Ein Colt für 100 Särge

Italien | Spanien, 1968

  • Originaltitel: Una pistola per cento bare
  • Alternativtitel:

    Uma Pistola para 100 Sepulturas (BRA)

    El sabor del odio (ESP)

    La malle de San Antonio (FRA)

    Pistolets pour un massacre (FRA)

    Matarei Um Por Um (POR)

    Pistol for a Hundred Coffins (USA)

    A Gun for One Hundred Graves

  • Regisseur: Umberto Lenzi
  • Kamera: Alejandro Ulloa
  • Musik: Angelo Francesco Lavagnino
  • Drehbuch: Marco Leto, Eduardo Manzanos Brochero, Vittorio Salerno
  • Inhalt:

    Da der junge Jim Slade (Peter Lee Lawrence) sich als Zeuge Jehova weigert, in der Konföderierten-Armee im Krieg gegen den Norden auf Menschen zu schießen, wird er wegen Befehlsverweigerung und Feigheit vor dem Feind zu Zwangsarbeit verurteilt. Mit Ende des Bürgerkriegs wird er begnadigt und findet bei seiner Rückkehr seine Eltern erschossen auf ihrer Farm vor.

     

    Jim lässt sich das Schießen beibringen und begibt sich auf die Suche nach den vier Schützen, die von seinem Lehrmeister im Umgang mit dem Colt nach ihrer Tat gesehen wurden. Beim Kauf seines Revolvers hat Jim allerdings vorsorglich fünf Extrakugeln für seine Gegner vorgesehen.

     

    Die ersten drei der Mörder sind schnell erledigt (so nach 10 -15 Minuten) und von dem Letzten erfährt Jim auch den Namen des vierten Schützen, den sein Lehrmeister nicht kannte: Texas Corbett (Piero Lulli). Den zu finden, erweist sich als schwierig, denn in keinem Staat den Jim passiert, ist ein Steckbrief auf diesen Namen ausgestellt. (Dabei gibt der Vorname des Schurken doch einen deutlichen Hinweis!)

     

    In der texanischen Kleinstadt Galverston begegnet er dem Prediger Douglas (John Ireland) und wird Zeuge eines Banküberfalls. Doch die Bankräuber sind zu früh dran, denn eine erwartete Geldlieferung in Höhe von 200.000 Dollar hat sich unerwartet um zwei Tage verzögert, und so erbeutet man nur gute 700 Dollar. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Banditen von der bevorstehenden Geldlieferung wussten und einen Informanten in der Stadt haben.

     

    Nachdem Jim erfährt, dass es sich bei dem Anführer der Banditen um den von ihm gesuchten Corbett handelt, lässt er sich als Sheriff engagieren, unterstützt von Douglas in dem Bestreben, einen weiteren Raub zu verhindern, denn eines ist sicher: die Banditen werden wieder kommen. Vorher allerdings brechen die Insassen eines niedergebrannten Irrenhauses aus dem örtlichen Gefängnis aus und legen Feuer.

     

    Für Jim kein Grund aufzugeben. Er denkt sich einen Plan aus, um mit Douglas Hilfe die Banditen in eine Falle zu locken und deren Informanten zu enttarnen. Der Tag der Rache rückt näher.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Oft wird es Umberto Lenzi allein zugute gehalten, diesen „Horrorwestern“ geschaffen zu haben. Vielleicht war es aber auch der Einfluss des Co-Autors Vittorio Salerno, der uns immerhin als Regisseur einen so durchgeknallten Film wie „Kochender Schlamm“ (Fango Bollente, 1975) mit Joe Dallesandro beschert hat.

     

    Lenzis „Ein Colt für 100 Särge“ gehört zu meinen Favoriten unter den Italo-Western, denn er ist keine Minute langweilig. Er kann gar nicht langweilen, denn dafür ist er viel zu vollgepropft mit den verschiedensten Ingredienzien. Der Held: ein Zeuge Jehova auf Rachefeldzug. Gab es im Kino wohl bis dato noch nie und vermutlich auch später nicht mehr. Er trinkt Wasser statt Whisky, das ist sicher im örtlichen Saloon auch weniger peinlich als Giuliano Gemma mit seiner Milch. Ein bisschen was von einem Zeugen Jehova hat dieser recht unschuldig aussehende junge Karl Hyrenbach aus Lindau am Bodensee alias Peter Lee Lawrence optisch sogar, wären da nicht seine stahlblauen, eiskalten Augen - im Film zumindest. Leider starb er sehr jung an einem Glioblastom, was vielleicht auch den Ausdruck der Augen erklärt.

     

    Sehr viele der Action-Szenen in „Ein Colt für 100 Särge“ spielen in der Nacht, so auch die Invasion der Geisteskranken mittendrin, und auch das darf man getrost als originellen und ziemlich einmaligem Handlungstwist betrachten. Hier nur ein kleines Manko, denn wer den im Vorspann groß genannten Eduardo Fajardo bisher im Film vermisst hat, wird ihn hier in einer kleinen und sprachlosen Minirolle als beilschwingenden Irren finden. Auf einer verwaschenen VHS-Kassette hätte man ihn in seinen abgedunkelten Szenen wohl komplett verpasst.

     

    Insgesamt ist „Una pistola per cento bare“ gut besetzt, zahlreiche bekannte Gesichter sind in Haupt- und Nebenrollen zu finden. Ein gutes Titelstück von Angelo Francesco Lavagnino, professionelle Kameraführung von Alejandro Ulloa, es ist alles da. Bis auf eines: ein weiblicher Hingucker. Die Saloon-Sängerin macht nicht so viel her, und zwischendurch taucht gelegentlich mal irgendeine Blondine mit einer Selbstverständlichkeit auf, ganz so als sollte der Zuschauer etwas mit ihrer Rolle anfangen können. Das ist aber nicht der Fall, keine Ahnung, wo die immer herkommt. Action gibt es so reichlich wie Wendungen in der Handlung, und Vollprofi John Ireland bietet dem Helden Jim sowohl religiöse als auch mehr praxisbezogene Unterstützung mit dem Colt.

     

    Auf DVD erschien „Ein Colt für 100 Särge“ erstmalig bei X-Rated/Gabu, später lag er zusammen mit Antonio Margheritis „Mit Rocco kam der Tod“ (Fünf blutige Stricke) als Bonusfilm dem Buch „Spaghetti-Heroes“ von Jasper P. Morgan bei. Wer Morgans Bildband (ein bisschen Text ist auch dabei) noch nicht kennt, dieses Werk muss man einfach liebhaben – es ist so chaotisch, ganz auf meiner Linie. Bilder rechts und links und überall, dazwischen Textspalten in Deutsch und Englisch, Bildbeschreibungen, wo man nur beten kann, dass der Leser weiß, zu welchem Bild der Text denn nun gehört, herrlich. Nein wirklich, das Buch bietet einen lohnenswerten Einblick in die mannigfaltige Welt des Italo-Westerns, ein abwechslungsreiches und buntes Werk für Fans, die nicht auf Texte im Dissertations-Stil stehen.

     

    Die dem Buch beiliegende Veröffentlichung von „Ein Colt für 100 Särge“ weist neben dem Bonusfilm zu beiden enthaltenen Western auch Alternativszenen aus den deutschen Fassungen auf und hat – jedenfalls bei dem hier besprochenen Film – eine eigentümliche und faszinierende Farbgebung. Rätsel gibt dagegen die Veröffentlichung von Icestorm Distribution auf: Regionalcode falsch? Und die FSK-Freigabe ab 12 macht mich stutzig. Zwar ist bei der FSK bekanntlich nichts unmöglich (im Guten wie im Schlechten), aber „Ein Colt für 100 Särge“ ist schon recht hart. Lieber zu den bereits erwähnten „Spaghetti-Heroes“ greifen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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