Das Coltstrumpfband

Italien, 1968

  • Originaltitel: Giarrettiera Colt
  • Alternativtitel:

    A Pistoleira Virgem (BRA)

    Garter Colt (USA)

  • Regisseur: Gian Rocco
  • Kamera: Gino Santini
  • Musik: Giovanni Fusco, Gianfranco Plenizio
  • Drehbuch: Giovanni Gigliozzi, Brunello Maffei, Vittorio Pescatori, Gian Rocco
  • Inhalt:

    Die Wirren des französischen Einmarsches unter Napoleon III. in Mexiko nutzen zahlreiche Desperados für ihre eigenen Geschäfte. Ein kokainsüchtiger General (Walter Barnes), der Schurke Red (Claudio Camaso) und zwei französische Spione sind ein Waffengeschäft verwickelt, die schöne Lulu (Nicoletta Machiavelli) – genannt „Giarrettiera Colt“ - sucht ihr Glück dagegen im Falschspiel und mit Bankraub.

     

    Doch Lulu verliebt sich in den mysteriösen Carlos (Yorgo Voyagis). Und dann wäre da noch die jungfräuliche Elvira (Elvira Cortese), die sich nicht entscheiden kann, ob sie es lieber sanft französisch oder hart mexikanisch will.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Das muss wohl die schlampigste Inhaltsangabe sein, die je geschrieben wurde. Aber es lohnt nicht, sich durch dieses Handlungswirrwarr zu wühlen, schließlich handelt es sich bei „Giarrettiera Colt“ um eine eher klamaukige Komödie, auch wenn es an gewisser Härte nicht fehlt.

     

    Die Titelrolle dieses Films spielt Nicoletta Machiavelli, und es ist traurig und komisch zugleich mit anzusehen, wie der wenig bekannte Regisseur Gian Andrea Rocco hier treffsicher die Gelegenheit verpasst, dem Italowestern-Genre eine weibliche Heldenfigur zu verpassen. Ja, nicht nur dem Italowestern, ganz allgemein wurde hier eine filmhistorische Gelegenheit verschenkt, eine frühe weibliche Actionheldin zu schaffen.

     

    Gian Rocco räumt Machiavelli kaum die Gelegenheit ein, etwas anderes zu tun als gut auszusehen. Schlimmer noch, manchmal scheinen wirklich die Regieanweisungen gefehlt zu haben. Ein Beispiel: Lulu (Machiavelli) reitet durch die Landschaft, um Carlos aus den Fängen von Banditen zu befreien und ihm so das Leben zu retten. Dabei weht der Saum ihres langen, blauen Kleides im Wind und sie lächelt dabei anmutig. Offenbar hat es niemand für nötig befunden, ihr zu sagen, worum es in der Szene überhaupt geht. Eine extrem verschenkte Gelegenheit ist die kleine Revolution. Denn während diese draußen auf den Straßen stattfindet, langweilt sich Lulu mit Carlos im Bett, anstatt bei den Kämpfen mitzumischen.

     

    Die Kamera verbringt sehr viel Zeit mit Nicoletta Machiavellis Gesicht und Augen, aber wenigstens weiß der Kameramann da, was er will. In anderen Szenen ist er immer wieder out-of-focus, bei einer Kampfszene gelingt es ihm gar, weitgehend nur die Füße der Kämpfenden zu erfassen. Das muss man erst mal schaffen. Holprig auch der Schnitt, aber hier sei wegen der Lauflänge Vorsicht geboten. Während die (seltene) italienische Kinofassung so um die 100 Minuten ging, sind inzwischen nur noch ca. 86 Minuten erhalten.

     

    Walter Barnes ist als mexikanischer General - der durch sein kokainsüchtiges Pferd selbst der Sucht verfiel (ist schwer zu erklären) - im Grunde fehlbesetzt aber ein viel zu guter Darsteller, um das zu verpatzen. Erwähnenswert ist die Darstellung von Claudio Camaso (alias Claudio Volonté, Bruder von Gian Maria Volonté) als Schurke Red. Camaso fand ein frühes Ende im Alter von nur 43 Jahren durch Selbstmord durch Erhängen im Regina-Coeli-Gefängnis, nachdem er versehentlich den befreundeten Dokumentarfilmer Vincenzo Mazza erstochen hatte, der einen Streit zwischen ihm und einem weiteren Freund schlichten wollte. Claudio Camaso war in einigen bekannten italienischen Filmen zu sehen, so Carlo Lizzanis „Feuertanz“, Mario Bavas „Im Blutrausch des Satans“ oder Antonio Margheritis „Fünf blutige Stricke.“

     

    Trotz aller unleugbaren Defizite, die „Giarrettiera Colt“ nun mal hat, funktioniert eines: die Komik. Die 86 Minuten gehen zügig vorüber und es gibt ein paar sehenswerte Momente, z. B. ein grottenschlechtes und tolpatschiges Saloontänzerinnen-Duo, Walter Barnes, der eine schreiende Frau vor einem Banditen retten will aber nicht sehr gut zielen kann, komische Dialoge und italowesternträchtige Zitate. Rein persönlich hätte ich auf den sprechenden Papagei und den Kleinwüchsigen im Babykostüm verzichten können. Bei Letzterem handelt es sich anscheinend um Arnaldo Fabrizio, seine Rolle beschränkt sich allerdings auf zwei kurze Momente, und das reicht auch.

     

    Insgesamt kennt man in Sachen Humor deutlich Schlimmeres aus Italien, und bevor ich mir je wieder „Zwiebel-Jack räumt auf“ antue, dann lieber noch mal „Giarrettiera Colt“, und sei es nur, um Marisa Solinas noch mal auf dem Tisch tanzen zu sehen. Ah, eins noch – trotz der Existenz eines deutschen Titels – „Das Coltstrumpfband“ – konnte bisher keine Veröffentlichung im (west-)deutschen Raum nachgewiesen werden.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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