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Django - Die Totengräber warten schon

Italien, 1968

  • Originaltitel: Quella sporca storia del West
  • Alternativtitel:

    Johnny Hamlet

    That Dirty Story of the West

  • Regisseur: Enzo G. Castellari
  • Kamera: Angelo Filippini
  • Musik: Alessandro Alessandroni, Francesco De Masi, Audrey Noha
  • Drehbuch: Tito Carpi, Francesco Scardamaglia, Enzo G. Castellari, Bruno Corbucci
  • Inhalt:

    Als Django (im Original: Johnny) nach Jahren aus dem Bürgerkrieg heimkehrt, muss er erfahren, dass sein Vater nicht nur ermordet wurde, sondern auch dass seine Mutter mittlerweile den Onkel geehelicht und diesen dadurch zum Alleinherrscher über den großen Familienbesitz gemacht hat. Doch Johnny argwöhnt, dass sein Vater durch des eigenen Bruders Hand gestorben ist. Wie einst Hamlet schwört auch dieser heimgekehrte Sohn blutige Rache, unterschätzt aber dabei des Onkels Bösartigkeit...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Da sagt noch einer im Genrekino gäbe es keine Kultur. Enzo G. Castellari bringt Shakespeare in den Italowestern. Der Bezug zum großen, englischen Dichter kommt im Alternativtitel JOHNNY HAMLET allerdings um einiges besser zur Geltung als im hiesigen Verleihtitel, der ebenso wie deutsche Synchronisation wieder einmal den guten, alten Django bemüht. So wird der Hauptprotagonist Johnny kurzerhand in Django umgetauft.

     

    Hamlet wäre tatsächlich der passendere Name gewesen. Vergleicht man nämlich die Inhaltsangabe mit dem klassischen Theaterstück stellt man rasch fest, dass sich die Schicksale unseres jungen Sezessionskriegsveteranen mit dem des dänischen Königssohn wie ein Ei dem anderen gleichen. Der Vater vom eigenen Bruder gemeuchelt; der böhse Onkel reisst sich nicht nur den üppigen Grundbesitz unter den Nagel, sondern die Schwägerin gleich dazu. Und dem heimkehrenden Sohn bleibt nur der Durst nach Rache.

     

    Im ersten Drittel scheint Castellari seinen Italowestern Nr. 4 nach DJANGO KENNT KEIN ERBARMEN (1966), DIE SATANSBRUT DES COLONEL BLAKE und LEG IHN UM, DJANGO (beide 1967) einen ganz eigenen visuellen Anstrich verpassen wollen. Mit einer surrealen Traumsequenz steigt er in den Film ein. Er lässt uns an einem Meeresstrand erwachen, wo eine fahrende Theatergruppe gerade ihren Hamlet probt und trumpft danach mit einem mythisch dekorierten grabstein- und kerzenübersäten Friedhof in einer Höhle (!) richtig auf.

     

    Leider werden die Pfade der genre-untypischen Schauwerte nach zwanzig Minuten wieder verlassen und Castellari sattelt auf das Handelsübliche um. Dabei bleibt DJANGO – DIE TOTENGRÄBER WARTEN SCHON immer noch ein visuell starker und vor allem recht spannender Rache-Western, der seine Klasse nicht zuletzt seinen charismatischen Bösewichtern verdankt.

     

    Allen voran ist natürlich der eiskalte Horst Frank in der Rolle des Claudius –o Verzeihung! – des Claude Hamiliton zu nennen. Ein leichenreicher Showdown sowie ein einprägsames Kreuzigungsszenario, welches aus unserem Johnny/Hamlet/Django endgültig einen mythischen Märtyrer macht, runden diesen äußerst gelungenen Western ab und verzeihen dann auch die eine oder andere zu kasperig geratene Schlägerei des Mittelteils.

     

    PS: Die Verquickung von Shakespeare und Italowestern feierte allerdings nicht in diesem Film Premiere, sondern wurde schon ein Jahr zuvor im Jahre 1967 in Gianni Puccinis GLUT DER SONNE praktiziert. In dieser Blei-Oper geben Peter Lee Lawrence und die aus dem LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN bekannte Cristina Galbò Romeo und Julia und die spanische Horrorlegende Paul Naschy niemanden Geringeren als Gevatter Tod höchstpersönlich.    

  • Autor: Christian Ade
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    Links

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    IMDb

     

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