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Die im Staub verrecken

Italien, 1967

  • Originaltitel: El desperado
  • Alternativtitel:

    Escondido (GER)

    Django - Die im Staub verrecken (GER)

    Django - Die im Schlamm verrecken (GER)

    El Desesperado (ESP)

    Big Ripoff (USA)

    The Dirty Outlaws (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 1969
  • Regisseur: Franco Rossetti
  • Kamera: Angelo Filippini
  • Musik: Gianni Ferrio
  • Drehbuch: Vincenzo Cerami, Ugo Guerra, Franco Rossetti, Elio Scardamaglia
  • Inhalt:

    Steve, genannt Desperado, immer allein und immer auf der Flucht vor Leuten die er grad beklaut hat, erfährt durch einen sterbenden Soldaten von einem Geldversteck in einer Geisterstadt, in welcher nur der blinde Vater dieses Soldaten lebt. Kurzerhand gibt er sich als Sohn aus und versucht an das Geld zu gelangen. Dabei kommt er einer Gruppe Banditen in die Quere, die auf einen Goldtransport der Konföderierten scharf sind. Da die Gruppe aber von einer Verflossenen Steves begleitet wird, wird er nicht umgelegt sondern in die Bande aufgenommen. Allerdings hat er sich mittlerweile in die junge Begleiterin des Blinden verliebt, was die Sachlage kompliziert. Vor allem, als endlich das Gold geliefert wird. Das junge Mädchen als Geisel festgehalten wird. Und der blinde Mann mit einem Revolver rumfuchtelt. Der Anführer der Banditen, der sadistische Asher, macht dann kurzerhand Tabula Rasa und will allen an den Kragen die nicht für ihn sind …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Im Kino hieß der Film damals ESCONDIDO, nach dem Ort in dem der Großteil der Handlung spielt, und das Video wurde dann unter dem schmackigen Titel DIE IM STAUB VERRECKEN vermarktet. Die Firma Movie Power hing dann bei der deutschen DVD-Premiere den idiotischen Zusatz DJANGO mit dran, und mit der Wiederveröffentlichung bei Savoy Films kam dann endlich der Titel zum Zuge, der den Nagel auf den Kopf trifft: DIE IM SCHLAMM VERRECKEN. Denn nichts anderes passiert hier: Männer, die im Schlamm und unter Qualen elend abkratzen! Regisseur Franco Rossetti hat auch am Drehbuch von DJANGO mitgeschrieben, offensichtlich hat der Mann eine Vorliebe für Fango-Packungen und schmutzige Stories mit der ein oder anderen Wendung.

     

    Dabei ist der Plan eigentlich recht gut: Steve tut beim blinden Papa so als ob er Bill wäre, der tote Soldat und eigentliche Sohnemann, reißt sich das Geld unter den Nagel und verzischt sich. OK, das hübsche Mädel ist wirklich hübsch, und Steve kann sich nicht so recht losreißen. Dadurch macht er dummerweise Bekanntschaft mit der Bande des fiesen Asher, aber dank der Fürsprache seiner Verflossenen Lucy, Ashers Geliebter, bleibt er am Leben. Da er eine Uniform der Südstaaten trägt darf er mit den ankommenden Soldaten Goldsack-wechsle-dich spielen, und natürlich schnappt er sich das Gold und flüchtet. Asher ist aber alles andere als dumm und holt Steve mitsamt dem Gold wieder zurück in die Geisterstadt. Und dann passieren zwei Dinge: Zum einen eskaliert die Situation als der blinde Vater mit einem Colt bewaffnet die Szenerie betritt. Und zum anderen hat der Film dann noch mehr als 45 verdammt spannende Minuten Laufzeit vor sich!

     

    Klar, der Plot hat mehr Löcher als ein Toter am Ende eines Westerns, aber was soll’s? Es geht um Unterhaltung, und zwar um Unterhaltung unter besonderer Berücksichtigung von Gewalt und Zynismus. Das Lexikon des Internationalen Films schreibt „Eintöniger Italowestern, besonders brutal“, und die italienische Kritik urteilte „in monotoner Wiederholung der langweiligsten überstrapazierten Klischees des Italowesterns [legt der Film] allein den Fokus auf den obsessiven Einsatz von Gewalt“[1]. Jawoll, so wollen wir das!! Und ich kann diese Aussagen, bis auf die Begriffe „Eintönigkeit“ und „Monotonie“, auch absolut unterschreiben. Schon was der Held alles ertragen muss ist ziemlich heftig. Bei den Tritten in seinen Rücken jubelten meine Bandscheiben, und dass das Ganze im knöcheltiefen Schlamm stattfindet macht es nicht besser, nur intensiver. John Bartha als abtrünniger Soldat muss auch eine verdammt schmerzhafte Zeit hinter sich bringen und wird die leisen Stellen des Scores bestimmt nicht mehr hören, und sogar die gutaussehende und stolze Dana Ghia landet irgendwann mal im Dreck. Die Prügeleien sind ebenfalls realistisch dargestellt, und auch das Ende eines Charakters im Saloon ist für einen Film des Jahres 1967 schon harter und realistischer Tobak. Überhaupt sucht die abgrundtiefe Bosheit, die den Film durchzieht, ihresgleichen, und Nettigkeit bedeutet hier nur, sein Gegenüber schnell zu töten anstatt es zu quälen. Schon dass der „Held“ einen blinden Mann ausnehmen will zeigt, wie sehr die Welt auf den Hund gekommen ist.

     

    Insgesamt macht ESCONDIDO also erstmal jede Menge Spaß, insofern man sich an Verkommenheit und Abschaum ergötzen kann. Die Darsteller sind mit viel Leidenschaft dabei, und es fragt sich ob wirklich alle immer Freude hatten an ihrem dreckigen Beruf. Andrea Giordana ist nicht der weltbeste Darsteller, und hier versucht er in erster Linie männlich-cool zu schauen, was ihm aber außerordentlich gut gelingt. Den Loner mit Nehmerqualitäten nimmt man ihm jedenfalls jederzeit ab, wobei zugegeben die Sache ohne Dreitagebart anders aussähe. Die beiden Damen, Dana Ghia als herbes Gangsterliebchen und Rosemary Dexter als Steves süße Gefährtin, wirken ausgesprochen … weiblich, und die Banditen unter der Leitung von Franco Giornelli sind durch die Bank Schweine wie sie im Buche stehen. Sogar Dino Strano, auch bekannt als Dean Stratford, der unter anderem später in vielen Fidani-Western zugange war, nervt mich diesmal kaum bis gar nicht. Herausragend ist Piero Lulli, der hier eine der wenigen positiv konnotierten Rollen seiner Karriere spielt und einer der wenigen Sympathieträger des Films ist. Kennt man so von dem Mann sonst eher nicht …

     

    Insgesamt weht dieser Hauch von WILLKOMMEN IN DER HÖLLE durch den Film, und auch wenn der erst drei Jahre später entstanden ist, komme ich nicht umhin, die ein oder andere Parallele zu ziehen. Da ist schon mal die Sache mit der Gewaltdarstellung: In beiden Filmen wird die Gewalt vollkommen überzogen und exzessiv gezeigt, sind längere Folterszenen enthalten, sind die Bösen dermaßen abgrundtief miese und asoziale Typen wie ich es selten gesehen habe (zumindest innerhalb des Kinos …). Vor allem herrscht die gleiche Grundstimmung: Eine Gruppe von Menschen bekämpft sich in einer Geisterstadt unter Einsatz äußerster Gewalt bis aufs Messer. Und wem DIE SICH IN FETZEN SCHIESSEN gefallen hat, welcher ja bekanntlich das Original von WILLKOMMEN IN DER HÖLLE IST, der kann bei ESCONDIDO gar nichts verkehrt machen.

     

    Unbedingt erwähnenswert ist der Titeltrack, der Western-Schunkel-Mukke vom Feinsten bietet und sehr nachhaltige Ohrwurmqualitäten zeigt. Aber der eigentliche Score, der außer verschiedenen Varianten der Titoli auch gelegentliche dissonante Tonfolgen beinhaltet die Stimmung erzeugen und einen „klassischen“ Score weit hinter sich lassen, der ähnelt dann wiederum … WILLKOMMEN IN DER HÖLLE (was übrigens als Titel ebenfalls wie die Faust aufs Auge passen würde, dies aber nur nebenbei).

     

    Und weil mir als Schlusssatz überhaupt nichts einfällt, möchte ich ganz einfach DIE IM SCHLAMM VERRECKEN jedem wärmstens ans Herz legen, der auf harte, brutale und zynische Italo-Western steht. Und auch schmutzige …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde die DVD von Savoy Films, die zwar „nur“ durchschnittliche Extras bietet (deutscher / italienischer / englischer / US-amerikanischer Trailer, Bildergalerie, Trailershow), dafür aber mit einem sehr guten Bild und gutem Ton aufwarten kann. Leider sind der vorliegende italienische Originalton und der englische Ton mal wieder ohne Untertitel an Bord, aber dafür ist die Version uncut. In der deutschen Fassung fehlende Stellen sind deutsch untertitelt.

  • Autor: Maulwurf
  • Filmplakate

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