Die letzten Tage von Pompeji

Deutschland | Italien | Spanien, 1959

  • Originaltitel: Gli ultimi giorni di Pompei
  • Alternativtitel:

    Los últimos días de Pompeya (ESP)

    Les derniers jours de Pompéi (FRA)

    Os últimos dias de Pompeia (POR)

    The Last Days of Pompeii (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 22. Dezember 1959
  • Regisseur: Mario Bonnard
  • Kamera: Antonio L. Ballesteros
  • Musik: Angelo Francesco Lavagnino
  • Drehbuch: Ennio De Concini, Luigi Emmanuele, Sergio Leone, Duccio Tessari, Sergio Corbucci
  • Inhalt:

    Im Jahre 79 a.D. kehrt Centurio Glaucus (Steve Reeves) von einem langen Krieg in Syrien in seine Heimatstadt Pompeji zurück. Bereits auf dem Weg in die Stadt rettet er Elena (Christine Kaufmann), der Tochter des Statthalters Ascanius das Leben. Er ist beeindruckt von der Schönheit und Unschuld der jungen Frau. In der Stadt angekommen, beschützt er den Dieb Antonios (Ángel Aranda) vor der Verhaftung durch die Prätorianer. Als Antonio erfährt wer sein Retter ist, wagt er es nicht diesem zu sagen, dass während seiner Abwesenheit seine gesamte Familie ermordet wurde.

     

    Schon seit einiger Zeit treibt eine Bande von maskierten Banditen sein Unwesen in der Stadt, die stets nur die wohlhabendsten Villen berauben und die Bewohner anschließend töten. Als Markenzeichen hinterlassen sie ein aufgemaltes Kreuz, weshalb alle glauben, hinter den Schandtaten steckten die Christen. Bestärkt wird Statthalter Ascanius in diesem Glauben letztendlich auch durch die Einflüsterungen seines Beraters, des Hohepriesters des Tempels der Isis, Arbaces (Fernando Rey).

     

    Schließlich entdeckt der Dieb Antonio eine Spur auf die Banditen, und es scheint immer unwahrscheinlicher, dass tatsächlich Christen die Taten begangen haben. Trotzdem lässt der Statthalter – fast schon widerwillig – eine Gruppe von Christen durch die Prätorianer und deren Befehlshaber Gallinus (Mimmo Palmara) verhaften und droht, sie den Löwen vorzuwerfen, wenn sie die wahren Schuldigen nicht preisgeben. Unter ihnen befindet sich auch Elenas blinde Dienerin Nydia (Barbara Carroll), die Geliebte von Antonio. Glaucus versucht alles, die Christen zu rehabilitieren und die wirklichen Mörder zu entlarven, und nachdem der Statthalter ermordet und dessen Tochter Elena ebenfalls in die Arena soll, drängt die Zeit.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Sergio Leones Meisterwerk“
    (Tagline auf deutschem Plakat)

     

    Haken also wir also zuerst das Thema Sergio Leone ab. Wie schon bei „Quo Vadis“, „Ben Hur“ oder „Die schöne Helena“ fungierte Leone als ungenannter Second Unit- Regisseur. Gerüchten zufolge soll er gar für den gesundheitlich angeschlagenen Mario Bonnard am Ende übernommen haben. Trotz aller Uneinigkeit bei den Details scheint die Leone-Familie sich jedoch sicher, dass er keinen künstlerischen Einfluss auf das Projekt hatte. Dabei war er doch Co-Autor? Die Gerüchte-Küche darf also weiterkochen.

     

    Mario Bonnards Regie-Arbeit „Die letzten Tage von Pompeji“ ist ein durchaus ungewöhnlicher italienischer Peplum-Beitrag, denn er orientiert sich sehr an Hollywood-Vorbildern – mit deutlichen Quo Vadis-Anleihen – und hat durchaus das Zeug zu einem Klassiker. Dass der Original-Herkules-Darsteller Steve Reeves hier die Hauptrolle übernahm, tut dem Ganzen keinen Abbruch, denn ohne sein gestutztes Herkules-Bärtchen hält sich der Wiedererkennungswert in Grenzen. Die Story basiert auf dem Roman von Edward Bulwer-Lytton und wurde als Drehbuch von gleich vier Italo-Schwergewichtlern – Ennio de Concini, Sergio Leone, Duccio Tessari und Sergio Corbucci – adaptiert. Plus einem gewissen Luigi Emmanuele, dessen künftige Autorenkarriere sich eher in Grenzen hielt.

     

    Die Kerle: neben Steve Reeves sehen wir Fernando Rey in der Rolle des Isis-Priesters Arbaces, der er neben seinem markanten Gesicht allerdings nicht viel Tiefe verleiht. Überzeugender sind Ángel Aranda als sympathischer Dieb Antonio und Mimmo Palmara als einziger wirklich übler Schurke des Films. Denn abgesehen von Palmaras Charakter haben die Drahtzieher der Morde ihre nachvollziehbaren Gründe, weshalb man sie als Zuschauer nicht komplett verabscheuen kann. Eine angenehme und schließlich tragische Ausstrahlung verleiht Guillermo Marín seiner Figur des Statthalters Ascansius.

     

    Die Mädels: die gerade erst gestern am 28. März 2017 verstorbene Christine Kaufmann spielt die Unschuld Elena, macht dabei eine überaus sehenswerte Figur und wird ihren Fans wohl vor allem auch deshalb immer im Gedächtnis bleiben, gerade weil ihre Persönlichkeit nicht so ganz der von Protagonistin Elena entsprochen hat. Barbara Carroll spielt ihre Rolle als blinde Christin mit leidenschaftlich hingebungsvoll leuchtenden Augen...o Gott, habe ich das jetzt wirklich geschrieben? Aber das tut sie eben, nicht meine Schuld. Ein echter Hingucker ist ebenfalls Julie, die Frau des Statthalters, gespielt von Anne-Marie Baumann, deren Filmographie leider nur sechs Einträge umfasst. Schade eigentlich, eine sehr klassisch-elegante Erscheinung mit einem Hauch von mütterlicher Bitterkeit.

     

    Die Inszenierung von Regisseur Marion Bonnard beginnt mit einem (für 1959) recht heftigen Massaker, und es gelingt ihm, über die gesamten 90 Minuten eine dramatische Spannung aufrecht zu erhalten. Eher ungewöhnlich für einen Italo-Film ist, dass begonnene Fäden später tatsächlich wieder aufgegriffen werden, was einigen Nebencharakteren des Films sympathische Tiefen verleiht. Filmkomponist Angelo Francesco Lavagnino gelang hier ein durchaus monumentaler Klassik-Soundtrack, auch wenn man diesem die kleinere Orchester-Besetzung im Vergleich zu größeren Hollywood-Monumentalklassikern schon gelegentlich anhört.

     

    Der Untergang: die Special Effects des Vesuv-Ausbruchs und der Zerstörung Pompejis (nein, das ist kein Spoiler, lest ein verdammtes Geschichtsbuch) sind durchaus gelungen, bei den Sound-Effekten dazu hapert es ein wenig. Hat mich ein wenig gestört, dass das Ganze gelegentlich wie ein Silvester-Feuerwerk klingt. Da hätte man ruhig mit ein wenig mehr Rumms rangehen können. Und als Nihilist könnte man sich natürlich – wie bei den meisten anderen Katastrophen-Filmen auch – am Ende die Frage stellen, wozu die ganze Mühe, wenn man doch eh von vornherein weiß, dass alles vor die Hunde geht? Weil wir Menschen im tiefsten Innern wohl doch glauben, dass am Ende alles besser wird – und manchmal ist das sogar der Fall.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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