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Der Killer der sündigen Mädchen

Italien | Vereinigte Staaten, 1965

  • Originaltitel: Le notti della violenza
  • Alternativtitel:

    Callgirls 66 (FRA)

    Night of Violence (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 07.10.1966
  • Regisseur: Roberto Mauri
  • Kamera: Vitaliano Natalucci
  • Musik: Aldo Piga
  • Drehbuch: Roberto Mauri, Edoardo Mulargia
  • Inhalt:

    Carla Pratesi (Hélène Chanel), Tochter eines Diplomaten und erfolgreiche Mitarbeiterin in einem Callgirl-Ring, wird auf dem Weg zu einem Klienten von einem Unbekannten gemeuchelt. Sofort nimmt Commisario Ferretti (Alberto Lupo) die Ermittlungen auf und schliesst auf einen gestörten Serientäter, nachdem Carla's Kollegin Linda (Lisa Gastoni) einen sexuellen Übergriff im Park entkommen konnte. Dennoch stehen er und die Schwester der Ermordeten (Marilù Tolo) vor einem Rätsel, denn der Sittenstrolch scheint es nicht nur auf die gutaussehenden Freudenmädchen abgesehen zu haben, sondern attackiert nun auch junge Frauen, welche nicht aus dem leichten Gewerbe stammen...

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Review:

    Nicht mal ein Jahr musste verstreichen, bis Maria Bava's "Blutige Seide" im eigenen Land Tribut gezollt wurde, denn es ist nicht von der Hand zu weisen, daß Roberto Mauri gewisse Motive aus Bava's Geniestreich entnahm. Ebenfalls dürften die damaligen Edgar Wallace-Verfilmungen einen großen Einfluss auf diesen Thriller ausgeübt haben, auch wenn deren Klasse (und erst recht die von "Blutige Seide") zu keiner Sekunde erreicht wird - zu zäh ist doch die Inszenierung geraten und auch wenn dieser Früh-Giallo nur knappe 80 Minuten geht, so ist doch hin und wieder etwas Leerlauf im Plot angesagt, denn dieser droht Mauri nach der Hälfte der Spielzeit zu entgleiten. Zuerst fängt alles sehr krimilastig an, die darauf folgenden Ermittlungen haben dann schon fast Poliziesco-Anleihen, aber danach kippt der Film etwas ab und versucht gegen Ende vergeblich eine gewisse Dramatik durch Rührseligkeit zu erzeugen. Was Bava konsequent durchsetzte, konnte bei Mauri nicht realisiert werden und so gibt es zwar einen Callgirl-Ring mit massig Potential für sexuelle Anrüchigkeiten, aber anscheinend traute man sich damals noch nicht, so weit auf's Ganze zu gehen, was die moralische Verwerflichkeit betraf.

     

    Dennoch kann man "Der Killer der sündigen Mädchen" als Genre-Frühwerk einordnen, auch wenn das Gaspedal eher mit der Bremse verwechselt wurde. Die typischen Motive des Giallo werden dennoch bedient und auch die Schauspieler lassen sich nicht zu Ausfällen hinreißen. Alberto Lupo als ermittelnder Beamter macht seine Sache ordentlich, ebenfalls können die hübschen Damen überzeugen - denn mit Marilù Tolo, Lisa Gastoni und Hélène Chanel wurden die weiblichen Nebenrollen adrett besetzt, ohne jedoch erotisch auszuschweifen.

     

    So bleibt am Ende immerhin ein unspektakulärer, aber netter Krimi in schwarz/weiss, welchem Genre-Fans definitiv mal eine Chance geben sollten, denn auch wenn vieles inszenatorisch nicht so ganz hinhaut, bleibt dennoch der Charme der 60er erhalten, welcher vollends zu den beschwingten Klängen von Aldo Piga aufblühen kann. Ebenfalls bin ich mir sicher, das die alte deutsche Kino-Synchronisation den Film immens aufwerten dürfte - vielleicht taucht diese irgendwann einmal wieder auf?

  • Autor: Tobias Reitmann
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