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Django - Die Nacht der langen Messer

Italien, 1970

  • Originaltitel: Ciakmull - L'uomo della vendetta
  • Alternativtitel:

    La puerta del infierno (ESP)

    Ciak Mull (FRA)

    O Homem da Vingança (POR)

    Chuck Moll (USA)

    The Unholy Four (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 07. August 1970
  • Regisseur: Enzo Barboni
  • Kamera: Mario Montuori
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: George Eastman, Franco Rossetti, Mario di Nardo
  • Inhalt:

    Die Brandstiftung in einer Irrenanstalt und dem Gefängnis soll von einem Banküberfall ablenken. Viele der Insassen kommen ums Leben, doch vier von ihnen können den Flammen entkommen; unter ihnen auch Django (Leonard Mann). Gemeinsam ziehen sie von jetzt an weiter, um Licht ins Dunkel von Djangos Vergangenheit zu bringen, der an einer Amnesie leidet und sich an keinerlei Einzelheiten erinnern kann. Die vier Männer landen in einem unscheinbaren Nest, wo ihm ein Mann namens Tom (Lucio Rosato) einredet, Djangos Bruder zu sein. Durch Lügen und Tricks will er ihn schließlich dazu bringen, John Caldwell (Helmuth Schneider), den größten Rivalen seines Vaters, ins Jenseits zu befördern. Doch hinter dieser Sache steckt ein perfides Komplott. Wird Django die Erinnerung wieder erlangen, bevor es zu spät ist..?

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Der ehemalige Kameramann Enzo Barboni lieferte mit diesem 1970 entstandenen Italo-Western sein Spielfilmdebüt als Regisseur. Zunächst darf einmal gesagt werden, dass der aus werbestrategischen Gründen mit "Django" versehene deutsche Titel vielleicht weniger in die Irre führt, als dass er die Geschichten nicht recht auf den Punkt bringen will. Dem Empfinden nach bekam nahezu jeder dritte Genre-Beitrag seine Feuertaufe durch den namentlichen Zusatz und die jeweiligen Titelhelden wurden mit den Gesichtern von unterschiedlichen Darstellern versehen. In dieser Produktion übernimmt der in Italien geborene Darsteller Leonard Mann diese Aufgabe, die er letztlich zu einer dankbaren machen kann. Elixier und gleichzeitig größte Stärke des Films ist die in Teilen unkonventionell wirkende und insgesamt sehr interessante Geschichte, die ihre Stärken aus nicht über die, für das Genre essentielle Konfrontation, sondern vor allem über einige Twists und im verborgenen liegende Elemente aufbauen kann.

     

    Der Einstieg beginnt mit dem Inferno in Anstalt und Knast hoch atmosphärisch und brandmarkt gleichzeitig die Bösewichter, sorgt aber auch dafür, dass sich der Zuschauer schnell mit den Sympathieträgern solidarisieren kann; vollkommen egal, ob es sich um jene handelt, deren Gedanken nicht mehr ganz auf allen vier Zylindern laufen, oder sie womöglich Verbrecher und Mörder sind. Die Suche nach der verloren gegangenen Identität und der verschwommenen Vergangenheit kann schließlich beginnen und wird ganz klassisch als Kollisionskurs aufgebaut. Bevor es zum Ort des, für spätere Zeitpunkte geplanten Showdowns geht, nehmen die vier locker gezeichneten Helden noch einige Etappen, um sich weiter vorzustellen. Es werden hier und da ein wenig Action und nette Choreografien kredenzt, außerdem ist eine sehr eingängige, wenn auch ungewöhnlich heitere musikalische Untermalung von Riz Ortolani zu hören.

     

    "Django - Die Nacht der langen Messer" verfügt über eine sehr ausgewogene Besetzung, die sich in jeder Beziehung als Bereicherung für den Verlauf herausstellt. In erster Linie ist natürlich die Titelrolle zu erwähnen, die schon alleine durch Leonard Manns optische Erscheinung funktioniert. Der markante Typ ohne Gedächtnis wird von ihm der Anforderung entsprechend gehemmt und misstrauisch im Umgang mit Fremden skizziert, zumindest zunächst. Die Leistung des Wahl-Amerikaners entwickelt sich zu einer prägnanten Vorstellung, bei der alle Attribute eines Western-Helden präsentiert werden. Seine bereits drei Jahre andauernde Amnesie erweist sich nur sekundär als Schwäche, denn die Stärken entstehen im Rahmen der Konstellation, beziehungsweise seiner bunt zusammengewürfelten Gefolgschaft. Woody Strode, Peter Martell und George Eastman bedienen das Prinzip der Beihilfe in jeder Beziehung und durch sie kann der angeschlagene Held eher strahlen, bis es zu erwarteten Wendungen kommt.

     

    Die Darbietungen der drei Darsteller wirken überzeugend, wenngleich Peter Martell wohl den undankbarsten Part abbekommen hat. Stattliche Erscheinungsbilder, eine gute Portion Cleverness und Kaltschnäuzigkeit, aber auch Fingerspitzengefühl und das tendenzielle Hochhalten von Tugenden, lassen das Quartett zuschauerfreundlich und interessant genug erscheinen, um ihnen gerne auf ihrem Weg in die eigene Ungewissheit zu folgen. Überhaupt sind durchweg tatkräftige Akteure zu sehen und besonders der Auftritt des Deutschen Helmuth Schneider ist erfreulich, der sich in den 60er-Jahren in Rom niedergelassen hatte, denn er wirkt insgesamt sehr bestimmend und verbreitet Durchsetzungskraft und Vehemenz. Abgerundet durch den anmutigen Auftritt von Ida Galli, wird Enzo Barbonis Beitrag alleine durch seine Darsteller zu einer sehr abwechslungsreichen Angelegenheit.

     

    Ein Großteil der Spannung wird über die Verstrickungen der Figuren untereinander und über sie Frage aufgebaut, ob einige der Sympathieträger über die Klinge springen müssen. Von Anfang an wohnt man gefährlichen Etappen bei. Angefangen mit dem Brand im Gefängnis und der Irrenanstalt, bis sich das Quartett mit waschechten Kopfgeldjägern konfrontiert sieht, die die Entflohenen hetzen wie Beute. Am Zielort der Aufarbeitung angekommen, scheint des Weiteren jeder dafür prädestiniert zu sein, sich an dem perfiden Komplott gegen Django zu beteiligen, sodass der Eindruck vermittelt wird, dass jederzeit eine mörderische Hand aus dem Nichts schnellen, oder ein Colt gezogen werden könnte. Die Regie spart sich auflockernde Sequenzen nicht auf, die "Django - Die Nacht der langen Messer" eigentlich nicht nötig gehabt hätte, da eine angemessene Dramatik mitschwingt, die sich aber wohlgemerkt nur in Andeutungen zeigt.

     

    Hass und Missgunst bringt die Story einen entscheidenden Schritt weiter. Hier und da hätten sich ein paar mehr prägnante Rückblenden vielleicht ganz gut gemacht, doch der Aufbau der Geschichte ist zu jederzeit klar und verständlich, auch auf handwerklicher Ebene bewegt sich das Ganze über dem Durchschnitt. Der mit genügend Kugelhagel versehene Weg zum Finale birgt letztlich den größten Action-Anteil und wenn alles gelaufen ist, wirkt das Ende ein bisschen irritierend, da nicht unbedingt das geboten wird, was etwa zu erwarten gewesen wäre, doch schließlich passt die gewählte Variante sehr gut zum breit angelegten, trostlosen Gesamtbild. Unterm Strich lässt sich also betonen, dass Enzo Barbonis Beitrag recht überzeugend, kurzweilig und vor allem unterhaltsam geworden ist. Im Besonderen können die Figuren einen bleibenden Eindruck hinterlassen, die die ohnehin packende Geschichte tatkräftig in die gewünschten Bahnen lenken werden. Sehenswert!

  • Autor: Prisma
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