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Dracula jagt Frankenstein

Deutschland | Italien | Spanien, 1970

  • Originaltitel: Los monstruos del terror
  • Alternativtitel:

    Operación terror (BRA)

    Dracula contre Frankenstein (FRA)

    Dracula Versus Frankenstein (GBR)

    Operazione terrore (ITA)

    Assignment Terror (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 27. Februar 1970
  • Regisseur: Tulio Demicheli, Hugo Fregonese, Eberhard Meichsner
  • Kamera: Godofredo Pacheco
  • Musik: Franco Salina, Rafael Ferrer-Fitó
  • Drehbuch: Paul Naschy
  • Inhalt:

    Ummo, der Planet einer körperlosen außerirdischen Macht droht den Gefrierpunkt zu erreichen. Da man es nicht rechtzeitig schaffte, eine künstliche Sonne zu erschaffen, ist man gezwungen, nach einem geeigneten Ausweichplaneten zu suchen, so dass die Auswahl auf die 14 Lichtjahre entfernte Erde fällt. Um diese möglichst intakt in die Gewalt zu bekommen, verfolgt der Abgesandte der fremden Macht, Doktor Warnoff (Michael Rennie), einen teuflischen Plan. Mit Hilfe seiner Assistenten Maleva (Karin Dor), einer bei einem Autounfall tödlich verunglückten Biochemikerin, und Kirian (Ángel del Pozo), einem bei Kampfhandlungen getöteten Chirurgen, will er die Menschheit vernichten. Zu diesem Zweck bedient er sich einer weit verbreiteten Krankheit, dem Aberglauben. Nach und nach lassen die Wissenschaftler eine Reihe von Monstern wieder auferstehen. Ein Werwolf, Frankensteins Monster, Graf Dracula und die Pharaonenmumie sollen den tödlichen Plan verwirklichen, damit Doktor Warnoff selbst nicht unter Verdacht gerät...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Verwundert nimmt man bei "Dracula jagt Frankenstein" zur Kenntnis, dass sich offenbar gleich drei Herren den Regiestuhl teilen mussten, was zunächst für einen recht konfusen Eindruck sorgen möchte. So wird der Produktion gerne vorgeworfen, dass man diese unterschiedlichen Herangehensweisen in aller Deutlichkeit zu spüren und zu sehen bekommt, was die teilweise schnipselartigen Handlungsstränge ungeniert belegen werden. Aber was wäre das einschlägig bekannte Film-Universum ohne derartige Experimente der eigenwilligeren Sorte, die einfach nur hemmungslos den Unterhaltungssektor bedienen und insgesamt einen besonders eigenwilligen Charme zu vermitteln wissen? Von Beginn an hört sich die Geschichte ungemein interessant an und es entsteht der Eindruck, dass man es mit einer Art Aufschlüsseln des Aberglaubens, oder vielmehr mit dessen Anatomie zu tun bekommt, allerdings hält sich dieses Interesse zugunsten netter reißerischer Veranschaulichungen deutlich in Grenzen, und die Triple-Regie-Spitze konzentriert sich auf das Wesentliche, denn spätestens wenn man alle warnoff'schen Monster und dessen mordlüsterne Exemplare aus dem Labor zu Gesicht bekommen hat, weiß man, wohin die Reise geht, beziehungsweise gehen muss. "Dracula jagt Frankenstein" wirkt in vielerlei Hinsicht faszinierend und sogar über weite Strecken überzeugend, wenngleich dies auch an den immer wieder gerne vermittelten Inhalten der überzogenen Sorte liegen mag. Kurzweilig ist diese Expertise hastigen Inszenierens aber allemal, und man wird quasi immer wieder gerne dazu verleitet, sich diesen gut bekömmlichen Beitrag aus dem Schreckenskabinett anzuschauen, denn bei allem Gezeigten empfindet man eine ansprechende Dosierung, allerdings im Sinne einer vollen, prallen, überspitzten Dosis betäubender Bilder und verzerrter Charaktere.

     

    Karin Dor hat einen eigenartigen Einstieg in das Szenario, nämlich als Leiche, die für die Zwecke der fremden Macht pracktischerweise reanimiert wird. Gleich nach dem Vorspann sieht man sie schön wie eh und je, wenngleich sie im Sinne der Geschichte etwas unterkühlt wirkt. Man darf sich zurecht fragen, wie eine Schauspielerin von Karin Dors Format in einem derartigen Experiment gelandet sein mag, vermutlich fragt sie sich das sogar selbst, aber besonders ihre späten Rollen und Charaktere bieten einen besonderen Reiz, da sie ein deutlich alternativ angelegtes Repertoire aus dem Hut zaubern konnte. Hier waren schauspielerische Exzesse bei Weitem eher nicht erforderlich, ihre Rolle ist jedoch alles andere als uninteressant, wenngleich auch nicht besonders schlüssig. Was solls, die Hauptsache ist schließlich, dass man sie auf ungewohntem Terrain begleiten darf. Karin Dor reicherte das düstere Geschehen mit viel Verve und diskreter Erotik an, man sieht sie sogar in zwei braven Liebes- und Bettszenen. Insgesamt zeigt die Deutsche eine gute Mischung im Wechsel von erforderlich-sparsamen Emotionen und ungewollt-temperamentvollen Zuständen, die ihre Ratlosigkeit und Unsicherheit gut herausarbeiten. In der Riege von Doktor Warnoffs gehorsamen Maschinen, wird sie im Verlauf noch indirekt die gefährlichste von allen werden. Insgesamt mutet die Rolle der Maleva oberflächlich an, und dieser Eindruck entsteht hauptsächlich durch eine im Geschehen relativ ausgeprägte screen time, die im Kontrast zu einer auffälligen Dialogarmut steht, wobei die sporadischen Dialoge in der Regel recht trivial ausgefallen sind. Eine besonders starke Szene hat sie vor allem, als sie an die skurrile Sequenz-Maschine angeschnallt wird, bis zum Wahnsinn herumschreit und in bizarrer Art und Weise die Augen verdreht. Letztlich erkennt man die wirklichen Fähigkeiten eines Künstlers vor allem in vermeintlich schwächeren Filmen, wenn man als Zuschauer trotzdem den Eindruck von einer guten Leistung vermittelt bekommt.

     

    Der Brite Michael Rennie als Dr. Warnoff überzeugt vor allem durch seine physische Erscheinung, denn darstellerisch hatte er gewiss andere Sternstunden, wie beispielsweise in dem Klassiker "Der Tag an dem die Erde stillstand". Sicher ist dies auch der Anlegung seiner Rolle geschuldet, man durfte sich schließlich keine Emotionen erlauben. So agiert er starr und größtenteils unempfindlich. Der unbeirrbare Herr erscheint in vielen Großaufnahmen, spätestens beim Zoom auf seine leeren, kalten Augen weiß man, dass er einem seiner Monster wieder telepathische Befehle erteilt. Bei seiner Figur fehlt leider ein bisschen der rote Faden und er hätte deutlich rücksichtsloser dargestellt werden müssen, um für zusätzlichen Schrecken zu sorgen. Craig Hill als Inspektor Tobermann liefert eine sehr diffuse Ermittlungsarbeit und kann schließlich größere Erfolge bei den Damen feiern, die schöne Patty Sheppard erweist sich dabei als geeignetes Objekt der Begierde. Bei den besonderen Leistungen wären schließlich noch die Monster des Dr. Warnoff zu erwähnen. Zunächst ist einmal zu betonen, dass die Maske in diesen vier Fällen bei einem Streifen geringeren Budgets ein ordentliches Ergebnis abliefern konnte. Abgesehen von zahlreichen Momenten, die zwischen Schrecken und Humor hin- und herspringen, und zwangsläufig von allen Exemplaren aus dem Schreckenskabinett Warnoffs ausgeht, sind sie im Endeffekt überzeugend hergerichtet und teils beunruhigend in Szene gesetzt, besonders die vertrocknete Pharaonenmumie sorgt für sehr starke Momente, wenn sie ihre Opfer mit versteinertem Blick anvisiert und unbeirrbar Befehle ausführt. Paul Naschy als verantwortlicher Drehbuchautor und unberechenbarer Werwolf Waldemar Daninsky löst seine Aufgabe angemessen, wenn auch obligatorisch, es macht letztlich jedenfalls Spaß, der Besetzung von A bis C zu folgen.

     

    Das verlockende Spektakel kommt schnell auf Touren und man ist eigentlich über weite Strecken damit beschäftigt, die Monster ausfindig zu machen, sie zu reanimieren, zusammenzubasteln und sie natürlich an geeigneten Objekten zu testen. Warum, weshalb? Diese Frage beantwortet sich bei "Dracula jagt Frankenstein" entweder von selbst oder eben gar nicht. Leider wurde nach kurzer Zeit die Grundidee des Films rund um die die Absichten der außerirdischen Gefahr nach Nirgendwo abgeschoben und es geht nur noch darum, das Versprechen des Filmtitels möglichst reißerisch einzuhalten. Aber wen scherts? Dass sich Frankensteins Monster und Co. gegenseitig ohne Ende hassen, kommt dabei wie gerufen und man darf Zeuge von einigen halsbrecherischen bis amüsanten Vorstellungen werden, die glücklicherweise nicht unnötig in die Länge gezogen wurden, so dass die Geschichte nicht gestreckt wirkt. Pionierarbeit im Bereich Atmosphäre leistet dabei die bemerkenswert anpassungsfähige Musik, die jeder erdenklichen Situation zahlreiche Gesichter verleiht. Ansonsten sind alle nötigen Zutaten gegeben, die einen kurzweiligen Run ausmachen. Obskure Apparaturen vom anderen Stern, eine obligatorische Herz-OP, es wird laboriert und diesbezügliche Fragen werden einfach ignoriert, einige Folter-Kostproben und ein wahnwitziger Plan blicken durch, außerdem gibt es ein altes Schloss mit dunklen Gewölben, Särge werden geplündert und mit neuen Leichen ausstaffiert, kleine Kostproben von mörderischen Demonstrationen sollen den Zuschauer gruseln und bei Laune halten, und ein Bumerang-Effekt bahnt ein vorhersehbares Ende an. "Dracula jagt Frankenstein" ist und bleibt zu jeder Tages- und vor allem Nachtzeit gut bekömmlich und als Fazit lässt sich vielleicht sagen, dass es alleine schon bemerkenswert, beziehungsweise noch schöner ist, dass Filme in dieser Machart überhaupt existieren.

  • Autor: Prisma
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