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Murder Obsession

Frankreich | Italien, 1980

  • Originaltitel: Follia omicida
  • Alternativtitel:

    Delirium

    Murder Syndrome (USA)

    The Wailing (GB)

    Angoisse (FRA)

    Satan’s Altar (GR)

    Murder Obsession (NOR)

    Obsessao Assassina (POR)

  • Regisseur: Riccardo Freda
  • Kamera: Cristiano Pogany
  • Musik: Franco Mannino
  • Drehbuch: Antonio Cesare Corti, Riccardo Freda, Fabio Piccioni
  • Inhalt:

    Der Schauspieler Michael entstammt einer seltsamen Kinderstube. Als kleiner Junge hat er offenbar den eigenen Vater abgemurkst, scheint dafür aber der Ödipus seiner Mutter zu sein. Nach langen Jahren der Trennung kehrt der labile Michael heim zu Muttern - und bringt gleich die Freundin und ein paar Kollegen vom Film mit. Doch in Michaels Elternhaus -einer düsteren Villa- gehen merkwürdige Dinge vor sich. Während Michaels Freundin von dämonischen Träumen heimgesucht wird, beginnt ein unheimlicher Handschuhmörder die Gäste zu dezimieren...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    MURDER OBSESSION ist der letzte Film von Riccardo Freda - dereinst Schmied gotischer Gruselklassiker wie THE TERROR OF DR. HICHCOCK und THE SPECTRE, später dann Schmuggler gialloesker Kuckuckseier (DAS GESICHT IM DUNKELN) in die teutonische Edgar Wallace-Reihe und zuletzt mit DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM und TRAGIC CEREMONY der Merkwürdigkeit anheim gefallen.

     

    Seine gotisch-gialloeske Abschiedsparty ist folgerichtig den obskuren Geschmäckern gewidmet. Freda hat sich nicht lumpen lassen und ein Ensemble zusammengestellt, dass sich wie ein Who is who des abseitigen italienischen Kino liest. Dass dabei die eine oder andere Dame etwas in die Jahre gekommen ist, schmälert die Wiedersehensfreude kaum.

     

    Zum Todeswochenende in der Horrorvilla laden nämlich die in Ehren gealterte Anita (A LIZARD IN A WOMAN´S SKIN, THE CHILD) Strindberg und ihr Butler John (TORSO,LABYRINTH DES SCHRECKENS) Richardson ein. Ihr Kommen zugesagt haben in mehr als einer Hinsicht die damals immer noch ziemlich knackige Silvia (HORROR-SEX IM NACHTEXPRESS, NAKED YOU DIE) Dionisio sowie die einzig wahre BLACK EMANUELLE Laura Gemser.

     

    Außerdem dabei: Die nicht mehr ganz so frühlingshafte ehemalige Nunsploitation-Ordensschwester Martine (DER NONNENSPIEGEL, DIE NONNE VON VERONA) Brochard. Keine Frage, da hatten wir schon schlechter besetzte Ausstandsfeiern auf dem Schirm.

     

    Doch auch ohne die großen Namen wüsste das Programm zu überzeugen. MURDER OBSESSION ist nämlich eine recht gelungene Mischung aus klassischem Giallo und obskurem Horrorfilm, die stellenweise an Fredas eigene TRAGIC CEREMONY und in den besten Momenten auch an Bavas LISA UND DER TEUFEL erinnert.

     

    Bisweilen entert gar die pure Psychotronik die Party. Insbesondere Silvia Dionisios schmissige Alptraumsequenz scheint den wahnwitzigen Filmspulen eines Batzelli oder Polselli entronnen zu sein. Dionisio -mit nichts als einem zerrissenen weißen Kleid am Leib - wird durch einen finsteren Wald gehetzt und die Flucht endet schließlich in einer höllischen Schreckensgruft - barbusig am Andreaskreuz. Eine Postkartenidylle des abseitigen Kinos und noch nicht des Wahnsinns Ende. Weil Freda zum Abschluss in die Fußstapfen von BLOODY PIT OF HORROR und NUDE FOR SATAN tritt und die altbekannte Schwäche des italienischen Horrorfilms für grottige Riesenspinnen noch einmal liebevoll kultiviert. Dafür bietet Dionisios Alptraum natürlich den perfekten Rahmen.

     

    Szenenwechsel. Springen wir aus dem Spinnennetz hinüber zum Butler, der sich beim Auftischen des Abendessens die folgende Bemerkung erlaubt:

     

    „Maybe it’s not the right moment,
    but I wanted to tell you that the chainsaw is missing...“

     

    Klar ist die weg. Schließlich wurde die kurz vorher noch gebraucht, aber nicht zum Holzsägen. Denn wie schon zuvor in DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM und TRAGIC CEREMONY führt Freda auch bei MURDER OBSESSION ein paar grobschlächtige Splattereien im Schilde. Allerdings sind es derer tatsächlich nur zwei und die sehen - trotz spratzelnder Rohheit - leider ziemlich billig aus. Da war auch wenig hilfreich, dass an ihnen der mittlerweile renommierte FX-Wizard Sergio (DEMONS, THE CHURCH, DELLAMORTE DELLAMORE) Stivaletti beteiligt war, hier noch uncredited bei seinen ersten maskenbildnerischen Gehversuchen.

     

    Schlimmer als die verbockteste Schädelspaltung ist Fredas schlampiges Genie, welches ein paar schiefe Töne in den Schwanengesang bringt. Drei eklatante Goofs -darunter ein im Spiegel auftauchendes Crewmitglied - stehen zu Buche und im krassen Widerspruch zu den vielen atmosphärischen Bildern, mit denen MURDER OBSESSION dank Fredas gotischer Talente eben auch aufwarten kann. Summa summarum dürfte Fredas Letzter trotzdem eine sichere Bank für all jene sein, die eine Ader für obskure Gialli haben. Die Auflösung ist monströs, das Ende schwarz und die Brüste von Silvia Dionisio wie immer ein Gedicht. Was noch viel wichtiger ist: Die Mischung aus klassischen Giallo-Motiven und gotisch-psychotronischen Horroreinlagen stimmt in MURDER OBSESSION.

     

    Somit harmonieren schwarze Handschuhe mit Schwarzen Messen ebenso gut wie Riesenspinnen und Kettensägen in Fredas gialloesk-gotischer Abschiedsparty in der düsteren Villa Strindberg.

  • Autor: Christian Ade
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