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Django spricht kein Vaterunser

Italien | Spanien, 1968

  • Originaltitel: Quel caldo maledetto giorno di fuoco
  • Alternativtitel:

    O Maldito Dia de Fogo (BRA)

    La ametralladora (ESP)

    Avec Django ça va saigner (FRA)

    A Metralhadora (POR)

    Damned Hot Day of Fire (USA)

    Gatling Gun (USA)

    Machine Gun Killers (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 27. Februar 1970
  • Regisseur: Paolo Bianchini
  • Kamera: Francisco Marín
  • Musik: Piero Piccioni
  • Drehbuch: Paolo Bianchini, Claudio Failoni, Franco Calderoni, José Luis Merino
  • Inhalt:

    Amerika zu Zeiten des Bürgerkriegs. In einer geheimen Zusammenkunft stellt der Waffenentwickler Gatling hochrangigen Vertretern der Nordstaaten sein neuestes Produkt vor: das Maschinengewehr. Doch noch in der gleichen Nacht werden die Teilnehmer dieser kleinen Werkschau umgebracht und der Erfinder entführt. Kurz darauf erhält der Norden eine Lösegeldforderung von einer Million Dollar, während dem Süden für den gleichen Preis die Gatling Gun angeboten wird. Washington handelt und schickt seinen Spezialagenten Captain Chris Evans auf geheime Mission...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Nach seinem zweiten Western DJANGO - ICH WILL IHN TOT ist Regisseur Bianchini offenbar auf dem amerikanischen Sezessionskrieg hängengeblieben. Ungeachtet dessen, dass man im Film nicht eine Uniform zu Gesicht bekommt, spielt der historische Konflikt zwischen den Nord- und Südstaaten auch in der Handlung des ebenfalls im Jahre 1968 entstandenen DJANGO SPRICHT KEIN VATERUNSER eine entscheidende Rolle. Erfrischenderweise erzählt auch der dritte und letzte Western in Bianchinis Filmografie nicht die übliche Rachegeschichte, sondern im Grunde einen waschechten Spionagekrimi; nur eben mit Colt und Cowboyhut. In DJANGO SPRICHT KEIN VATERUNSER geht es um den historisch verbrieften Richard Jordan Gatling und seine kriegsentscheidende Erfindung, die sogenannte Gatling Gun (aka Maschinengewehr). Hinter Mann und Waffe sind Agenten her, die sowohl vom Norden als auch vom Süden ins verdeckte Gefecht geschickt werden.

     

    Geheimwaffen, Geheimagenten, geheime Missionen mit falschen Identitäten und doppelten Spielen. Das von Bianchini und drei weiteren Autoren verfasste Drehbuch ist sicherlich eine willkommene Abwechslung in den manchmal doch etwas zu sehr auf Wiederholung und Variation setzenden Geschichten aus dem Wilden Westen Cinnecittàs.

     

    Robert Woods alias Chris Evans alias Jeremiah Grant alias Etikettenschwindel-Django in seiner Funktion als Geheimagent in „Lincoln’s Secret Service“ gleich als James Bond des Italowestern zu bezeichnen, würde aber zu weit führen. Dazu fehlen dem guten alten Robse dann doch die spektakulären Action-Einlagen, die aberwitzigen Gimmicks und Gadgets. Jedoch kommt er seinem britischen Pendant aus dem 20./21. Jahrhundert sehr nahe, was dessen „Pick-up-Qualitäten“ betrifft. Auch wenn Woods seine Casanova-Skills in DJANGO SPRICHT KEIN VATERUNSER stets im Off ausspielt; seine Aufreißerquote braucht sich hinter der von 007 nicht verstecken. In der einen Einstellung blickt er einer Frau noch tief in die Augen; in der nächsten zieht er sich schon cool die Hosen hoch, während die Lady hinter ihm mit zufriedenem Lächeln und roten „Bitte beehren Sie uns bald wieder!“- Bäckchen in den zerwühlten Laken liegt. Die Django-Girls sind im Übrigen zwei auch in Giallo-Gefilden sehr bekannte Damen. Claudie Langer haben wir in den beiden famosen Ercoli-Thriller DEATH WALKS ON HIGH HEELS und DEATH WALKS AT MIDNIGHT gesehen, während Ida Galli alias Evelyn Stewart in vielen italienischen Murder Mysteries ohnehin zum aparten Inventar gehört.

     

    Doch DJANGO SPRICHT KEIN VATERUNSER weiß nicht nur mit seinem für Western-Verhältnisse frischen Plot zu unterhalten, sondern ist nebenbei auch ein zünftiges Bleifest geworden. Bianchini schickt neben seinem US-amerikanischen Hauptdarsteller Woods, der zwischen den 60ern und 70ern, von DIE GEJAGTEN DER SIERRA NEVADA bis zur Megagurke ZAHL UND STIRB in Almeria den Colt im Akkord geschwungen hat, eine ansehnliche Anzahl memorabler Figuren ins Rennen. Da haben wir mit Tiziano Cortino einen kreidebleichen Albino-Agenten, der schon vor seinem bleibeschwerten Abgang wie eine lebende Leiche durch den Film schlurft. Oder John Ireland als kajal-auftragendes verbrecherisches Halbblut, das auch gerne mal mit dem blanken Fuß tödliche Klingen schleudert. Daneben gibt es noch einen diabolischen Georges Rigaud und den ebenfalls oft und gerne gesehenen Roberto Carmadiel als Quacksalber.

     

    Wie schon sein DJANGO – ICH WILL IHN TOT, ist auch Bianchinis DJANGO SPRICHT KEIN VATERUNSER ein Spaghetti-Western der härteren Gangart, der aber auch mit dem einen oder anderen ausgesucht atmosphärischen Set aufwarten kann. Hier sei zum Beispiel die nächtliche Schießerei auf dem Friedhof genannt, in der die oben erwähnte lebende Leiche endgültig zur toten Leiche wird. Schade nur, dass der Score von Pierro Piccioni nicht die Sogkraft der überstimmigen Filmmusik entwickelt, die Nico Fidenco für Bianchinis Vorgängerfilm DJANGO - ICH WILL IHN TOT komponiert hat. Die Macht des guten Soundtracks wirkt nicht sehr stark in DJANGO SPRICHT KEIN VATERUNSER, was aber durch Bianchinis gewohnt versierte Inszenierung und der spannend erzählten „Spys and Cowboys“-Geschichte wettgemacht wird. Und für wen krösige Kugelentfernungen das Sahnehäubchen seines Westernfilmabends ist, der sollte sich einfach mal die Filmminute 88 dick ins Notizbuch schreiben. Dort gibt es nämlich in Farbe und Großaufnahme ein hart auf Ekel getrimmtes Exempel zu bestaunen.

     

    Auch DJANGO SPRICHT KEIN VATERUNSER ist jetzt nicht der Italowestern, der dem Zuschauer eine glorreiche (Anti-)Heldenode mit epischer Wucht vor den Latz knallt und ihn noch Stunden danach mit Freudentränen und meterhoher Gänsehaut auf Arm und Rücken im Fernsehsessel zurücklässt wie das manchmal bei Werken eines Leone, Sollima oder Corbucci geschieht. Doch einmal mehr tritt Paolo Bianchini den Beweis an, dass sein Name für gutes und grundsolides Genre-Handwerk steht. Er fährt gerne die harte Tour, spielt keine alten Leiern und unterhält ohne nennenswerte Leerläufe knapp 100 Minuten lang. Der Fan kann also bedenkenlos zuschlagen.

  • Autor: Christian Ade
  • Veröffentlichungen:

    Vom Label Savoy/Intergroove kommt eine technisch einwandfreie DVD. Bild und Ton sind blitzsauber, wobei man zwischen drei Sprachfassungen (deutsch, englisch, italienisch) wählen kann.

     

    Die Bonusebene ist allerdings weniger üppig ausgestattet. Es gibt den deutschen Vorspann in einer Qualität, die selbst einem Bootleg die Schamesröte ins Gesicht treiben würde und Trailer zu drei weiteren Pastawestern (ARIZONA COLT, DJANGO - EINLADUNG ZUM TOTENTANZ sowie dem feinen ESCONDIDO aka DIE IM SCHLAMM VERRECKEN).

  • Autor: Christian Ade
  • Links

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    IMDb

     

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