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Drei Spaghetti in Shanghai

Hong Kong | Italien, 1973

  • Originaltitel: Crash! Che botte... strippo strappo stroppio
  • Alternativtitel:

    Los supermens contra Oriente (ESP)

    Les trois superman du kung fu (FRA)

    Os Invencíveis no Oriente (POR)

    The Three Fantastic Supermen in the Orient

    Supermen Against the Orient

    Die Supermänner aus Shanghai

  • Deutsche Erstaufführung: 12. Juli 1974
  • Regisseur: Bitto Albertini
  • Kamera: Pier Luigi Santi
  • Musik: Nico Fidenco
  • Drehbuch: Bitto Albertini, Gino Capone
  • Inhalt:

    Der US-Geheimdienst schickt seinen besten Mann, Robert Wallace, nach Bangkok. Der Topagent soll das ominöse Verschwinden von sechs Kollegen ergründen. In Thailand angekommen erfährt Wallace, dass man die Geheimagenten in Hongkong gefangen hält. Folglich macht er sich per Flieger auf den Weg in die Volksrepublik China, wo er zwei alte Bekannte trifft, die ihn bei seiner Mission unterstützen. Ob das infernalische Trio Erfolg haben wird?

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    „Drei Spaghetti in Shanghai“ ist ein Teil des Geflechts, welches aus dem 1967er Schabernack „Die drei Supermänner räumen auf“ gesponnen wurde. Demnach sind starke Nerven und Toleranz gefragt, denn die „drei Spaghetti(s)“ haben einige harte Prüfungen auf Lager, an denen sich ein Großteil ihres Publikums die Zähne ausbeißen könnte.

     

    Als Leiter dieser Zirkusveranstaltung wirkt Bitto Albertini, der die Ingredienzien aus Eurospy und Komödie mischt und – um die Sache besonders kurios zu gestalten - mit einigen Stars und Fädenziehern der Shaw Brothers kooperierte. Wer die Shaws als Produzent vertrat, lässt sich nicht ergründen, da die Credits Attilio Fattori als alleinigen Producer ausweisen. Die Recherche innerhalb der verlässlichen Internetdatenbanken kann ebenfalls keine klare Aussage zur asiatischen Produktionsbeteiligung liefern.

     

    Unsere Reise in die „alte Welt der Mitte“ wird auditiv von Ernesto Brancuccis Reibeisenstimme und seinem Song „Strippo, strappo, stroppio“ eröffnet. Eine sympathische Komposition, die von vogelperspektivischen Bildkompositionen begleitet bzw. geleitet wird. Der dabei ausgiebig praktizierte Schwenk über den „duftenden Hafen“, lässt eine Polizeirazzia folgen, bei der die HK-Bullen den Kürzeren ziehen und verschleppt werden. Dieser Tatbestand veranlasst das FBI Robert Wallace auf den Fall anzusetzen und ihn nach Bangkok (00 Schneider hätte vermutlich besser kombiniert) zu delegieren.

     

    Es vergeht demnach eine gewisse Zeit bis der FBI-Agent die Wiege der Shaw Brothers erreicht. Leider werden wir - simultan mit seinem Eintreffen – auch mit Konsul (Americano?) konfrontiert. Einem Schreihals und Plagegeist, der sein Possenspiel in schlechtester Louis de Funès-Manie(r) vorträgt und selbst dem stets auf Sonderschulniveau agierenden SchleFaZ-Team derbe Konkurrenz bereitet, denn Jacques Dufilhos strapaziöse Vorstellung fügt der Quintessenz deutlich mehr Schaden als Nutzen zu.

     

    Ungeachtet der konsulschen Eskapaden regiert ein durchaus ansprechender, wenn auch polarisierender Humor. Dazu zählen persiflierende Seitenhiebe in die Richtung zahlreicher asiatischer Kampfschulen-Vehikel. So wird Master Tang als alleiniger Beherrscher und Hüter der Eisenfuß-Technik suggeriert, der seine beiden italienischen Musterschüler emsig in heißen Sand treten und schlagen (sowie Holzpfähle zerschmettern) lässt. Das Gesamtbild wirkt dermaßen panne, dass Chang Cheh bestimmt heute noch den Shaw-Bossen den Hals umdrehen könnte.

     

    Die Kämpfe, die angeblich von Jackie Chan choreographiert wurden, machen einen unterdurchschnittlichen Eindruck. Auch wenn das Substrat einer Italo-Komödie den Löwenanteil des Films ausmacht, fehlt mir die Leidenschaft, die Kung Fu Fights nun mal ausmachen. Das liegt u. a. auch an der bescheidenen Schnitttechnik von Fausto Ulisse. Ergo wäre bei der Personalauswahl mehr Sorgfalt angebracht gewesen, denn wenn man schon mit den Shaws zusammenarbeitet, dann drängen sich für derartige Aufgaben gestandene Eastern-Recken wie Kwok Ting-Hung oder Chiang Hsing-Lung auf.

     

    An der Protagonistenauswahl gibt es (ausgenommen Jacques Dufilho) nichts auszusetzen. Shih Szu, Lo Lieh und Tung Lam können das Gesamtbild allein durch ihre Präsenz bereichern. Robert Malcolm, Antonio Cantafora und Salvatore Borghese harmonieren als Chaoten- und Supermann-Trio, welches von der Brunnemann-Synchro mit einigen Leckerlis gefüttert wird. Dabei stechen die Wortkreationen: Schimpansenvater, schmieriger Teerpflücker, Balken-Otto, Cellist und Eff Bi Eier-Idiot besonders hervor. Aus einer derart verschrobenen Dialektik lässt sich natürlich postwendend dechiffrieren, dass die Filmstory auf einem der hinteren Plätze in der must-do-list residiert, was allerdings schnurzpiepegal ist.

     

    Fazit: Trotz aller Kritik steht unter dem Strich eine recht unterhaltsame Mischung aus Eastern, Eurospy und Komödie, deren Finale die Maschinenpistolen knallen lässt. Doch wer jetzt der Meinung ist, es hätte eh niemand den Schuss gehört, der wird bei späteren Produktionen dieser Reihe sein blaues Wunder erleben, denn dann drehen Cüneyt Arkin und die Süpermenler erst richtig auf.

  • Autor: Frank Faltin
  • Links

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    IMDb

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