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The Devil's Honey

Italien | Spanien, 1986

  • Originaltitel: Il miele del diavolo
  • Alternativtitel:

    La miel del diablo (ESP)

    Le miel du diable (FRA)

    Divina Obcessão (POR)

    Dangerous Obsession (USA)

    Divine Obsession

    Dämon in Seide

  • Regisseur: Lucio Fulci
  • Kamera: Alejandro Ulloa
  • Musik: Claudio Natili
  • Drehbuch: Jaime Jesús Balcázar, Lucio Fulci, Ludovica Marineo, Vincenzo Salviani
  • Inhalt:

    Cecilia (Blanca Marsillach) führt eine leidenschaftliche aber doch von Missbrauch geprägte Beziehung mit dem Saxophonisten Gaetano (Stefano Madia), der mit ihr macht, was, wann, wo und wie er es will. Cecilia wünscht sich ein Kind von ihm, aber das lehnt er ab. Als er nach einem Streit von seinem Motorrad fällt, klagt er zunächst nur über Kopfschmerzen, später im Aufnahmestudio bricht er schließlich ohnmächtig zusammen. Der Chirurg Dr. Guido Domenici (Brett Halsey) führt eine lieblose Beziehung mit seiner Frau Carole (Corinne Clery), die sich nach ihm sehnt aber seine sexuellen Bedürfnisse nicht erfüllen kann. Guido lebt seine leicht masochistisch geprägten Triebe bei Prostituierten aus, und er will gar nicht, dass seine Frau sich mit diesen auf eine Stufe stellt. Nach einem letzten vergeblichen Versuch sich mit seiner Frau zu arrangieren, kündigt diese an, sich von ihm scheiden zu lassen. Genau in diesem Augenblick wird Guido ins Krankenhaus gerufen, wo Gaetano auf seinem Operationstisch stirbt. Cecilia ist am Boden zerstört und will Rache. Sie entführt den Chirurgen und kettet ihn in ihrem Haus an, um ihn zu demütigen und schließlich zu töten. Ohne es zu wissen, befriedigt sie damit ein paar von Guidos kühnsten erotischen Phantasien.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Nach „Murder Rock“ (1984) litt Lucio Fulci nahezu zwei Jahre an einer viralen Hepatitis mit Leberzirrhose, und so ist es sicher kein Zufall, dass in seinem nächsten Film ein Arzt eine wichtige Rolle spielt. Und was für ein Arzt. Dr. Domenici (Brett Halsey) führt eine lieb- und sexlose Ehe mit seiner Frau, und bei Prostituierten lebt er Phantasien aus, die auf eine Affinität zu Blut hindeuten. Indikator hierfür ist zunächst eine Szene, in der er sich daran erregt, wie eine Prostituierte blutroten Nagellack in Linien auf ihren Beinen und anschließend auf ihrem Unterleib verteilt. Dr. Domenicis Reaktion hierauf ist kurz und spontan, er kommt noch voll bekleidet in seine Hose. Ein weiterer Hinweis ist eine spätere Szene, in der er sein eigenes blutverschmiertes Gesicht am Bauch seiner Peinigerin Cecilia reibt.

     

    Genau, Cecilia. Die hat eine Beziehung mit einem reichlich sexbesessenen und triebhaften Saxophonisten, der einerseits schon viel für Cecilia empfindet, letztendlich dient sie allerdings nur als Spiegel für seine exzessiven Begierden. Am Anfang des Films sehen wir auch eine deutliche Rivalität zwischen Cecilia und dem Tonmeister „Nicky“ (Bernard Seray, der seine Schauspielkarriere in Ignacio F. Iquinos „Los violadores del amanecer“ begann). Diese Rivalität geht auf ein recht schockierendes Erlebnis zurück, welches wir gegen Ende des Films in einer Rückblende zu sehen bekommen. Der Tod des Saxophonisten Gaetano gibt kleine Rätsel auf, denn Fulci lässt den Zuschauer ähnlich wie die Figur Cecilia in dem Glauben, Dr. Domenici habe womöglich tatsächlich Schuld am Tod Gaetanos, wie er da so aufgeregt wegen dem Streit mit seiner Frau und abwesend gegenüber dem Patienten auf seinem Operationstisch, womöglich dessen Operation versiebt hat. Tatsächlich deuten die Ereignisse jedoch auf ein bereits vorhandenes Aneurysma in Gaetanos Kopf hin, welches bei dem keineswegs schweren Sturz Johnnys geplatzt ist. Das wird aber nicht aufgeklärt, die Schuldfrage bleibt offen.

     

    Der Sex, bzw. die erotischen Handlungen, welche der Zuschauer in „The Devil’s Honey“ geboten bekommt, passt zur Grundstimmung des Films, welche eine melancholische und schmerzerfüllte Einsamkeit widerspiegelt. Cecilia wird benutzt, Domenicis Frau ist unbefriedigt, des Doktors Bedürfnisse selbst sind armselig anzusehen, wie er da aufgrund spontaner visueller Reize nach nur wenigen Sekunden in seine Klamotten kommt. Es ist aber genau diese Stimmung, die Fulcis Film zu einer so intensiven Erfahrung macht, ein frustrierendes und schmerzhaftes Drama über Menschen mit Bedürfnissen, die von ihren Partnern nicht befriedigt werden können. Und so finden schließlich – nach ein paar intensiven Rückblenden, in denen Cecilia ihren Gaetano noch einmal ohne rosarote Brille Revue passieren lässt – die benutzte Frau und ihr gefangener Doktor zueinander, obwohl die Einblendung einer geladenen Waffe neben ihrem Bett nichtsdestotrotz auf kein Happy-End schließen lässt. Letzteres wäre auch unangebracht, so ein intensives Erotik-Drama über unbefriedigte Menschen muss einfach mit einem Doppelselbstmord enden, auch wenn Fulci den tatsächlichen endgültigen Ausgang unserer Phantasie überlässt.

     

    „The Devil’s Honey“ wurde von Selvaggia Film (Franco Casati, Sergio Martinelli, Vincenzo Salvani und (lt. Stephen Thrower) Massimo Pirri sowie Augusto Caminitos Scena Film. Seltsamer weise erwähnt Thrower nicht die spanische Beteiligung der Producciones Cinematograficás Balcázar, obwohl die Beteiligung Spaniens und Jaime Jésus Balcázars beim Cast offensichtlich ist. Vielleicht hat man aber auch nur deren Studios und Personal benutzt. Die Musik des eher unbekannten Claudio Natili passt hervorragend zu diesem Film. Natili hat sich für diesen Soundtrack auch große Mühe gegeben, schließlich habe er gehört, dass Fulci einer der ganz Großen sei. Die Kameraarbeit leistete Alejandro Ulloa (als „Alessandra Ulloa“).

     

    „The Devil’s Honey“ ist wohl der sehenswerteste Spät-80er Film von Fulci, und wenn man Lucio Fulci eben nicht nur als Meister des Gore-Horrors betrachtet, wird man auch feststellen, wie typisch diese kleine Erotik-Provokation für ihn ist. Selbstverständlich spielt er selbst auch eine kleine Rolle als Andenkenverkäufer, und er sieht dabei sehr abgemagert aus, wohl noch die Folge seiner langen Krankheit. Fazit: „The Devil’s Honey“ ist nicht einfach nur ein sehenswerter Fulci-Film sondern überragt andere italienische Erotik-Thriller der 80er und 90er stilistisch und inhaltlich um Haupteslänge.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Die Blu-ray von Severin hat eine gute Bildqualität und interessante Interviews aber leider ein gravierendes Manko. Trotz eines italienischsprachigen (und um ein paar Sekunden längeren) Masters hat Severin die englischen Untertitel anhand der englischen Tonfassung erstellt. Da die Protagonisten in der englischen Sprachfassung andere Namen haben und es obendrein Dialogfetzen gibt, wo in der italienischen Originalversion gar keine sind, fällt das unangenehm auf.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb
    IMDb

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