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Door into Darkness

Italien, 1973

  • Originaltitel: La porta sul buio
  • Alternativtitel:

    Testimone oculare / Augenzeuge

    Il vicino di casa / Der Nachbar

    La bambola / Die Puppe

    Il tram / Die Straßenbahn

  • Regisseur: Roberto Pariante, Dario Argento, Luigi Cozzi, Mario Foglietti
  • Kamera: Elio Polacchi
  • Musik: Giorgio Gaslini
  • Drehbuch: Dario Argento, Luigi Cozzi, Marcella Elsberger, Mario Foglietti
  • Inhalt:

    Im Jahr des Herrn 1973 produzierte Dario Argento vier Kurz-Thriller für das italienische Fernsehen und die gesammelten Werke gibt's in DOOR INTO DARKNESS. Im Einzelnen erwartet euch:

     

    1) THE NEIGHBOUR: Ein frischgebackenes Elternpaar zieht mit ihrem Baby ins neue Heim. Dummerweise hat der Nachbar gerade seine Frau umgebracht und kann keine Zeugen gebrauchen...

     

    2) THE TRAM: In einer vollbesetzten Straßenbahn wird eine junge Frau ermordet. Wer ist der Täter; und vor allem - wie hat er´s gemacht, dass es keiner spitz gekriegt hat?

     

    3) EYEWITNESS: Eine Autofahrerin wird Zeugin eines Mordes. Doch als die Polizei eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Niemand nimmt der Frau ab, dass sie tatsächlich etwas gesehen hat. Mit Ausnahme des Killers natürlich, denn der weiß, dass er beobachtet worden ist...

     

    4) THE DOLL: Eine gestörte Person spaziert aus der Irrenanstalt und ermordet Erika Blanc...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Wie einst in der Antike die römischen Legionen die Welt, eroberte der italienische Thriller in den frühen Siebzigern die Kinoleinwände. Logisch, dass bei solch klingelnder Kasse auch der große Fernsehsender RAI sein Abendprogramm etwas giallo einzufärben gedachte. Unter der Ägide von Dario Argento entstand eine kleine TV-Reihe mit dem Titel LA PORTA SUL BUIO. Die umfasst ein Quartett knapp einstündiger Thriller-Episoden, die Argento in der Teepause zwischen seiner famosen Tiertrilogie und His Göttergabe DEEP RED produziert, (mit-)geschrieben und in zwei Fällen sogar höchstselbst inszeniert hat. Außerdem gibt es vor jeder Episode eine kleine Einführung vom Meister persönlich. Heuer gibt es den Flotten Vierer gesammelt auf DVD und ist im Fandom alles andere als unbeliebt.

     

    Doch sollte man die Tür ins Dunkel nicht mit der Erwartung öffnen, dass dahinter die gelbe Mörderwelt aus den Angeln gehoben wird. Auch wenn die TV-Serie das Kind des großen Dario Argento ist, ist sie nichtsdestotrotz eben genau das. Eine TV-Serie, die ihre Fernsehherkunft nicht verleugnen und sich somit schon budgetbedingt nicht mit den großen kinoerprobten Genregeschwistern messen lassen kann.

     

    Unter dem Strich macht das viermal Giallo light:

     

    Argentos Lieblingsadept Luigi Cozzi darf den Reigen eröffnen und sein THE NEIGHBOUR scheint bereits die Fingerübung für seinen ersten Kinofilm THE KILLER MUST KILL AGAIN zu sein. Denn sowohl THE NEIGHBOUR als auch THE KILLER MUST KILL AGAIN spielen in einer etwas ramponierten (eventuell sogar identischen) Villa mit Meeresblick und zeigen auch inhaltliche Parallelen auf. So garstig wie bei THE KILLER MUST KILL AGAIN wird´s nicht, denn der Nachbar muss sich -was Sleaze und Gewalt angeht- fürs Abendprogramm naturgemäß etwas zügeln. Trotzdem gibt es ein paar böse Spitzen und ein recht flottes Finale mit feinem Ende. Leider hat Cozzi die erste halbe Stunde der ohnehin nicht üppigen Laufzeit mit unnötigen Szenen verbummelt, so dass THE NEIGHBOUR erst spät in die Gänge kommt und letztendlich einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlässt.

     

    Unter dem tönenden Decknamen Sirio Bernadotte hat Dario Argento die Regie der zweiten Folge selbst übernommen. Und der alte Fuchs hätte mich beinahe geködert; mit der spannenden Grundidee und seiner gewohnt versierten Inszenierung. Wenn man THE TRAM allerdings genauer betrachtet, kommt ein eher müdes Whodunit zum Vorschein, dessen Auflösung noch nicht einmal besonders clever ist. Dennoch ist das Segment nicht schlecht, denn der Meister kaschiert die Schwächen des Plots geschickt und schafft es die Geschichte so zu erzählen, dass der Zuschauer bis zum Abspann bei der Stange bleibt.

     

    Hinter dem dritten Türchen befindet sich der Hauptgewinn. EYEWITNESS lässt erstmals richtiges Giallo-Feeling aufkommen und ist definitiv das beste Stück vom Kuchen. Als Regisseur ist ein gewisser Roberto Pariante aufgeführt, doch die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass diese Episode uncredited von Argento inszeniert wurde. Die vom Maestro und Luigi Cozzi geschriebene Geschichte wird recht flott vorgetragen und bietet viele klassische Genretrademarks und Twists. Und mit Marilù Tolo eine markante Hauptdarstellerin.

     

    Dafür ging der Abschluss königlich in die Hose. Die letzte Episode THE DOLL stammt zwar von dem Mann, der am Skript von FOUR FLIES ON GREY VELVET mitgeschrieben hat, aber nach dem Regiedebüt sollte es niemand verwundern, dass Mario Fogliettis Filmographie ziemlich überschaubar geblieben ist. THE DOLL ist ein uninspirierter Langweiler, dessen Ende nur deshalb so überraschend wirkt, weil der gesunde Menschenverstand einen solch hirnrissigen Schlusstwist einfach nicht erwartet hat. Da können auch der Giallo erprobte Österreicher Robert Hoffmann (A BLACK VEIL FOR LISA, SPASMO) und die in einer kurzen Opferrolle ohnehin verschwendete La Blanc das Debakel nicht verhindern.

     

    Ergo: DOOR INTO DARKNESS ist eine fürs Fernsehen produzierte Thriller-Reihe aus den frühen Siebzigern, an welcher zwar niemand Geringeres als Dario Argento maßgeblich beteiligt war, die aber letzten Endes nur beweist, dass der Giallo für die große, stylische Leinwand gemacht ist und nicht so recht ins kleine TV-Format passen möchte. Nur einer der jeweils knapp einstündigen Mini-Gialli, die sich hinter vier Türen ins Dunkel verbergen, kann wirklich überzeugen. Daneben gibt es zweimal nette, aber unspektakuläre Krimiunterhaltung und einen Totalausfall.

  • Autor: Christian Ade
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