Das Haus an der Friedhofmauer

Italien, 1981

  • Originaltitel: Quella villa accanto al cimitero
  • Alternativtitel:

    Aquella casa al lado del cementerio (ESP)

    La maison près du cimetière (FRA)

    A Casa do Cemitério (POR)

    The House by the Cemetery (USA)

    Zombie Hell House (USA)

    The House Outside the Cemetery

    Das Haus an der Friedhofsmauer

  • Deutsche Erstaufführung: 26. November 1982
  • Regisseur: Lucio Fulci
  • Kamera: Sergio Salvati
  • Musik: Walter Rizzati
  • Drehbuch: Elisa Briganti, Lucio Fulci, Giorgio Mariuzzo, Dardano Sacchetti
  • Inhalt:

    Dr. Norman Boyle (Paolo Malco) soll die Forschungen seines früheren Mentors Dr. Petersen fortführen, der in einem Landhaus in New Whitby nahe Boston seine Assistentin und anschließend sich selbst tötete. Mit seiner Frau Lucy (Catriona MacColl) und seinem Sohn Bob (Giovanni Frezza) mietet er sich in demselben Haus ein, in dem Peterson sich vor seinem Tod aufhielt, vermittelt durch die Real Estate Agentin Laura Gittleson (Dagmar Lassander).

     

    Bereits in New York erhält Sohn Bob ersten Kontakt zu dem Mädchen Mae (Silvia Collatina), dass außer ihm niemand sehen kann und die aus New Whitby stammt. Norman Boyle findet indessen heraus, dass Dr. Petersen vor seinem Tod völlig von seinen eigenen Forschungen abgekommen war und sich stattdessen mit dem Leben und Arbeiten des einstigen Vorbesitzers seines Hauses Dr. Freudstein beschäftigt hat, einem Mann, der Experimente an Menschen vorgenommen hat und einst seine Frau und seine Tochter tötete.

     

    Und Lucy Boyle ist wenig begeistert, als sie unter einem Teppich des Hauses die im Fußboden eingelassene Grabplatte des Dr. Freudstein findet. Alle Spuren zur Lösung des Geheimnisses scheinen am Ende zum Keller des Hauses zu führen, in dem bereits Bobs Kindermädchen Ann (Ania Pieroni) verschwand.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Fulcis vierter und letzter Zombie-Film streift das Zombie-Genre im Grunde nur am Rande, denn es gibt nur einen Untoten und selbst da kommen wir eigentlich eher ins Mad Scientist-Genre. Für Fulci selbst stellte „Das Haus an der Friedhofmauer“ eine Hommage an die Horror-Autoren der Gothic- und New-England-Ära dar, also an Schriftsteller wie Poe, Lovecraft oder Henry James, den er im Film auch zitiert. Bereits während der Postproduktion von „Die Geisterstadt der Zombies“ begann er die Vorbereitungen zu diesem nächsten Film, dessen Drehbuchtitel zunächst „La notte dell'inferno“ lautete und dessen erster Entwurf von Elisa Briganti stammte. Gemeinsam mit Giorgio Mariuzzo und Dardano Sacchetti überarbeite Fulci dieses Drehbuch, und der Titel wurde in Anlehnung an den italienischen Titel von Tobe Hoopers „Eaten Alive“ (Quel motel vicino alla palude/Das Hotel neben dem Sumpf) aus vermarktungstechnischen Gründen in „Quella villa accanto al cimitero“ geändert.

     

    Die Dreharbeiten begannen am 16. März 1981 und dauerten bis Ende Mai. Gedreht wurde on Location zunächst in New York und anschließend in Concord, einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Boston. Der Handlungsort der Story „New Whitby“ ist frei erfunden. Die Außenansicht des Hauses zeigt das Ellis Estate House in Scituate, Massachusetts, welches Umberto Lenzi 1988 nochmals für „Ghosthouse“ verwendete. Die Innenräume dagegen entstanden in den De Paolis Studios in Rom. Hier fand auch die Inneneinrichtung der Bibliothek aus der Spinnenszene von „Die Geisterstadt der Zombies“ Wieder-Verwendung. Unbedingt erwähnen sollte man das Set Design von Massimo Lentini, welcher nach seiner Arbeit für „Die Geisterstadt der Zombies“ hier eben wieder für das Interieur und natürlich auch für Dr. Freudsteins Keller-Deko maßgeblich mitverantwortlich war – neben der Special Effects Crew bei Letzterem natürlich. Thema Special Effects, ein schönes Thema bei Fulci-Filmen. Giannetto de Rossi wird im Abspann genannt, und nein, er war lt. eigener Aussage nicht dabei. Gino de Rossi war aber da, in der Hauptsache stammen sie aber von Maurizio Trani. Ich glaube, die Italiener gehen mit diesem Giannetto/Gino recht großzügig um, wobei Gino bei genanntem Gino de Rossi die Kurzform von Luigino und die Nennung von Giannetto de Rossi somit schlicht falsch ist). Schwierig ist es allerdings, wenn beide tatsächlich existieren und verschiedene Personen sind.

     

    Gerne erwähnen möchte ich zu „Das Haus an der Friedhofmauer“ auch mal die außergewöhnliche Arbeit von Sound Engineer Ugo Celani, welcher schon bei Fulcis „Woodoo“, „Ein Zombie hing am Glockenseil“ und "Die Geisterstadt der Zombies“ für die gorigen und schaurigen Toneffekte gesorgt hat, hier in „Quella Villa...“ aber eine besondere Meisterleistung vollbringt. Allein schon dieses Kinderweinen des Untoten ist genial. Für die Kameraarbeit war erneut Sergio Salvati verantwortlich, und ich finde, dass gerade die Inszenierung der Szenen mit der kleinen Silvia Collatina besonders schön geworden ist. Im Grunde gehören ihr zwei der interessantesten Szenen des Films, die wo sie vor dem Schaufenster steht und der Pieroni-Puppe der Kopf abfällt, sowie die Schlusssequenz. Apropos Silvia Collatina – wer sich gewundert hat, dass die linke Hand des Untoten in den Close-ups manchmal wie eine Frauen/Mädchen-Hand aussieht, ratet mal, zu wem die gehört? Für die Musik war diesmal Walter Rizzati verantwortlich und Fulci (anscheinend genauso unzufrieden mit dem Ergebnis wie ich) ließ diese dann durch einige Tracks von Alessandro Blonksteiner ergänzen. In Nebenrollen gibt es bekannte Gesichter, Carlo de Mejo („Ein Zombie hing am Glockenseil“), Gianparolo Saccarola (der gruselige Arthur aus „Die Geisterstadt der Zombies“), sowie Ania Pieroni (die schönen Augen der Mater Lacrymarum aus Argentos „Inferno“) und Dagmar Lassander, die für den gorigsten Moment des Films herhalten darf. Als weibliches Opfer in der Eröffnungsszene (die laut Logik der Abläufe in den frühen Siebzigern stattgefunden haben müsste) Daniela Doria, die mehr als nur einmal für Fulci sterben musste.

     

    Thema Logik. Die Story von „Das Haus an der Friedhofmauer“ ist dünn und trotzdem ein wahres Freudenfest an Fehlern, sowohl inhaltlich als auch in den Abläufen. Ich glaube, man hatte Probleme, die 83 Minuten vollzukriegen und hat beim Strecken des Gesamtszenarios nicht so wirklich auf den Rest geachtet. Aber da der Film ohnehin eine surreale Ebene hat, drücken wir mal zwei bis drei Augen zu und reiten nicht weiter darauf herum. Oder doch, aber nur ein bisschen. Catriona MacColl, eine passiv-agressive amerikanische Hausfrau, die eigentlich unter Drogen stehen sollte, die sie aber nicht nimmt, es sei denn sie findet beim Saubermachen eine Grabplatte unter dem Teppich. Nun verbringen wir zu Anfang des Films viel Zeit mit dem Umzug in ein Haus, dass man über eine Real Estate Agentin (Dagmar Lassander) gesucht hat, und von dem man uns anscheinend weismachen will, es sei reiner Zufall, dass es am Ende das Haus ist, in dem Dr. Petersen Selbstmord beging, also der Mann über den Catriona MacColls Ehemann Dr. Boyle Recherchen anstellen soll und will. Das ist doch Humbug! Und wieso sucht Dr. Boyle später auf irgendeinem Friedhof nach der Grabstelle von Dr. Freudstein, was hat er an der im Boden des Hauses eingelassenen Grabplatte mit dem Namen Dr. Freudstein nicht verstanden? Er selbst hat es doch seiner hysterischen Frau erklärt. Mann. Über die Tatsache, dass der Film schon viel früher vorbei gewesen wäre, wenn auch nur einer der Familie bei ihren zahlreichen Besuchen des Kellers einfach mal fünf bis zehn Schritte weiter gegangen wäre, könnte man natürlich ebenfalls stolpern.

     

    Egal. Obwohl Fulcis „Das Haus an der Friedhofmauer" zunächst nur ab 18 in den italienischen Kinos freigeben war (erst viel später auf DVD dann ab 14) war er ein kommerzieller Erfolg, nicht zuletzt auch international. Die damaligen Kritiken waren erwartungsgemäß schlecht, beachtet man aber das Zusammenspiel von Inszenierung, Kameraarbeit, Set Design, Sound Design, Musik, also das ganze Gesamtpaket, kann man nicht übersehen, dass Fulci sein Handwerk wirklich beherrscht. Aber dieser Dr. Freudstein sollte wirklich mal seinen Keller aufräumen, für einen Wissenschaftler verdammt unordentlich...

  • Autor: Gerald Kuklinski
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