr oder weniger so, doch hier ist das Resultat ein merkwürdig inkohärenter Film, der an diversen Stellen einfach bedingungslos entgleist, oder dies besser gesagt möchte. Dem Zuschauer werden direkt zu Beginn, und ohne Vorwarnung, 1 Million Dollar vor die Füße geworfen, wo sie herkommen weiß zunächst nur der Wind. Sie sind einfach da, doch nicht nur das. Sie liegen im Bett mit einer gewissen Jayne Mansfield, die sich vergnüglich hin und her räkelt und dabei nahezu lustvoll stöhnt, wenn sie die vielen $ 1000 Noten an sich presst und reibt. Und diese unfreiwillige Komik wird einen im gesamten Verlauf verfolgen, leider auf Kosten eines ernstzunehmenden Thrillers. Was die unerhört spektakuläre Besetzung angeht, so sieht man ebenfalls diverse Licht- und Schattenseiten.

     

    Die Hauptrolle übernahm Cameron Mitchell, der zu dieser Zeit zum angesagten europäischen B-Movie-Star aufgestiegen war. Hätte man ihn in dieser Produktion etwas dezenter eingesetzt, würde nicht der Eindruck bestehen bleiben, dass er beinahe an einer Fehlbesetzung vorbei geschlittert ist. Seine rabiate und impulsive Art schießt hier und da über das Ziel hinaus und er wirkt letztlich etwas zu über-ambitioniert. Mit ihm erlebt man letztlich eine Irrfahrt zwischen demonstrativer Überzeugungskraft, aber auch genüsslicher Überzeichnung. Sein Partner beim Überfall wird von Ivor Salter leider nahezu miserabel dargestellt. Sein dreckiges, unangebrachtes und erniedrigendes Lachen wirkt nicht nur vielen Situationen schlecht verdaulich, sondern auf Dauer wirklich nervtötend, denn diese Passagen kommen leider viel zu häufig vor. Von ihrer puren Erscheinung hingegen, wirken beide Darsteller recht überzeugend als Gangster, die jedoch kaum tiefgründiger voneinander differenziert wurden.

     

    Pinkas Braun spielt eine für ihn vollkommen obligatorische Rolle leider ebenfalls ziemlich herkömmlich, so dass er sich in die wenig bedeutenden Interpretationen einreiht. Es sei aber zu erwähnen, dass er ebenfalls durch seine auffällige Präsenz im Bezug auf Gangster-Visagen oder Misstrauens-Kandidaten für Aufsehen sorgen kann, was in diesem Film auch ganz besonders für Werner Peters gilt, der eine nicht nur undurchsichtige Figur zeichnet, sondern ebenfalls Unbehagen und Unschlüssigkeit hervorruft. Werner Peters, der ja stets als Garant für packende Interpretationen zu bezeichnen ist, liefert in "Einer frisst den anderen" eine der prägnantesten Leistungen ab. Es handelt sich insgesamt sicherlich um keine Meilensteine in den Filmografien der besagten Herren, aber jeder darf schließlich von sich behaupten, einmal in der Karriere keiner Geringeren als Jayne Mansfield in den Armen gelegen zu haben.

     

    Jayne Mansfield, die nur wenige Jahre später bei einem Autounfall tödlich verunglückte, zieht hier alle Register, und um ehrlich zu sein, das gar nicht einmal so schlecht. Sie tut etwas, das beim Zuschauer für eine erfreuliche Überraschung sorgt, nämlich sie zeichnet eine Art Karikatur der ehemaligen Sexbombe Jayne Mansfield und trägt ihre kaum vorhandene Ernsthaftigkeit auf einem Silbertablett zur Schau. Das alles quittiert sie mit einem gewaltigen Augenzwinkern und vermittelt nicht nur Spiellaune, sondern auch einen hohen Spaßfaktor. Jayne Mansfield war zu den Dreharbeiten in Jugoslawien schwanger, so dass sie den Zuschauern ihre nur noch üppigeren Formen vergnüglich den Zuschauern präsentieren kann. Dodie Heath, die neben ihr verblasst, aber ebenfalls eine attraktive Erscheinung ist, spielt eine annehmbare, wenn auch untergeordnete Rolle als unfreiwillige Komplizin ihres Bruders Livio, und als Geisel der Gangster. Denkwürdige Szenen hat sie mit Kollegin Mansfield, mit der sie sich sogar prügeln wird, wobei es dem Vernehmen nach doch heißt, dass Damen so etwas nicht tun.

     

    Mit Isa Miranda und Elisabeth Flickenschildt hatte man zwei große Interpretinnen an Bord. Die Italienerin Isa Miranda, die im europäischen Kino durchaus kein unbeschriebenes Blatt war, spielt das Optimum aus ihrer leider kaum relevanten Rolle heraus und wirkt wie immer sehr präzise und konzentriert. In gleichen Sphären, aber mit einer wesentlich signifikanteren Rolle, bewegt sich keine Geringere als Elisabeth Flickenschildt, die teilweise die Szenerie dominiert. In jeder ihrer Einstellungen hat man den Eindruck, dass sie einen Bühnenauftritt interpretiere. Große Gesten, aufdringliche Mimik, eine theatralische Darstellung, die traumwandlerisch beeindruckt, aber keineswegs zu ordnen ist. Ihre Dialoge sind lyrisch angehaucht und nur selten nachvollziehbar. Die mysteriöse Frau ist ständig in Schwarz gekleidet und trägt majestätische Roben und Schleier, eine vergleichbare Interpretation von ihr dürfte nicht alle Tage zu finden sein.

     

    Die Schauplätze auf der Insel und das Anwesen sind beeindruckend, erscheinen zunächst idyllisch, bis das Katz- und Mausspiel in Fahrt kommt. Natürlich wird es bei dieser Gelegenheit immer einer weniger werden, obwohl die Anzahl der beteiligten Personen ja sehr übersichtlich ausgefallen ist. Auffällig ist die experimentierfreudige Kamera, die Details hervorhebt und die Gegebenheiten teils elegant, teils spannend heraus arbeitet. Die aufwendige Bildgestaltung verhilft dem manchmal wirren Verlauf über einige Längen hinweg. Action und Tempo kommen mehrfach auf und es entsteht so gesehen keine Langeweile. Das Problem ist jedoch, dass der Streifen sich mit einer zu einfach gestrickten, und vorhersehbaren Geschichte begnügen muss, so dass seine Darsteller deswegen alle Kompensationsmechanismen in Gang setzen, was eben nicht dezent im Hintergrund verschwindet. Ein großes Ereignis ist die Musik von Carlo Savina, die nicht nur Jayne Mansfield beim Tanz begleiten wird, sondern auch jede erdenkliche Situation exzellent untermalt.

     

    Übrigens hört man einige der hier integrierten Musikstücke ebenfalls in der einige Jahre später entstandenen Produktion "Schreie in der Nacht" von Antonio Margheriti. Was ganz merkwürdig erscheint, ist die Gesangseinlage der Italienerin Ines Taddio, die ihren flotten Schlager im Hotel auf Deutsch singt. Insgesamt muss der Zuschauer die Entscheidung selbst fällen, womit man es bei "Einer frisst den anderen" zu tun hat. Seine inkonsequenten und verspielten Passagen erschweren diese Aufgabe jedenfalls erheblich, aber es ist gleichzeitig auch nicht von der Hand zu weisen, dass der Film einen eigentümlichen Reiz ausstrahlt. Daher ist es ziemlich wahrscheinlich, dass dieser Beitrag von Gustav Gavrin, oder von wem auch immer, beim ersten Anschauen durchfällt. Entfaltungsmöglichkeiten bestehen bei weiteren Sichtungen, wobei sich die Frage stellen dürfte, ob "Einer frisst den anderen" diese Chance überhaupt eingeräumt bekommt. Insgesamt gesehen, bleibt diese Jagd nach verschwundenen Millionen vor dieser herrlichen mediterranen Kulisse eine ziemlich krude Angelegenheit, die jedoch nicht ohne charmante Elemente auszukommen hat!

  • Autor: Prisma
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