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Dracula im Schloss des Schreckens

Frankreich | Deutschland | Italien, 1971

  • Originaltitel: Nella stretta morsa del ragno
  • Alternativtitel:

    La horrible noche del baile de los muertos (ESP)

    Les fantômes de Hurlevent (FRA)

    Dracula in the Castle of Blood

    In the Grip of the Spider

    Web of the Spider

  • Deutsche Erstaufführung: 16. März 1972
  • Regisseur: Antonio Margheriti
  • Kamera: Guglielmo Mancori, Sandro Mancori, Silvano Spagnoli
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Giovanni Addessi, Bruno Corbucci, Giovanni Grimaldi, Antonio Margheriti
  • Inhalt:

    Edgar Allan Poe (Klaus Kinski), der Verfasser von Horror-und Gruselgeschichten, behauptet, dass alle seine Erzählungen der Wirklichkeit entsprechen. Es scheint, dass er nicht mehr unterscheiden kann, was sich tatsächlich in der Realität abspielt, oder nur in seiner Fantasie stattfindet. Der Journalist Alan Foster (Anthony Franciosa) sucht Poe in einem Pub auf, um ihn zu interviewen. Er findet ihn in Gesellschaft von Lord Blackwood und in der Schnapslaune kommt es schließlich zu einer nicht alltäglichen Wette. Der Lord bietet Foster an, eine Nacht in seinem berüchtigten Schloss namens Providence zu verbringen. Er müsse es lediglich schaffen, diese zu überleben. Der Skeptiker nimmt trotz eindringlicher Warnungen an und sucht das Gemäuer auf. Dort geschehen seltsame Dinge, die er zunächst dem Zufall zuschreibt. Nach kurzer Zeit tauchen auch schon die seltsamsten Gestalten auf, wie die bildschöne Schwester des Lord Blackwood, Elizabeth (Michèle Mercier), oder der dubiose Dr. Carmus (Peter Carsten). So dauert es schließlich nicht mehr lange, bis sich beängstigende Episoden im Schloss abspielen. Wird der zweifelnde Journalist diese Nacht lebend überstehen..?

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Antonio Margheriti konnte sich im Lauf seiner Karriere in diversen Genres profilieren und seine Beiträge tragen die variable Handschrift eines Multitalents, welches Zeitgeist, Publikumswirksamkeit und Unterhaltungswert spielend unter einen Hut bringen konnte. Dies gilt auch für den 1971 entstandenen "Dracula im Schloss des Schreckens", dessen deutscher Titel ein wenig zu sehr auf den Putz hauen möchte, da Herr Dracula ganz offensichtlich anderweitig verpflichtet war und somit nur namentlich von den Personen des Geschehens erwähnt wird. Nichtsdestotrotz bleibt "Schloss des Schreckens" dennoch als eine Art Quintessenz stehen, schließlich bekommt man es mit einer strapaziösen Nacht zwischen Albtraum und Wirklichkeit zu tun, die einen in dem alten Gemäuer erwartet. In diesem Zusammenhang ist die auffällig dichte und morbide Atmosphäre zu erwähnen, die sich keineswegs vor gleich gestrickten Genre-Konkurrenten zu verstecken braucht. Wie üblich präsentiert sich eine bemerkenswerte Besetzung.

     

    Anthony Franciosa, der den Journalisten und den Protagonisten zum Besten gibt, vermittelt eine hohe Glaubwürdigkeit durch sein wechselhaftes Auftreten und passt sich den zu interpretierenden Situationen erstaunlich gut an. Aus seiner Leichtigkeit wird im Verlauf gefühlter Wahnsinn, den er ebenso stichhaltig zu vermitteln weiß. Ihm ist hautnah mit anzusehen, wie er in ein Netz aus Unwahrscheinlichkeiten gerät, außerdem in Geschehnisse, die sich ständig zu wiederholen scheinen, ihn daher langsam aber sicher aushöhlen. Er verliebt sich in die Schlossherrin Elisabeth, die zunächst wie ein Gemälde erscheint und dann plötzlich Gestalt gewinnt. Michèle Mercier wirkt gespenstisch, geheimnisvoll und nicht greifbar, sie setzt darüber hinaus ungewöhnliche Kontraste. Ihre Darbietung ist angenehm geradlinig, wenn auch vergleichsweise weniger spektakulär, allerdings ist es gerade hier ihre optische Erscheinung, die Widersprüche aufkommen lässt, die sie nachhaltig charakterisieren.

     

    Ihre strahlende Erscheinung erhellt die dunklen Gänge und Gemäuer förmlich, die vielen Großaufnahmen sprechen Bände von Makellosigkeit aber auch von unüberwindbarer Distanz. Peter Carsten liefert dem Protagonisten und dem Zuschauer anscheinend logische Erklärungen für die merkwürdigen Geschehnisse im Schloss, doch jeder stellt automatisch die Plausibilität in Frage. Carsten vermittelt auch hier eine sehr beachtliche Präsenz und bleibt in sehr positiver Erinnerung. Klaus Kinski, groß angekündigt als Hauptrolle, übernimmt als Edgar Allan Poe nur einen kleineren Part am Anfang und am Ende des Films, die allerdings als wirkungsvolle Aufhänger genügen. In seinen wenigen Szenen vermittelt er wieder einmal einen großartigen Eindruck und stellt diese Person zwischen Genie und Wahnsinn beängstigend real dar. Besonders erfreulich ist noch das Auftauchen der schönen Karin Field, die pauschal jeden Film bereichert.

     

    In "Dracula im Schloss des Schreckens" sieht man Field in einem ihrer wohl prägnantesten Auftritte als Trugbild Julia und sie pendelt hin und her zwischen Fiktion und Realität. Karin Fields Karriere erstreckt sich in einem übersichtlichen Zeitraum von 1964 bis 1975 und es kamen dabei 20 Filmrollen zusammen, die mehr oder weniger einheitlich ausgefallen sind und sie eher erotisch angehauchte, oder verworfene Charaktere zum Besten gab. 1986 soll sie angeblich noch einmal einen letzten Auftritt in Jess Francos "Sola ante el terror" gehabt haben, wobei sich ihre Spur praktisch Mitte der Siebziger plötzlich verliert. Als Julia greift sie erst ziemlich spät aktiv in das Geschehen ein, schwebt allerdings auch ohne ihr Auftreten wie ein dunkler, geheimnisvoller Schatten über dem Szenario, da Foster direkt nach seiner Ankunft im Schloss ein Gemälde mit ihrem Portrait ins Auge fällt, das sich wie von Geisterhand zu verändern scheint.

     

    Julia wirkt hier regelrecht gespenstisch und sie wandelt verfolgend umher, mit harter Miene und großer Dominanz durch die atmosphärischen Kulissen, um Elisabeth permanent mit ihren lüsternen Blicken zu fixieren. Sie bleibt auch die einzige, die ihre Reize im Endeffekt offen zur Schau stellen darf, wird daher zur gefährlichen Verführung. Karin Field schafft es mit ganz klassischen Mitteln, eine Traumgestalt zu kreieren und ohne große Anstrengung Rätsel aufzugeben. Insbesondere ihre Szenen mit Michèle Mercier sind von einer bemerkenswerten Intensität geprägt, die Kontraste im Rahmen von Annäherung und Zurückweisung beinhalten. Fordernde und abschätzige Blicke dokumentieren eine gemeinsame Vergangenheit, außerdem brennt die Luft aufgrund giftiger und hasserfüllter Dialoge, die die unheilvolle Situation unterstreichen und eine bevorstehende Katastrophe andeuten wollen. Ja, auch nach diesem Wiedersehen kann man nur sagen, dass sich ein Film mit Karin Field stets lohnt.

     

    Anfangs vermittelt Margheritis Beitrag einen beinahe unspektakulären Eindruck, da er sich viel Zeit nimmt, bis sich die Geschehnisse in konkreten Bildern und Zusammenhängen präsentieren. Einige Sequenzen und ihre Schlüsselinhalte hätten hin und wieder etwas straffer organisiert werden können. Tatsächlich wirkt es lange Zeit so, als ob nicht mehr viel mehr sehr passieren möchte, doch ein paar beeindruckende Twists wurden natürlich noch bereitgehalten, um für insgesamt überdurchschnittliche Eindrücke zu sorgen. Die auffälligsten Choreografien liefern dieses Mal nicht die Schauspieler selbst, sondern es ist die Kamera, welche die Personen präzise integriert und anscheinend jeden Winkel des gruseligen Gemäuers präsentieren möchte, dies auch noch in ungewöhnlichen Perspektiven. Die Musik von Riz Ortolani passt sich dem Geschehen wirklich gut an, funktioniert sogar eine Spur besser als in "Sieben Tote in den Augen der Katze" und trägt zur passenden Gesamtatmosphäre bei.

     

    "Dracula im Schloss des Schreckens" ist insgesamt als atmosphärisch dicht zu beurteilen, viele Gruselelemente und einige Horrorinhalte kommen gewinnbringend zur Geltung. Die Tricktechnik, wie etwa das Verschwinden lassen von Personen, wirkt dem gegenüber eher bemüht. Spannende Momente bündeln sich im letzten Drittel des Films, die erste Stunde verläuft deswegen fast schon behäbig und nimmt sich den Luxus von Zeit. Insgesamt handelt es sich um eine gelungene Form der Unterhaltung, die nicht in einem vollgepackten Rundumschlag quer durch alle verfügbaren Genres gipfelt, sich sogar streckenweise etwas zu genügsam präsentiert. Insgesamt ist "Dracula im Schloss des Schreckens" ein überzeugender Vertreter geworden, der seinen Ambitionen in den Bereichen der Unterhaltung und des leichten Grusels gerecht wird. Abgerundet durch eine gut aufgelegte Crew vor und hinter der Kamera bleibt ein Film zurück, der für mehrmalige Sichtungen geeignet ist.

  • Autor: Prisma
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