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Der Commander

Deutschland | Italien, 1988

  • Alternativtitel:

    Comando suicida (ESP)

    Le Triangle de la peur (FRA)

    Il triangolo della paura (ITA)

    Mercenários de Elite (POR)

    The Commander

    The Triangle of Fear

  • Deutsche Erstaufführung: 28. April 1988
  • Regisseur: Antonio Margheriti
  • Kamera: Peter Baumgartner
  • Musik: Walter Baumgartner
  • Drehbuch: Tito Carpi, Arne Elsholtz, Giacomo Furia
  • Inhalt:

    Mitten im Goldenen Dreieck wollen General Dong und Corporal Stone ihre bisherigen Auftraggeber abzocken und verlangen mal eben den doppelten Anteil am lukrativen Drogengeschäft. In Europa werden daraufhin eine Menge Leute verdammt unruhig: Der Waffenhändler Mazzarini will eine Truppe freischaffender Soldaten unter Führung des Söldner-Urgesteins Major Colby nach Ostasien schicken um dem Dong zu zeigen wo das Ding hängt. Die Mittelsmänner zwischen den Auftraggebern und Mazzarini ihrerseits setzen den Schmugglern einen Mann ins Team, damit der eine Disk mit den Namen der Kontaktleute in Europa besorgt. Die DEA (Abteilung hässliche Frisuren) schmuggelt ebenfalls einen Mann ins Söldnerteam, ebenfalls um die Disk in die Hände zu bekommen. Und die DEA (Abteilung stierer Blick) versucht diesen Mann zu beeinflussen, damit sie selber die Disk bekommt.

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Von den drei Söldnerfilmen, die Antonio Margheriti in den 80ern mit Erwin C. Dietrich als Produzenten und Lewis Collins als Hauptdarsteller drehte (GEHEIMCODE WILDGÄNSE, KOMMANDO LEOPARD, DER COMMANDER) gefällt mir dieser hier eigentlich am Besten. Er hat so viele kleine drollige Momente, welche die ewig gleich ablaufende Geschichte von den harten Männern im wilden Dschungel ein klein wenig auflockert und interessanter macht. Manfred Lehmann wartet in Berlin auf sein Taxi und schaut dabei aus wie ein arbeitsloser Hund. Lee van Cleef torkelt in seiner ersten Szene deutlich. Donald Pleasence ist der Chef der Sektion “Idiotische Typen“ und muss mit den schlimmsten Frisuren der Filmgeschichte zusammenarbeiten. Sehr hübsch auch der Moment, wenn Brett Halsey von seinem Fang beim Angeln erzählt, während Paul Muller hinter ihm die Größe des Fangs etwas relativiert. Die ausgiebige Prügelei im Fango zwischen Manne Lehmann und John Steiner, welcher den Franzosen Duclaud spielt, und dabei wirkt wie ein Franzose im Urlaub (Moebius anyone?) ist sehr … messy. Und Christian Brückner hat eine seiner sehr seltenen Kinorollen, spricht sich selber, und macht dabei eine gar nicht so schlechte Figur.

     

    Überhaupt, Margheritis Söldnerfilme und die Synchronsprecher. In allen Filmen spielen Legenden der deutschen Synchrongeschichte mit: Thomas Danneberg und Manfred Lehmann sind immer dabei, in GEHEIMCODE WILDGÄNSE schaut Hartmut Neugebauer vorbei, und hier sind es Frank Glaubrecht und eben Christian Brückner. Witzig ist dabei, dass sich Thomas Danneberg dabei nicht selber sprechen darf, weil er bereits Lewis Collins synchronisiert, und deswegen von Rainer Brandt gesprochen wird. Und zu guter Letzt hat am Drehbuch unter anderem Dialog-Urgestein Arne Elsholtz mitgewirkt.

     

    Damit aber kein falscher Eindruck entsteht: Dieser Film ist trotz vereinzelt eigenartiger Momente und Rainer Brandt nicht witzig! Vielleicht gefällt er mir auch deswegen am Besten, weil nicht krampfhaft versucht wird komische Dialoge einzubauen, und wenn die Stimmung gegen Ende hin in Italien sowieso etwas auflockert, dann passt das einfach gut und gibt dem Film eine hübsche Richtung, ohne aber gleich in die Schiene der supercoolen Einzeiler abzudriften. Und obwohl es über Strecken hinweg keine Actionszenen hat, eigentlich ein Unding für einen Söldnerfilm, kann der COMMANDER gerade dadurch punkten dass er Atmosphäre aufbaut, und versucht, seine vollkommen idiotische Handlung ein wenig zu begründen. Mir persönlich gefällt es halt einfach, dass die Dschungelratte Colby extra nach Italien kommt, also in die mehr oder weniger Zivilisation, um sich im Schlangennest Mazzarinis Anweisungen zu holen. Dadurch, dass in diesem Haus jeder, aber auch wirklich absolut jeder, falsch spielt, wird Spannung erzeugt ohne dass etwas explodiert, und das spricht mich halt an. Und am Ende fliegt auch nicht der gesamte Urwald in die Luft (was er sehr wohl tut), sondern da kommt noch was in europäischen Gefilden hinterher, was dem ganzen ein wenig den Anstrich von Realität gibt. Aber zugegeben, ROLF spielt in einer anderen Liga. Und HÄUTET SIE LEBEND erst recht.

     

    Vielleicht konnte man ja Lewis Collins 1988 nur noch mit dem Versuch von Niveau zu einem weiteren Söldnervehikel überreden, aber so ganz kann mir das nicht vorstellen, denn a) ist der Film, trotz oder wegen der kruden Handlung, intellektuell gesehen auf Mario Bianchi-Niveau, und b) spielt der Film finanziell auf jeden Fall in der Oberliga mit. Jede Menge altgedienter Stars aus der B-Liga (Romano Puppo, Donald Pleasence, Paul Muller, John Steiner, und die IMDB listet sogar Ilse Pagé auf, die ich allerdings nicht erkannt hätte) und überzeugende Effekte kosten prinzipiell einfach Geld. Und gerade wenn auf dem Bildschirm alles in Stücke gerissen wird, zeigt sich die Klasse des Antonio Margheriti. Schon die Explosion des Hubschraubers zu Beginn des Films ist ein kleines Schnittwunder, und hat dabei garantiert kaum Geld gekostet. Minimaler Einsatz, maximaler Effekt. Dass das Drehbuch dabei ein klein wenig in Mitleidenschaft gezogen wird? Geschenkt! Beliebte Schauspieler, gut gedrehte Actionszenen, ein wenig Urlaubsstimmung bei den Bildern aus Bangkok, das sorgt halt einfach für gute Laune auf dieser Seite des Bildschirms …

     

    Nicht so recht Laune macht die Musik von Walter Baumgartner und der deutschen Band Eloy. Übelste 80er Synthi-Mucke der untersten Kajüte, die leider so gar keine Stimmung aufbaut oder irgendwas zum Film beiträgt, außer dem hemmungslosen Kopfschütteln des Zuhörers. Da muss man dann halt einfach weghören und sich daran erfreuen, wie große Jungens lärmend durch den Dschungel toben und dabei jede Menge Spaß haben. Und den Zuschauer mit ihrem Spaß anstecken.

  • Autor: Maulwurf
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