Die Mondschein-Killer

Italien, 1976

  • Originaltitel: 4 minuti per 4 miliardi
  • Alternativtitel:

    Quatre milliards en quatre minutes (FRA)

    Four Billion in Four Minutes (GBR)

    4 Billion in 4 Minutes (USA)

    Quelli dell'antirapina

  • Regisseur: Gianni Siragusa
  • Kamera: Guglielmo Mancori
  • Musik: Franco Reitano, Mino Reitano
  • Drehbuch: Italo Alfaro, Gianni Siragusa
  • Inhalt:

    Der „Professor“ (John Richardson) hat vom Gefängnis aus Mithilfe seiner Frau Peggy (Lea Lander) einen Milliardencoup ausgeheckt, den ein paar Gangsterfreunde von ihm nach seinen Anweisungen ausführen. So erbeuten sie 4 Milliarden Lire (in der DF 400.000 Dollar) und wollen im Anschluss den Professor aus dem Knast befreien.

     

    Kurz vor der Befreiungsaktion wird der kleine Gauner Raffaele (Antonio Sabato) nach einer Prügelei in die Zelle des Professors verlegt und so ist er bei dem Ausbruch dabei. Anschließend trennen sich ihre Wege, und nachdem Raffaele bei einem stümperhaft ausgeführten Bankraub zwei Carabiniere erschossen hat, drängt er sich erneut der Bande des Professors auf.

     

    Plötzlich macht ein unbekannter Killer Jagd auf die Gangster.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Die Mondschein-Killer“ ist die erste Regiearbeit von Gianni Siragusa, der uns vier Jahre später auch den eher misslungenen „Buitres sobre la ciudad“ mit Maurizio Merli, Mel Ferrer und Hugo Stiglitz bescherte. Die Story von „4 minuti per 4 miliardi“ ist erst mal interessant, allerdings nicht sehr prickelnd umgesetzt. Musikalisch dröge wird das Ganze anscheinend von den wenig bekannten Franco & Mino Reitano untermalt, im Vorspann meiner gesichteten Kopie wird dagegen Dette Mariano genannt, was aber auch nicht viel besser gewesen wäre. In den Actionszenen (2 mal Bankraub, eine Autoverfolgungsjagd, ein Gefängnisausbruch) glänzen die Komponisten meist durch Abwesenheit. Außer dem halbwegs akzeptablen Titelstück ist die Musik insgesamt kaum als nennenswerter Versuch zu bezeichnen, Spannung zu erzeugen.

     

    Inhaltlich sieht es so aus: der Professor, der uns als Genie beschrieben wird, weiß erstaunlich wenig. Immer wieder wird er scheinbar mit Überraschungen überfordert. Dass er anschließend behauptet, das habe er doch vorher gewusst, lässt ihn nicht besser dastehen. Aber er ist es ja auch nicht, denn eigentlich ist seine Frau das Genie, zumindest glaubt sie das. Ich halte sie alle nicht für Genies, und dass der „Milliardenraub“ (Lire, lol) in 4 Minuten stattfand, wie uns der Originaltitel suggeriert, ist schlichtweg falsch: offenbar hat man das stundenlange Schläfchen der Gangster im Wartungsraum und die anschließende – völlig unlogische – Manipulation des Fahrstuhls von der Zeit abgezogen.

     

    Zum Ende hin werden wir mit einem unbekannten Killer, diversen Liebschaften Peggys und der Frage konfrontiert, wer hier eigentlich wen reinlegen will. Aber um ehrlich zu sein, hat mich das längst nicht mehr sonderlich interessiert. Und der „Überraschungs“-Twist am Ende bezüglich Antonio Sabatos Figur war nun nicht so überraschend, wie er es wohl sein sollte. Entschädigt wird man mit ein paar schönen Locations in Genua und Rapallo (ca. 30 km von Genua entfernt) in der Provinz Ligurien. Insgesamt ist „Die Mondschein-Killer“ durchschnittliche Krimiunterhaltung, kann man gesehen haben, muss man aber nicht. Lernen kann man aber trotzdem etwas: nur weil ein Plan besonders kompliziert aussieht, muss er noch lange nicht genial sein, und das Genie dahinter somit auch nicht. Und: kompliziert ausgetüftelte Raubzüge sind für den Zuschauer leider eher langweilig anzusehen.

     

    Die deutsche VHS (Vollbild, mit stark beschnittenen Seitenrändern) hat eine Lauflänge von 97 Minuten und scheint ungekürzt. Die 103-minütige italienische YouTube-Fassung weist abgesehen davon, dass sie ein paar Sekunden früher einsetzt, keine Szenenunterschiede auf, scheint also nur eine andere frame-rate zu haben.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb
    IMDb

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