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Das Dschungel-Mädchen

Italien, 1967

  • Originaltitel: Gungala la vergine della giungla
  • Alternativtitel:

    Gungala, a Pantera Nua (BRA)

    Gungala, a Virgem da Selva (POR)

    Virgin of the Jungle (USA)

    Das Dschungelmädchen - Die Göttin der Wildnis

  • Deutsche Erstaufführung: 26. Juni 1970
  • Regisseur: Romano Ferrara
  • Kamera: Augusto Tiezzi
  • Musik: Angelo Francesco Lavagnino
  • Drehbuch: Romano Ferrara
  • Inhalt:

    Eine Expedition, die auf der Suche nach Uranvorkommen ist, begibt sich in den tiefen Dschungel Afrikas. Als Führer engagiert man den zwielichtigen Wolf (Poldo Bendandi), der die Gegend kennt, da er dort bereits vor einigen Jahren einen Edelstein von den dort lebenden Basoko gestohlen hat, der eine Panthergöttin (Kitty Swan) verehrt. Auch die trägt einen Edelstein an einer Kette um den Hals, den Wolf an sich bringen will.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Ein knapp (oder gar nicht) bekleidetes Dschungelmädchen, eine uralte Männer-Filmphantasie. Zurück dürfte diese wohl auf die Figur des Tarzan gehen, dessen weibliche Nachfolger nicht lange auf sich warten ließen. Johnny Weissmüllers erste zarte Begegnungen mit Leopardenfrauen folgten schon bald eigene Dschungelmädchen-Filme und nicht zuletzt die TV-Serie „Sheena: Queen of the Jungle“ (1955/56) mit der blonden Irish McCalla in der Titelrolle. In Italien sah man Edwige Fenech in „Samoa, Queen of the Jungle“ (1968) in einer solchen Rolle, ihr Co-Star Femi Benussi spielte dann ein etwas propereres Dschungelmädchen ein Jahr später in „Tarzana, The Wild Girl.“ Später ging es dann weiter nach Spanien mit Tarzan-Rip-Offs - in denen meist auch ein weiblicher Leopardenbikini-Part dabei war - oder etwa Miguel Iglesias‘ Kilma-Filmen. Deutschland war dagegen etwas früher dran mit den Liane-Beiträgen mit Marion Michael in den Fünfzigern, und später vertrat uns Katja Bienert in Spanien, etwa mit Jess Francos „Diamonds of Kilimandjaro“ (1983).

     

    Doch die Dame, um die es hier geht, heißt Kitty Swan oder eigentlich Kirsten Svanholm. Der wirklich wunderschönen gebürtigen Dänin war in ihrer kurzen Filmkarriere leider nur wenig Glück beschieden. Nach einer Reihe von Kurzauftritten ohne Credit, etwa in Margheritis „Raumschiff Alpha“ (1966), Ralph Thomas‘ „Heisse Katzen“ oder Alberto de Martinos „Operation Kleiner Bruder“, brachten ihr PR-Fotos mit Franco Nero zu „Ich heiße John Harris“ eine etwas größere Rolle in dem 1966 von Bruno Paolinelli gedrehten „Borman“, von dem ich bisher aber keine Spur entdecken konnte. Dem Film, nicht Borman. 1967 dann die Titelrolle für Romano Ferraras „Das Dschungelmädchen“ (Gungala la vergine della giungla), welcher ein Jahr später von Ruggero Deodato mit „Gungala la pantera nuda“ fortgesetzt wurde. Hier spielt Kitty Swan das (stumme) Panthermädchen Gungala mit natürlichem Charme. Nach einer weiteren Uncredited-Rolle in „Barbarella“ spielte sie 1969 in Manuel Canos „Tarzán en la gruta oro“ an der Seite von Steve Hawkes eine ähnliche Rolle. Eine schicksalhafte Begegnung, denn in der 1972 veröffentlichten Fortsetzung „Tarzán y el arco iris“ erlitten beide schwere Brandverletzungen. Während einer Szene, in der Tarzan und seine Gefährtin von Eingeborenen gefesselt am Boden im Kreise eines Feuers liegen sollten, fiel der mit Benzin gezündete Brand größer als erwartet aus, Steve Hawkes und Kitty Swan verbrachten mehrere Monate im Krankenhaus mit Verbrennungen an bis zu 70% ihrer Haut. Und so wurde aus „Kitty Swan“ wieder Kirsten Svanholm, die ihre Filmkarriere beendete. Was schade ist, allerdings gab es wohl von vornherein auch Sprachbarrieren, die größere Dialogszenen verhinderten, und ein drittklassiger Tarzan-Film aus Spanien ist vielleicht auch kein falscher Moment, um aufzuhören.

     

    Wo war ich? Ah, „Das Dschungelmädchen.“ 1970 von Constantin in die deutschen Kinos gebracht und später von Toppic auf VHS erschienen, bietet „Gungala la vergine della giungla“ nette Nachmittags-Abenteuerunterhaltung, weitgehend gedreht on Location in Kenia. Zunächst hofft man, dass einem diesmal die Geschichte von einem Flugzeugabsturz und einem kleinen Mädchen als einziger Überlebender diesmal erspart bleibt, allerdings wird diese am Ende noch als Rückblende hintendran gehängt. Egal, Kitty Swan ist ein sehr attraktives Panthergirl und nur wenig in der Liebe bewandert. Es ist ziemlich lustig, wie sie dann durch Anknurren und angedeutetes Weglaufen den Expeditionsteilnehmer Chandler (ein gewisser Conrad Loth in seiner scheinbar einzigen Filmrolle) zu becircen versucht, aber der kapiert es einfach nicht, so dass Gungala anschließend ein kaltes Bad im Fluss nötig hat. Erst später, bei einem zweiten Versuch, (nachdem Chandlers Frau ihm erklärt hat, was er machen soll) gelingt es – Gungala zu fangen. Vorübergehend. Sein Filmdebut in „Das Dschungelmädchen“ gibt hier übrigens Bobby Rhodes, den wir natürlich aus Margheritis „Jäger der Apokalypse“ und Lamberto Bavas „Dämonen“ kennen. Der dunkelhäutige und gern mal ein, zwei (Flaschen) Whisky trinkende Begleiter des Bösewichts Paolo ist aber Archie Savage, der nur zwei Jahre darauf seine letzte Filmrolle in Alfio Caltabianos „Fünf Hundesöhne“ spielte.

     

    Während Romano Ferraras „Das Dschungelmädchen“ noch den Fokus auf das Abenteuer legt, scheint Deodatos Fortsetzung dann eher eine Liebesgeschichte zu erzählen. Mal sehen. Ein Rätsel gibt Regisseur Romano Ferrara auf. Nachdem er unter eigenem Namen einen der ersten Science Fiction-Filme Italiens drehte - die italienisch-deutsch-französische Co-Produktion „I pianeti contro di noi“ (1962) mit Michel Lemoine - folgten anschließend nur noch drei Regiearbeiten und zwei Drehbuchbeteiligungen. Ab 1969 verschwindet er nahezu spurlos aus dem Filmgeschäft, seine Nennung als Autor bei dem 1971 entstandenen „Paolo e Francesca“ von Gianni Vernuccio gilt nicht als gesichert.

     

    Grundsätzlich habe ich aber viel aus „Das Dschungelmädchen“ mitgenommen. Etwa die Erkenntnis, dass wenn ein leichtbekleidetes Mädchen einen anknurrt, muss das nicht zwangsläufig ein schlechtes Zeichen sein. Wenn sie dagegen knurrt, weil man ihr den Schmuck geklaut hat, dann sollte man besser schneller rennen als der beleibte Bösewicht Wolf es vermag. Und ich habe so Kitty Swan für mich entdeckt, das bis dato schönste Dschungelmädchen, dass ich je gesehen habe. Leider sind die gängigen Fassungen beider Gungala-Filme nicht das Gelbe vom Ei, die italienische TV-Fassung von „Das Dschungelmädchen“ scheint gar durch mehrere gelegentliche Schwarzbilder zensiert.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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