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Djangos blutige Spur

Italien, 1972

  • Originaltitel: La lunga cavalcata della vendetta
  • Alternativtitel:

    Cavalgada da Vingança (BRA)

    La longue chevauchée de la vengeance (FRA)

    O Cavaleiro da Vingança (POR)

    Deadly Trackers (USA)

    Long Cavalcade of Vengeance

    Djangos Spur

  • Regisseur: Tanio Boccia
  • Kamera: Romolo Garroni
  • Musik: Carlo Esposito
  • Drehbuch: Tanio Boccia
  • Inhalt:

    Jeff Carters Schwester, Deborah, wurde vergewaltigt und anschließend ermordet. Bei der Leiche findet man einen Poncho. Dieses Indiz reicht bereits aus, um Carter, die Mörder (Montana und seine Bluthunde) zu nennen. Jeff will Rache, er verfolgt eine „blutige Spur“…

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    „Djangos blutige Spur“ entstammt einer Dekade in der sich der Italo-Western bereits auf seiner Abschiedstournee befand. Die Haare der männlichen Darsteller wurden länger (sowie zusehends ungepflegter). Es wurden immer noch gute Italo-Western produziert, aber der prozentuale „Rotzanteil“ erhöhte sich. Zum versöhnlichen Abschied setzten „Keoma“ und „Mannaja“ (sozusagen als Gunther und Siegfried einer Genregötterdämmerung“) zwei ganz fette Ausrufezeichen. Ein grandioser Abgang von der ganz großen Westernbühne. Bis es soweit war, sollten allerdings noch einige Jahre ins Land ziehen.

     

    „Peplum-Ikone“ Tanio Boccia hat mit seinen Italo-Western (wenn man von dem brillanten „Die sich in Fetzen schießen“ absieht) nicht gerade ein glückliches Händchen bewiesen. Sein IW Debüt feierte er mit „Für eine Handvoll Blei“. Ein Western, den man bestenfalls als eine durchschnittliche Imitation von „Eine Handvoll Dollar“ bezeichnen kann. Es folgten „Mein Leben für die Rache“ und unser heutiges Besprechungsopfer „Djangos blutige Spur“.

     

    "Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen…“ (Helmut Kohl)

     

    Da hat der „Kanzler der Spendenaffäre“ natürlich Recht. Somit müssen wir uns, nach einem bleihaltigen und durchaus interessanten Auftakt, auf eine Reise in die Vergangenheit gefasst machen. Bei diesem Trip wird schnell klar, dass der Film sein gesamtes Pulver innerhalb der Anfangsphase verschossen hat. Der Film wirkt träge und wird von einer schlechten Musik begleitet. „Beste“ Vorraussetzungen um vielen Wohnzimmerrevolverhelden den „Filmabend“ zu versaubeuteln. Natürlich ist eine Rachestory (nicht nur im Wilden Westen) absehbar, aber in der Regel kann man (zumindest kleine) Spannungsspitzen erwarten. Diese sind bei „Djangos blutige Spur“ jedoch nicht auszumachen. Davon abgesehen, dass wir diese Story schon aus 927 anderen Western kennen, haben wir es hier - und das können nur wenige Italo-Western von sich behaupten - mit einem besonderen Scheißfilm zu tun.

     

    Der Ninja aller Ninja, Richard Harrison, ist als Jeff Carter der Einzige, der den Film in ein etwas besseres Licht rücken kann. Der Mann, der gemeinsam mit Maurizio Merli um den Titel „Markantester Schnauzbart der Filmgeschichte“ streitet, wertet (mit seiner Präsenz) so gut wie jedes Vehikel auf. Man siehe diverse Ninja Flicks die ohne ihn unerträglich wären, und zudem keine Sau (außer mich) interessieren würden. Bei „Djangos blutige Spur“ hat der Richard zwar nur wenige gute Momente, aber man ist heilfroh wenn er mit seinem Antlitz den „Bildschirm“ bereichert.

     

    Gemessen an den bekannten Namen, die der Besetzungsstab zu bieten hat, ist es schon sensationell wie die Protagonisten verheizt werden. Selbst Rik Battaglia, eine Type die immer für Stimmung sorgen kann, bleibt blass. Die Krönung ist jedoch eine vollkommen deplatzierte Anita Ekberg, die nebenher noch 30 Kilo Übergewicht auf die Waage bringt. Sonderlich attraktiv fand ich die Frau eh nie, aber innerhalb „Djangos blutige Spur“ fällt sie mir nur noch negativ auf. Die deutsche Synchronisation suggeriert die Wuchtbrumme übrigens nicht nur einmal als Traumfrau. Ich würde gerne wissen welcher Deibel den Dialogschreiber während seiner geistigen Ergüsse geritten hat?

     

    You're a whole lotta woman
    A whole lotta woman
    Whole lotta (Ekberg)
    (Angus Young, Malcolm Young, Bon Scott)

     

    Im Vergleich zu den zahlreichen Italo-Western, denen von der deutschen Bearbeitung der „Django-Stempel“ aufgedrückt wurde, kann man „Djangos blutige Spur“ als eines der wenigen Unikate bezeichnen. Nicht weil der Film so schlecht ist, sondern weil der Name Django in keiner Sekunde des Films erwähnt wird. Die deutsche Synchronisation schickt übrigens Sprachkoryphäen wie Lothar Blumhagen, Frank Glaubrecht, Horst Schön und Alexandra Lange ins Rennen, das kann sich hören lassen.

     

    Unter dem Strich ein langweiliger Italo-Western, der allerdings in seiner Handlungskonstruktion außergewöhnlich wirkt… und zwar außergewöhnlich scheiße.

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    In den deutschen Kinos ist „Djangos blutige Spur“ niemals gelaufen, und wurde (in Germany) erstmals (zwischen 1983 und 1985) auf VHS veröffentlicht. Ein genaues Datum lässt sich nicht eruieren, da auf dem VHS-Cover keine Zeitangaben inkludiert sind. Seinen deutschen DVD-Einstand feierte der Film am 30. Oktober 2015 innerhalb einer „Django Collection“ (gemeinsam mit „Django spricht das Nachtgebet“ und „Django - Unersättlich wie der Satan“) von Koch Media. Das Bild ist nicht anamorph, sondern identisch mit der 1:2,35 TV-Ausstrahlung von Kabel1 Classics

  • Autor: Frank Faltin
  • Links

    OFDb
    IMDb

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