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Django - Sein letzter Gruß

Italien, 1967

  • Originaltitel: La vendetta è il mio perdono
  • Alternativtitel:

    La venganza y mi perdon (ESP)

    La vengeance est mon pardon (FRA)

    A Vingança é o Meu Perdão (POR)

    Shotgun (USA)

    Vengeance Is My Forgiveness (USA)

    Django - Das Lied des Todes

  • Deutsche Erstaufführung: 11. September 1970
  • Regisseur: Roberto Mauri
  • Kamera: Franco Delli Colli, Mario Mancini
  • Musik: Giancarlo Rizzi
  • Drehbuch: Tito Carpi, Francesco Degli Espinosa, Roberto Mauri, Roberto Natale, Luciana Ribet
  • Inhalt:

    Vier vermummte Männer in schwarz überfallen die Ranch der McLaines und wollen die Familie um ihr Erspartes erleichtern. Allerdings will sich das der alte McLaine nicht gefallen lassen und reißt einem der Banditen das Tuch vom Gesicht was die Hinrichtung sämtlicher Anwesender zur Folge hat. Zum Pech der Banditen befindet sich unter den Toten auch die Verlobte von Django, der daraufhin einen unerbittlichen Rachefeldzug startet. Sein einziger Anhaltspunkt: eine am Tatort vergessene Uhr, die fortan die Melodie des Todes spielt.

  • Autor: nerofranco
  • Review:

    Bei Roberto Mauris La vendetta è il mio perdono (Django – sein letzter Gruß) handelt es sich um einen Western aus der Glanzzeit des Genres, der allerdings unter einem äußerst schlechten Ruf zu Leiden hat. Sogar Genreliebhaber und Kritiker wie Christian Kessler und Ulrich Bruckner finden den Film ziemlich beschissen. Während Bruckner ihn als unglaublich schlechten Trashwestern (1) bezeichnet findet Kessler den Film als eine dermaßen stumpfsinnige Übung in Minimalvendetta, daß man kaum die gerade mal 78 Minuten der deutschen Fassung durchbekommt (2). Diese scharfe Kritik kann ich überhaupt nicht nachvollziehen aber in einem Punkt hat Kessler auf jeden Fall recht, denn Mauri liefert uns eine Minimalvendetta, die ihres gleichen sucht, die aber unterhaltsamer kaum sein kann.

     

    „Das ist Django, das ist kein Verrückter, wenn der rot sieht ist deine Frau Witwe, Mulligan.“

     

    Die Story von La vendetta è il mio perdono ist eigentlich kaum der Rede wert. Vier ehrenwerte Herren der Stadt ziehen in ihrer Freizeit schwarz umhüllt durch die Gegend und berauben arme Farmer um ihr hart erspartes Geld. Eines Tages begehen sie dabei aber einen fatalen Fehler als sie Susi McLaine samt ihrer Familie ermorden, denn die war nämlich Djangos Verlobte. Der sinnt natürlich auf Rache und geht dabei erbarmungslos und rücksichtslos vor. Diese äußerst simple Geschichte wird uns von Mauri aber ungeheuer flott und unglaublich brutal präsentiert. Hier werden keine Gefangenen gemacht, Django vollzieht seinen Rachefeldzug ohne irgendwelche Kompromisse und Umschweife, nur am Ende gibt’s noch eine nette kleine Überraschung.

     

    Den unerbittlichen Racheengel Django (eigentlich heißt er Durango) mimt der Amerikaner Tab Hunter, in einem seiner wenigen Ausflüge nach bella Italia. Hunter macht seine Sache ungeheuer gut und wird dabei von einer großartigen deutschen Synchronstimme unterstützt. Gesprochen wird er nämlich von Gerd Günther Hoffmann (3), der unter anderem auch Paul Newman und Sean Connery seine Stimme geliehen hat (4). Laut Erika Blanc hatte Hunter in Wirklichkeit eine schreckliche Stimme (5), wenn das stimmt kann man über die deutsche Version nur überglücklich sein. Hunters Django geht auf seinem Rachefeldzug vollkommen kompromisslos vor und erledigt die Mörder seiner Verlobten einen nach dem anderen – ohne Erbarmen. Ihm ein wenig zur Seite steht die hübsche Erika Blanc als Joana, die die Saloonbesitzerin spielt und Django des Öfteren mal zu sich in ihr Zimmer lässt. Joana ist ziemlich verknallt ihn Django, warum auch immer, der ist nämlich ein richtiges Arschloch und hat für solche Gefühlsregungen momentan sowieso keinen Nerv (Joana: „Django, seit du die Stadt verlassen hast hab ich nur an dich gedacht.“ - Django: „Ich bin jetzt nicht zum Flirten aufgelegt, Joana“). Einmal sagt er ihr so klipp und klar dass sie doch ihr Maul halten soll, dass man ihm am liebsten eine kleben würde (Joana: „Nun komm schon Django, wir haben doch sonst alles gemeinsam besprochen.“ - Django: „Halt die Schnauze!“). Tja, feinfühlig sieht anders aus aber für wem das bei einem Film wichtig ist, ist hier sowieso komplett falsch.

     

    Mulligan: „Lass uns Schluss machen.“
    Django: „Ja, das denk ich auch. Reisende soll man nicht aufhalten, wozu auch.“

     

    Erika Blanc war vor dem ersten Kennenlernen übrigens ein großer Fan von Tab Hunter, von dem sie dann allerdings ziemlich enttäuscht war als er das erste Mal vor ihr stand, nicht nur wegen der Stimme (6). Zudem war er in seinem Verhalten ziemlich tuntig, was einem natürlich nicht gerade als echtes Mannsbild erscheinen lässt. Im Film ist davon allerdings nichts zu spüren, da mimt er wirklich den harten Kerl aber sowas von. Die Besetzung der vier ehrenwerten Herrschaften ist ganz vorzüglich ausgefallen, ein wirklich traumhaftes Gespann. Daniele Vargas mimt Doktor Decker, der blöderweise seine Uhr am Tatort vergisst und so die ganze Bande ins Verderben stürzt, da Django ihnen so auf die Spur kommt. Vargas stirbt zudem einen ganz brutalen Tod, wird er doch in einer verlassenen Gegend an einen Baum gebunden und von Django dort einfach zurückgelassen (Django: „Weißt du, die Nächte sind verflucht kalt und tagsüber knallt dir die Sonne aufs Hirn. Es gibt hier eine Menge Wölfe und Aasgeier, die warten schon auf dich, die warten nur darauf, dass sie dir das Fett von den Rippen hacken können! Amüsier dich Glatzkopf“). Renato Romano spielt einen feigen Bankier namens Mulligan, der sich vor Django mächtig in die Hosen scheißt, sodass er einem Kopfgeldjäger sein ganzes Geld anbietet um ihn aus dem Weg zu räumen. Am besten gefallen hat mir hier wie Django Mulligan zum Wahnsinn treibt als er die Postkutsche, mit der Mulligan abhauen will, in sichtbaren Abstand verfolgt. Hier kommt die großartige Musik von Giancarlo Rizzi auch wunderbar zur Geltung, die diese Szene perfekt unterstützt.

     

    Stuntman Mimmo Palmara spielt ebenso wie der großartige Piero Lulli einen erfolgreichen Geschäftsmann, die beide Django unbedingt aus dem Weg räumen wollen als er ihnen zu sehr auf die Pelle rückt. Owen (Palmara) und Kildare (Lulli) haben auch ein paar erstklassige Szenen. So spielen sie beispielsweise bei Kildare zu Hause ein tolles und erotisches Spielchen. Dabei verstecken sich drei wunderhübsche Damen hinter einer durchsichtigen Gardine und zeigen abwechselnd ihr Bein, ihren Hintern und ihren Busen während die beiden darauf wetten wer sich denn gerade dahinter verbirgt. Es handelt sich dabei auch um eine sehr schön gefilmte Szene was Licht und Schatten betrifft. In Nebenrollen zu sehen gibt’s dann noch Ugo Sasso als alten McLaine, Omero Capanna, Fortunato Arena (der wohl der Schere zum Opfer gefallen ist), Bruno Arié (der von Django gleich zu Beginn eingelocht wird) und Franco Pasquetto, der Mulligan sein ganzes zusammengeklautes Geld abluchst, an dem er allerdings nicht lange Freude hat. Bei Capanna, der ja zu den häufigsten Nebendarstellern im italienischen Genrekino zählt, bin ich vor kurzem auf eine tolle Seite gestoßen, die von seinem Sohn gestaltet wurde, die ist wirklich äußerst empfehlenswert und informativ. Hier mal der Link: http://www.omerocapanna.it/

     

    In der Originalversion ist von einem Django weit und breit keine Spur handelt es sich doch um einen Durango. Die Figur des Durango verwendete Mauri später in den 70’ern noch einmal wieder allerdings verkörpert von Brad Harris in wesentlich schwächeren Filmen wie Seminò morte... lo chiamavano il Castigo di Dio (Er säte den Tod). Bei La vendetta è il mio perdono stand Mauri zwar offensichtlich wenig Budget zur Verfügung was ihn aber nicht daran hinderte einen außerordentlichen Western zu drehen, der streckenweise so richtig abrockt. Dass der Streifen auch noch sehr gut aussieht haben wir Kameramann Franco Delli Colli zu verdanken, von dem wir ja wissen, dass er sein Handwerk ziemlich gut versteht. Immerhin stand er bei so großartigen Filmen wie Giulio Questis Se sei vivo spara (Töte, Django) und Massimo Dallamanos La polizia chiede aiuto (Der Tod trägt schwarzes Leder) an der Kamera.

     

    Django: „Ich werde nicht eher Ruhe geben bis der letzte bezahlt hat.“
    Joana: „Du machst einen großen Fehler. So wie du es dir denkst wird es nie einen letzten geben. Eine Rache zieht die andere nach sich, eine Kette die nie endet.“

     

    Was den Film ein Level nach oben hebt ist die fantastische Synchronisation, die nicht nur mit tollen Stimmen aufwarteten kann sondern sich bei blöden Sprüchen angenehm zurückhält, die wenigen die man sich wohl nicht verkneifen konnte werden aber derart trocken dargeboten, dass sie auch nicht weiter stören (Owen: „Scheiß dir in die Hose solange du noch einen Hintern hast“ oder Gauner: „Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Der spritzt Blut wie eine Gießkanne“). Die Synchronisation gehört aber mit Sicherheit zum Besten was das Genre zu bieten hat. Solch eine Synchro bei Il momento di uccidere (Django – ein Sarg voll Blut), was wäre das ein Traum. Hinzu kommt noch der grandiose Soundtrack von Giancarlo Rizzo und Roberto Pregadio, der diese unerbittliche, nihilistische und kompromisslose Stimmung des Films perfekt unterstützt, besser geht’s kaum.

     

    Zur Sichtung lag mir das Video von Space Video zur Verfügung, die den Film unter dem Titel Django – das Lied des Todes veröffentlichte, die leider bereits eine ganz furchtbare Qualität aufweist, ist sie doch ziemlich rotstichig und in den Nachtszenen sieht man fast überhaupt nichts mehr. Die Fassung läuft auch gerade einmal knapp 78 Minuten und ist damit kürzer als die ohnehin schon verstümmelte deutsche Kinofassung von 82 Minuten. Bruckner gibt eine Originallänge von 94 Minuten an während Giusti zwischen 82 und 100 Minuten schwankt. Die Kürzungen sind meist sehr deutlich zu erkennen, mit schlechten Schnitten oder Überblendungen. Auch wird Django einmal in einem Moment gefangen genommen und kräftig vermöbelt und im Nächsten ist er dann plötzlich wieder frei. Solche Lücken gibt’s mehrere, aber ich schiebe das jetzt mal auf die doch recht umfangreichen Kürzungen. Eine gute Veröffentlichung ist auf alle Fälle mehr als überfällig, der Streifen hätte es sich mit Sicherheit verdient.

     

    Roberto Mauri schuf mit La vendetta è il mio perdono seinen mit Abstand besten Western neben dem ausgezeichneten ...e lo chiamarono Spirito Santo. Auf seine letzten Grüße wird Django keine Antworten mehr bekommen, denn es wird das letzte sein was seine Gegner zu hören bekommen. Ein kompromissloser, brutaler, ja geradezu nihilistischer Rachestreifen, der keine Gefangenen macht und absolut nicht für zarte Gemüter geeignet ist. Da wir Westernfans aber von Hause aus zu den harten Kerlen gehören sind wir bei La vendetta è il mio perdono auch genau richtig. Ein klasse Western und ein Meisterwerk aus der zweiten Reihe, ganz großes Kino das uns hier geboten wird. Uneingeschränkt empfehlbar.

     

    (1) Bruckner, Ulrich P.: Für ein paar Leichen mehr. Der Italo-Western von seinen Anfängen bis heute. Schwarzkopf und Schwarzkopf. Berlin 2002 S. 481
    (2) Kessler, Christian: Willkommen in der Hölle. Der Italo Western im Überblick. Terrorverlag. 2002. S. 269
    (3) http://215072.homepagemodules.de/u149085-Mailman-messages-7.html
    (4) http://www.deutsche-synchronsprecher.de/sprecher_h.htm
    (5) Giusti, Marco: Dizionario del Western All'Italiana. Milano, Arnold Mondadori Editore S.p.A. S.
    (6) Giusti, Marco: Dizionario del Western All'Italiana. Milano, Arnold Mondadori Editore S.p.A. S.

  • Autor: nerofranco
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