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Die sich in Fetzen schießen

Italien | Spanien, 1967

  • Originaltitel: Dio non paga il sabato
  • Alternativtitel:

    Dio non paga il sabato (BRA)

    Dieu ne paie pas le samedi (FRA)

    God Does Not Pay on Saturday (GBR)

    Kill the Wicked! (USA)

    Kill the Wickeds (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 15. Oktober 1971
  • Regisseur: Tanio Boccia
  • Kamera: Giuseppe Aquari
  • Musik: Angelo Francesco Lavagnino
  • Drehbuch: Mino Roli
  • Inhalt:

    Mit reicher Beute ziehen sich eine Handvoll Banditen unter der Führung des skrupellosen Bradock in eine scheinbar verlassene Geisterstadt zurück, um Gras über ihre Verbrechen wachsen zu lassen. Doch zwei arglose Reisende, die zufällig in die Stadt kommen sowie eine alte Frau bringen den Plan der Desperados gehörig durcheinander. In der Folgezeit werden alle Beteiligten zunächst zu denen, die sich mit dem Patronengurt wamsen und dann zu jenen, DIE SICH IN FETZEN SCHIESSEN...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Im Bonus-Segment der deutschen DVD berichtet uns der italienische Filmexperte Fabio Melelli, dass der Filmemacher Tanio Boccia damals im römischen Kino-Imperium im Ruf eines – ich zitiere- „unfähigen Regisseurs“ gestanden haben soll. Den Lästermäulchen zufolge, soll er gar so etwas wie „Cinecittàs own Ed Wood“ gewesen sein.

     

    Nachdem ich nun meinen ersten Film der vermeintlichen filmischen Flachzange hinter mir habe, fallen mir zum Ursprung dieser bitterbösen Gerüchte nur zwei Möglichkeiten ein. Entweder hat die böse Zunge, die seinerzeit so unerbittlich über Signor Boccia hergezogen hat, diesen mit Demofilo Fidani oder Mario Sicillano verwechselt oder sie hat DIE SICH IN FETZEN SCHIESSEN noch nicht gesehen.

     

    Dieses hundsgemeine Banditen-Requiem aus dem Jahr 1967 ist nämlich definitiv nicht das Werk eines Stümpers, sondern ein düster in Szene gesetzter Western, der neben einigen brutalen Keulen auch einiges an Atmosphäre bietet. Für erstere sorgen die kaltblütigen Bandenmitglieder um den Oberfiesling Bradock (gespielt von Fernando Sancho-Lookalike Furio Meniconi) und für letzteres eine heruntergekommene, spinnwebenüberzogene Geisterstadt, die mehr als einmal mit Elementen des gotischen Horrorfilm kokettiert. Als Beispiele seien hier das isolierte, verfallene Set genannt, die Gestalt, die nächtens durch die Ruinen schleicht oder das alte Gesicht, das durch ein Fenster starrt...

     

    Doch vor allem ist – nomen est omen btw - DIE SICH IN FETZEN SCHIESSEN natürlich ein Italowestern deftigeren Zuschnitts, der sich insbesondere mit einer längeren Foltersequenz, in welcher Wasserentzug und ein Patronengurt schmerzhafte Rollen spielen, einen kleinen Namen gemacht hat. Auch sonst regiert die Gewalt: Blutige Einschusslöcher, verkommene Subjekte, sadistische Quälereien – Regisseur Boccia dreht ordentlich am Härtegradregler. Weil er darüberhinaus Fingerspitzengefühl für eine stimmig-düstere Inszenierung beweist, sei ihm auch der alberne Gimmick mit dem Kavallerie-spielenden Pferd, das in einer Szene auf Zupfiff dem Helden zu Hilfe reitet, vergeben.

     

    Nee, nee. Meine Absolution bekommt Tanio Boccia. Hier war zwar kein Epos-schaffender Leone am Werk; gewiss aber auch kein römischer Ed Wood. Sondern ein Kerl, der mit DIE SICH IN FETZEN SCHIESSEN eine kleine, düstere wie gefällige Bleioper gemacht hat, die gerne auch mal aufs ruppige Pferd setzt. Selbst die Frauen, die sich in der Männerdomäne Spaghettiwestern leider viel zu oft mit undankbaren, weil unterwürfigen Rollen begnügen müssen, dürfen hier die Sau raus lassen. Allen voran das rote Gift María Silva, die sowohl als Henchgirl beim Postkutschenüberfall als auch nackig im Pferdetrog eine Bombenfigur abgibt. Und beim waschechten Catfight mit Daniela Igliozzi sowieso.

     

    PS: Drei Jahre später haben Boccias Kollege Cesare Canevari und seine Crew eine Schüssel lustiger Pilze gevespert und das Drehbuch von Mino Roli unter anderem mit Lou Castel und Corrado Pani gleich nochmal auf psychedelisch verfilmt. Das Ergebnis: MATALO! (aka WILLKOMMEN IN DER HÖLLE), das bizarre, drogenvernebelte Remake von DIE SICH IN FETZEN SCHIESSEN. Aber von diesem hat euch ja schon der geschätzte Amigo Maulwurf berichtet.

  • Autor: Christian Ade
  • Veröffentlichungen:

    Da DIE SICH IN FETZEN SCHIESSEN Teil der formidablen zweiten Italowestern-Enzyklopädie aus dem qualitätsbewussten Hause Koch Media ist, kann der geneigte Filmfreund auf eine in Bild (1:85:1) und Ton (englisch, deutsch, italienisch) gute und vor allem ungekürzte DVD zurückgreifen. Es gibt ein vierundzwanzigminütiges Interview mit Darstellerin Daniela Igliozzi, die sich an Reitunterricht, ihren mittlerweile verstorbenen Ehemann Armando Bandini und natürlich an DIE SICH IN FETZEN SCHIESSEN erinnert sowie ein elfminütiges Featurette, in welchen uns der Filmgelehrte Fabio Melelli etwas zum Film und seinen Akteueren berichtet. Abgerundet wird die Veröffentlichung von einer Bildergalerie und drei Trailern zu Boccias ruppiger Bleioper.

  • Autor: Christian Ade
  • Links

    OFDb

    IMDb

     

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