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Convoy Busters

Italien, 1978

  • Originaltitel: Un poliziotto scomodo
  • Alternativtitel:

    Un flic explosif (FRA)

    Um Polícia dos Duros (POR)

  • Regisseur: Stelvio Massi
  • Kamera: Sergio Rubini
  • Musik: Stelvio Cipriani
  • Drehbuch: Gino Capone, Teodoro Corrà, Stelvio Massi
  • Inhalt:

    Kommissar Olmi ermittelt in Rom in einer Mordsache. Da fliegen auch mal die Fäuste („Dein Anwalt kommt in einer Stunde. Bis dahin kriegst Du eine Schelle nach der anderen.“), und die Wahrheit wird schonungslos offengelegt: Der Auftraggeber der Morde ist der Direktor der Zolldirektion in Fiumicino. Der aber ist ein paar Nummern zu groß für den kleinen Kommissar („Sie sind nur ein kleiner Regierungsbeamter. Das hier ist eine andere Liga.“), weswegen Olmi zur Streife versetzt wird. Es scheint sich um die legendäre Hubschrauber-Streife zu handeln, denn Olmi erledigt (erlegt?) vom Hubschrauber aus mehrere flüchtende Gangster. Aber eines Abends zeigt sich, dass seine Nerven unter der Daueranspannung gelitten haben, als er einen harmlosen Passanten erschießt. Er bittet um seine Versetzung nach Civitanova Marche, einem kleinen Badeort südlich von Ancona. Dort legt er seine Pistole in die Schublade, verliebt sich in die Grundschullehrerin und könnte glücklich leben. Aber das Böse ist bekanntlich immer und überall, und Olmi kommt auf die Spur einer Gruppe von Waffenschmugglern, die sich als äußerst nervenschwache Dreckschweine entpuppen, und denen jedes Mittel recht ist.

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Eigentlich. Eigentlich kann man über CONVOY BUSTERS viel Schlechtes sagen. Klar, die üblichen Versatzstücke des Merli’schen Poliziottescho sind vorhanden: Kommissar Olmi schießt. Kommissar Olmi schlägt zu. Ein heiliger Zorn tritt in seine blauen Augen, seine Schnurrhaare beben vor Wut, die Gangster vor Angst und die Zuschauer vor Freude. Soweit also erstmal nicht Neues im Lande Italia Armata. Doch filmisch hat der Film ein paar Besonderheiten, die ihn beim flüchtigen Hinsehen vermeintlich nicht unbedingt zur Speerspitze des Polizeifilmes machen. Da wäre einmal die episodenhafte Grundstruktur, die fast wie ein Zusammenschnitt einer Fernsehserie wirkt. So beginnt der Film zwar mit einer Mordserie, und ein politisch unantastbarer Verdächtiger ist auch schnell gefunden, aber dieser Teil der Handlung ist etwa zur Hälfte der Laufzeit beendet. Dann gibt es die actionlastigen Episoden mit dem vereitelten Ausbruchsversuch und dem Hubschrauber sowie einen Polizeiüberfall auf ein paar Banditen, beide Sequenzen haben aber mit der Starthandlung der Mordserie nichts zu tun. Schnitt, Olmi lässt sich in die Provinz versetzen, mischt ein paar Halbstarke auf und verliebt sich. Als nächstes kommt er auf die Spur der Konterbande und rückt zu guter Letzt noch den zu Geiselnehmern umgesattelten Schmugglern auf den Pelz. Ein wahrer Tausendsassa, unser Kommissar Olmi, aber alles ein wenig … zusammenhanglos.

     

    Zwischen diesen fetzigeren Episoden hat es dann einiges an ruhigeren Passagen, in denen Olmi über sein Leben sinniert, über seine Arbeit, sich mit Selbstzweifeln auseinandersetzen muss und generell erheblich nachdenklicher agiert als in anderen Merli-Flicks. Dazu kommt, dass außer in den Actionsequenzen kaum Musik eingesetzt wird, was das allgemeine Tempo des Films noch mal weiters herunterbremst. Was aber auch viel Realismus in den Film bringt (insofern schlagkräftige Kommissare mit Fönwelle und Goldkettchen realistisch sind) und zu der Tatsache führt, dass es sich hier schlicht und ergreifend … um eine Polizeiballade handelt! Schon der Beginn des Films, wenn ein Stadtstreicher am Tiberufer aufwacht und langsam den Fluss entlang läuft (ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass der Mann auf der Schattenseite(!) des Tiber läuft?) deutet eher in die Richtung einer ruhigen Erzählung denn auf einen harten Actionreißer. Ein grundsätzlicher Hauch von Melancholie durchzieht den Film, und die erste Einstellung von Merli in der Morgensonne am Tiber zeigt kein gerechtigkeitsuchendes Energiebündel, sondern vielmehr einen Mann der beim verzweifelten Versuch die Kriminalität einzudämmen müde geworden ist dabei gegen Mauern zu rennen. Auch die Handlungsstränge um den Zolldirektor und vor allem um den Richter untermauern den balladesken Aspekt: Kein knalliges Showdown welches die Gerechtigkeit glorifiziert, sondern realistische und letzten Endes traurige Erzählstränge die lose im Wind wehen …

     

    Eigentlich. Uneigentlich rockt der Film trotz dieser Punkte ungemein. Ich sage bewusst nicht „diese Schwächen“, weil es keine Schwächen sind sondern Stärken, und weil der Film gerade wegen dieser Punkte rockt. CONVOY BUSTERS ist einfach anders als andere Poliziotteschi. Kein Nonstop-Action-Merli-senkt-die-Verbrechensrate-im-Alleingang-Film, sondern wie gesagt ein eher langsamerer Film über einen Polizisten mit Zweifeln. Eine Action-Ballade … Herrje, 1978 ging das Genre des Poliziottescho langsam seinem Ende entgegen, da kann sich ein Kommissar auch mal Gedanken über Vergangenheit und Zukunft machen.

     

    Und deswegen betone ich es noch mal: Dieser Film rockt! Alle Actionszenen sind erstklassig und sauspannend inszeniert, mit guter Musik unterlegt, und machen einfach glücklich. Die ruhigeren Momente sind mit wunderschönen Kameraeinstellungen unterlegt, und ich habe beim Ansehen öfters mal auf die Pausetaste gedrückt um die Bilder in Ruhe zu genießen. Die Schauspieler sind (wie immer) erstklassig, und sogar die Liebesszenen wirken weder langweilig oder überflüssig sondern sind gut in den Fluss des Films integriert. Merli zeigt dass er ein wirklich guter Schauspieler war und seine Zweifel und seine Müdigkeit hervorragend rüberbringen kann, ohne dabei aber in Weinerlichkeit abzudriften. Bei einem Vergleich etwa mit den Post-Tatort-Schimanskis fällt dies besonders auf: Wo ein alternder Götz George die Rituale der Männlichkeit parodiert und dabei auch mal ins Tragikomische abrutscht, liefert Maurizio Merli das Psychogramm und die dazugehörigen Gedanken eines Mannes im fortschreitenden Alter, ohne aber lächerlich zu wirken. Stattdessen zeigt er eine Ruhe und Reife, die der Figur Olmi den nötigen Realismus und die erwünschte Attraktivität gibt. Kein überdrehter Springteufel mehr, sondern ein desillusionierter Mann der mitten im Leben steht und versucht seinen Weg zu gehen.

     

    CONVOY BUSTERS ist eben anders. Undenkbar, dass so ein Film heutzutage gedreht werden würde, zu groß würde das Risiko erscheinen(!) dass der Streifen an den Erwartungen der Zuschauer vorbeirauscht. Vielleicht hatte Regisseur Stelvio Massi damals einfach die Schnauze voll davon die immergleichen Filme mit den immergleichen Stereotypen zu drehen und wollte einfach probieren wie weit er gehen konnte, wie weit er die etablierten Muster aufbrechen konnte. Vielleicht war ja auch tatsächlich mal eine Fernsehserie geplant, wer weiß? Auf jeden Fall unterhält der Film ungemein - Insofern man bereit ist sich auf eine andere als die gewohnte Struktur einzulassen!

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde die italienische (Lang-) Fassung der Nummer 5 der Polizieschi Edition von Filmart. Der Film liegt vor in deutsch, englisch und italienisch mit deutschen Untertiteln, in der deutschen Sprachfassung sind die fehlenden Stellen ebenfalls untertitelt. Die Untertitel orientieren sich NICHT an der deutschen Synchro sondern an dem Text der italienischen Version, sind also echte Subtitles! Man kann Filmart gar nicht genug danken für solch einen Luxus!! Zusätzlich ist, da diese Veröffentlichung aus 2 Discs besteht, die ursprüngliche, um etwa 8 Minuten gekürzte und teilweise anders montierte, deutsche Fassung auf Disc 2 enthalten. Des Weiteren gibt es (tief Luft holen) neben dem englischen und dem italienischen Originaltrailer und einer Bildergalerie Interviews mit dem Sohn Maurizio Merlis, Maurizio Matteo Merli, seinem frühen Agenten Eolo Capacci, den Jugendfreunden Enio Girolami und Enzo G. Castellari sowie Ruggero Deodato. Alle erinnern sich an Maurizio Merli, größtenteils in sehr persönlichen Bildern, was dem Zuschauer den Menschen Merli recht nahe bringt. Und ein Booklet mit einem guten und kritischen Text mit satirischen Untertönen von Michael Cholewa ist last but not least auch enthalten.

  • Autor: Maulwurf
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